Ein Jahrhundert Borsenverein der Deutschen Buchhandler Von Robert Voigtlander in Leipzig schwerster Zeit schickt sich der Borsenverein der Deutschen Buchhandler zu Leipzig an, zu Kantate in das zweite Jahrhundert seines Bestehens einzutreten. In ebenfalls ernster,weil ebenfalls noch unfertiger deutscherZeit, ist er am 30. April 1825 gegrundet worden. Ein Jahrzehnt zuvor erst hatten die Volker Europas, die Deutschen voran im grimmigsten Zorn, das franzosische Joch abgeschuttelt. Die deutsche Kraft aber hatte kaum gelangt, den Franzosen den mittel- und nieder- rheinischen Raub wieder zu entreillen; den elsast-lothringischen hatte man ihnen lassen mussen. Das erschopfte Deutschland war ties ruhebedurftig. Der deutsche Gedanke war erst im Erwachen; Goethe stand kuhl vor ihm; Studenten bststten die Kuhnheit, stber die kleinstaatlichen Grenzen hinaus fur ein deutsches Vaterland geschwcirmt zu haben, auf Festungen oder in der Fremde. Ein deutscher Buch- Handel, wie wir ihn jetzt kennen, war erst im Werden. Am Rhein, in Bayern gab es erst Anfcinge. Friedrich Perthes in Hamburg war, ehe er 1822 in Gotha bedeutender Verleger wurde, der weit und breit gekannte Sortimenterkonig ge- wesen. Aber die deutsche Gelehrtenrepublik bestand und neben ihr, in krclftigem WachStum, ein gebildeter Burgerftand, der seinen Goethe, Schiller, Wieland,

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 11