110 Archiv fur Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik Paris muB es eine Kopie gegeben haben, wie die eben zitierte Stelle beweist. Von Conrad Ba* dius wird Jean Le Preux sein Signet entlehnt haben21. GroBe, Darstellung und Haltung der Personen sind ganz gleidi, nur die Untersdirift ist eine andere, wie sie haufig bei Signeten dieser Zeit vorkommtQuicquid agas, sapienter agas, respice finem. Wirklidi unabhangig auBerlidi und innerlidi vom Entwurf des Badius sind in Frankreidi im 16. Jahrhundert nur die Marken des Enguil* bert de Marnef und der Briider Bourhets in Poi* tiers von 156722, und ein zweites Signet von Eloy Gibier in Orleans23. Wahrend die ersteren eine runde Markenform haben, bringt Gibier die Darstellung in ein Oval hinein. Er laBt alle Per* sonen fort, die Presse, deren Bengel durch einen aus Wolken kommenden Arm kraftig gezogen wird, fiillt allein das Signet. Ob der Bengel hier leidvt gesdiwungen dargestellt ist, laBt sirh sdiwer feststellen/deutlich siditbar ist dagegen dieStutze fiir den PreBdeckel, wenn er aufgeklappt wird. Bei Marnef und den Briidern Bourhets sitzen ein jtingerer und ein alterer Mann vor dem Setzerkasten, wahrend der eine Drucker im Zuge befindlich ist und der andere die Farbe zwischen den Ballen verreibt,- audi hier steht der Auslege* tisdi wie bei Conrad Badius hinter dem Drucker. Ein aufrirhtiges Bekenntnis zur Druckkunst ist ihr WahlsprudiVitam mortuo reddo. Je rauie le mort. Was an Druckerpressen auf Signeten des i6.Jahr- hunderts nodi vorkommt es sei vor allem auf das englisdie Prelum R. Sdiilders hingewiesen24 bietet zur Kenntnis der Drucktedinik nidits wesentlidi Neues, ebensowenig die Pressen auf Spielkarten des 16. Jahrhunderts 25 und das Budi* druckerwappen der Budidrucker von Poitiers26. Die widitigste Erganzung zu den eben be* sprodienen Marken ist die Darstellung des Budi* druckers von 1568 durdi Jost Ammann, mit der der Holzsdinitt in Johann Stumpffs Chronica von 1586 mit dem Sch6ffersdienWappen27ziem* lidi genau iibereinstimmt. Was auf den Signeten nidit bestimmt festgestellt werden konnte, er* kennt man hier: ein voller Bogen kann auf das Fundament aufgelegt werden, erst wird die eine, dann die andere Halfte unter den Tiegel gefiihrt, in Punkturen wird das Papier eingestodien. Zur Stiitze des Deckels ist der Galgen da, das Rahm* dien halt beim Zuklappen des Deckels den Bo* gen fest. Das Rahmdien seinerseits wird wieder durdi eine Sdinur gehalten, die an Deckel und FuBboden befestigt ist, durdi eine leidite Bewe* gung des FuBes klappt es zu. Erst im 17. und 18. Jahrhundert mehren sidi die Darstellungen von Druckerpressen. GroBe sdione Kupferstiche geben den damaligen Stand der Drucktedinik genau wieder, audi wird versudit, die Druckerwerkstatt des 15. Jahrhunderts dar* zustellen28, dodi gehort das nidit hierher. Aus unserer Zeit seien zwei Marken erwahnt, die eine alte Handpresse in stilisierter Form bringen: Bei Breitkopf kD HarteFLeipzig zieht der Bar den Bengel mit beidenTatzen29, wahrend es bei Otto Regel <Budidruckerei und *binderei in Leipzig),wie dasSprudiband sagt, der »Druck* bengel aller Verleger«, in Warns und kurzen Hosen, besorgt30,- letzterem Signet ist auBerdem der bekannte Vers von Hans Sachs iiber den Drucker beigefiigt. So ist der ursprungliche Ge* danke eines Badius aus dem i6.Jahrhundert, eine Presse als Signet und Sdiutzmarke zu benutzen, nodi im 20. Jahrhundert lebendig.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 43