Archiv fur Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik Fabrikmarke waren, wie der Baselstab des Froben oder der vom Delphin umschlungene Anker des Aldus. AuBerdem bringt es das kleine Format des Signets mit sidi, daB die einzelnen Teile der Pressen oft nicht gleidi klar und deutlich ab= gebildet sind. Es ist sehr gut denkbar, daB man sich auf die wesentlidien Formen besdirankte, ja, sidi vielleidit audi zeidinerische Freiheiten nahm. Davon aber abgesehen, sind die Signete die widitigsten zeitgenossisdienBildervon Druk- kerpressen, zu denen erganzend soldie in Titel* umrahmungen, Biidiern und auf Spielkarten treten. Es ist eigentumlicb, daB ansdieinend Rein deut* .safer Drucker ein prelum als Zeidien fuhrt2, die meisten Signete mit der Druckerpresse sind bei franzosisdien Druckern zu finden. Ob das einen besonderen Grand hat, ist schwer zu sagen. Der Stolz auf die eigene Presse wird hier wie dort gleidi groB gewesen sein, ist es franzosisdier Eigenart zuzusdireiben, wenn sie das bildlidi aller Welt zeigen wollte? Es ist der beriihmte Pariser Drucker und Hu= manist Josse Badius Ascensius, der zum ersten* mal im Jahre 1507 sein prelum Ascensianum auf seine Biidier setzt3, der vom Jahre 1520 an eine zweite ahnlidie Marke neben dieserbenutzt, und der diesen beiden im September 1529 eine dritte Variante folgen laBt. Von diesem Mann geht das Signet in mannigfadien Abwandlungen auf seine Kinder und Enkelkinder iiber, es findet sidi in Nachahmungen in Gent und Rennes4, man kann ohne groP>e Ubertreibung sagen, daB man diesem Drucker die Kenntnis der Pressen der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts verdankt. Es lohnt sidi daher, sie einmal genauer zu be* traditen. Das Signet von 1507 <siehe Abbildung i> wird am haufigsten von Badius benutzt, bis ans Ende seiner Tatigkeit kommt es vor. Es ist in Dar* stellung, Zeidinung und Tedinik das einfadiste. Eine ansdieinend in samtlidien Teilen aus Holz bestehende Presse steht im Mittelpunkt des Bildes. Alle Studke sind ziemlidi deutlich zu erkennen die nidit besonders starken, bis an die Zimmer* decke reidienden Presswande, die das Gestell bilden, der verhaltnismaBig kleine Tiegel, die leidite Spindel, der Deckel, an dem ansdieinend Sdiarniere angebrachtsind zum AuFundNieder* klappen, das sdieinbar unbeweglidie Fundament, die Kurbel zum Ein* und Ausfahren des Karrens, der PreBbengel. Zweifelhaft bleibt, durdi was die beiden Querbalken verbunden sind. Sollen es wirklidi eiserne, mit Sdiraubenkopfen ver* sehene Streben sein?6 Die Zeidinung ist hier zwar anders wie bei den Holzteilen, immerhin konnten audi feste Stricke dem verhaltnismafiigen leichten Gestell den notigen Halt geben. Drei Leute sind beim Druck besdiaftigt: der eine Ge* selle ist gerade im Zuge begriffen, ohne groBe Anstrengung zieht er mit der rediten Hand am PreBbengel und dreht mit der linken die Kurbel/ der zweite verreibt die Druckersdiwarze zwisdien den Ballen, wahrend als Setzer offenbar eine Frau besdiaftigt ist, die vor dem Setzerkasten sitzt, den Winkelhaken in der erhobenen Rediten halt <tedinisdi falsdi gezeidinet!) und das Manu* skript neben sidi auf einem erhohten Pult stehen hat. Voile Klarheit iiber die damalige Drucktedinik vermittelt diese Darstellung von 1507 allein nodi nicht. Nur das steht fest: man braucht, genau wie auf der Abbildung von 1499, nidit mehr die Form zwisdien Tiegel und Fundament zu zwan* gen, sondern kann sie leidit hin* und herbewegen. Kulturhistorisdi von besonderem Interesse ist die Besdiaftigung der Frau im Druckgewerbe. Es ist die einzig einwandfreie Darstellung dieser Art aus der Zeit, sdion auf dem dritten Signet von Badius ist es zweifelhaft, ob man es mit einer Setzerin zu tun hat. Nodi aus einem dritten Grunde ist das Signet aufsdiluBreidi, als Beitrag zur Gesdiidite des Druckers. In den unteren Querbalken hat er den Namen seiner Presse ge* 106

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 39