Borsenverein und konnten auch in seinen ersten 50 Jahren noch ertragen werden. Un- ertraglich aber und fur den Bestand des unentbehrlichen Ladenbuchhandels gefahrlich wurde das Unterbieten erst infolge der grotzen Verkehrserleichterungen durch Post und Eisenbahn im Norddeutschen Bund und im neuen Deutschen Reiche. Es hat eines zwolf- jahrigen Ringens, 1877—1888, und der ebenso macht- als mastvollen Personlichkeit Adolf Kroners bedurft, um die Satzung des Borsenvereins zur Rechtsgrundlage fur die Schleudereibekampfung umzugestalten, und weiterer 18 Jahre, bis, zuletzr in Leipzig, der feste Ladenpreis tatsachlich zur allgemeinen Verkehrssitte geworden war. Wilhelm Spe- mann aus Stuttgart konnte mit Recht nach der entscheidenden Abstimmung in der austerordentlichen Hauptverfammlung zu Frankfurt am Main, 25. September 1887, sagen: „Mir ist keine einzige Korporation bekannt, die bis jetzt im Erwerbsleben das Prinzip aufgestellr hatte: es ist unmoralisch, oder wenigstens vielleicht ist das Wort zu stark es ist nur derjenige Erwerb ein berechrigter, der fo betrieben wird, datz jeder anMndige Konkurrent dabei bestehen kann. Im allgemeinen kcimpfen wir jetzt bestandig einen Kampf alle gegen alle. Wir haben aber im Buchhandel, glaube ich, zum erstenmal das Prinzip aufgestellr: Nur das darf sein, was der Gesamtheit natzt." Diese grotzen Drei: Ordnung des inneren Verkehrs- und Abrechnungswesens, Kampf gegen Nachdruck und um sicheres literarisches Recht, Schutz des Ladenpreises haben haupt- fcichlich das erste Jahrhundert des Borsenvereins erfullt. Daneben naturlich eine Menge anderer Aufgaben, wie sie die Entwicklung des Buchhandels im Gefolge der Schnell- presse, der Prehfreiheit, der allgemeinen Volksschule, der Ubergang vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich, Weltkrieg und Revolution, kurz das ereignisreichste deutsche Jahrhundert mit sich brachte. Die Zahl der Mitglieder des Borsenvereins ist gewachsen von 103 (1825) auf 4850 (Februar 1925), darunter etwa 900 aukerhalb der Reichsgrenze. Keine der von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erkennbaren inneren Wandlungen des Buchhandels hat das Wachstum des Borsenvereins hemmen ksnnen, und weder der Niedergang der alten Kommissionspleitze Augsburg, Nurnberg und Frankfurt a. M., noch der Aufstieg Berlins und Sruttgarrs, die Bedeutung Leipzigs als Vororr des Buchhandels, von dem aus sich ein erdumspannendes Band um das ganze geistige Deutschtum schlingt.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 15