keiner der Leipziger Deputierten befand, unterschrieben. In den Namen der Grenzstadte des neuen VereinS: Bremen, Schleswig, Stralsund, Konigsberg, BreSlau, Kaschau, Wien, Munchen, Strasiburg, Mainz, Koln, ist vielsagend bereits seine stberstaatliche, das ganze Deutschtum umfassende Bedeutung angedeuter. Der neue Verein war also anfangs ein Verein der Auswartigen; erst als die Leipziger sich besonnen hatten und als gemeinsames Werk das Borsengebaude in der Ritterstrasie entstanden war, da, am 1. Mai 1836, finder sich zum erstenmal in einem Protokoll der seit- dem unverandert gebliebene Name „Borsenverein der Deutschen Buchhandler"*. Ob die nuchternen Abrechner damals sich der vollen Tragweite dieses Namens bewusit gewesen sind? Wohl nicht; hochstens Perches mag weiter geschaut haben. Allzu laut ausgesprochen, hatte auch der Gedanke an einen das ganze Deutschland und gar noch mehr umspannenden Verein fur die Grunder sehr gefahrlich werden konnen, denn damals waren es die Hose und Regierungen, die kein Vaterland kannten, das Deutschland heisit. Miteinander abrechnen, zahlen das konnte man wagen, auch uber die kleinstaarlichen Grenzen hin- weg; man konnte sich auch bald das stattliche Eigercheim leisten. Wie grosi aber das Misi° trauen gegen jede deutsche Volksgemeinschafr war, zeigen die vielen Verbore der Guten- berg-Feier 1840, die eigentlich nur in Leipzig und Stuttgart hat richtkg begangen werden konnen. Aber trotz allem, auch trotz der schsindlichen Presi- und Zensurqualereien, konnte der junge Borsenverein sich in einer anderen Hauptsache uber die Binnengrenzen hinwegsetzen: in dem Kampfe gegen den Nachdruck. Freilich gehorte dieser laut der Bundesakte auch zu den Aufgaben des Deutschen Bundes. Aber der nahm sich Zeit. Auch ohne ihn war die zwischen- staatliche Freibeurerei des Nachdrucks bereits am Erloschen. Aber erst die Klasstkerzeit hatte den Mangel sicherer literarischer Rechtsbegriffe so recht zum Bewusitsein gebracht, und noch hielt die wurttembergische Regierung ihre Reutlinger und anderen Nachdrucker fur sehr nsitz- liche Menschen, weil sie doch den wstrttembergischen Druckern und Papiermachern zu tun gaben und Geld ins Landle brachten. Gleich nach der Grundsteinlegung der Buchhandlerborse, 26. Oktober 1834, uberreichte der Vorsteher, Theodor Enslin, dem Vertreter des sachsischen Regenten die „Vorschlage Dies nach freundlicher Ermittlung deS Herrn Or. Johann Goldfriedrich.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 13