123 ersten Erfolg mit der Sdiutzmarke nun audi mehr und weiteres von ihrem SdVdpfer verlangten, bewahrte ihn vor jeder Einseitigkeit, die sdilielMidi das Scbicksal eines jeden Nurspezialisten ist. So ergab sidi ganz folgeriditig sein Wirken auf alien Gebieten gebrauchsgraphisdier Kunst, die urn das Kernland der Marke herumgelegen sind. Eine lange Kette von Plakaten reihte sidi auf in den Jahren vor und nacfi demKriege. Inserate;Packungen,Briefkopfe,Prospektegingen nebenher undgaben demGesamtbild seines Kunstsdiaffens Ausmafi und Farbe. Ein wiehtiges Glied darin bilden seine Werbeblatter und Werbedrucke fur die Sdiwerindustrie, von denen zwei Proben fiir die Eisen* und Stahlwerke Meier ®Weiehelt in Leipzig diesemHefte beigefugtsind. Schon aus seinenHandelszeichen=Ver6ffentlidiungen ergibt sidi seine Mitarbeit an der Werbegestaltung unserer grofiten Industriefirmen, Da finden wir Ludwig Lowe, A. Borsig, Siemens s3D Halske und andere klangvolle Namen, In Hunderten von Inseraten und verwandten Bildwerbungen seben wir ihn fiir dieseWerke tatig, wie wir seinen Namen dann audi verkniipft finden mit den Reklameaufierungen der versdiiedensten Industrie* und Handels* unternehmungen. Da sind Odol und Kolner Messe, Bolle und Allianz=Konzern, die Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer Co. und der Wormser Weinklub usw. in bunter Reihe. Eines der bedeutsamsten Kapitel im Hauptbudi seines kiinstlerisdien Wirkens bildet der Absdinitt »Festsehriften«. Auf diesem vornehmsten Gebiet neuzeitlidier Drucksadienkultur liegt ja leider nodi vieles im argen. Ein Studium der in den letzten zwanzig Jahren herausgekommenen Jubilaumssdiriften gibt dariiber ersdiiitternde Aufsdilusse. Firmen von Weltruf haben auf die Bedeutung eines Jubilaums in ihrer Entwicklungsgesdiidite mit hoffnungslos langweiligen dicken Folianten hingewiesen, die mit Photographien von ermudender Rasselosigkeit mehr oder weniger stark durdisetzt waren. Daft man audi mit der Kamera starke Wirkungen erzielen kann, wenn sie nur von Fadileuten mit gutem Blick und sidierem Takt bedient wird, haben uns die Amerikaner langst bewiesen. Urn wieviel wirksamer und reprasentativer lafit sidi aber eine so hodi die Alltagsdruoksadien uberragende Einzelsdirift gestalten, wenn man fiir ihre Gesamtanlage und insbesondere fiir ihren Bilderschmuck einen Kiinstler heranzieht, den Begabung und Vorbildung fur eine soldhe Aufgabe besonders geeignet madien! Also nidit etwa den beruhmten Portratmaler X oder den Meister der Radierkunst V, sondern einen Gebraudisgraphiker von Rang und Ruf, der geniigend Disziplin im Leibe hat, urn nidit ein Saltomortale »in eigener Sache« aus einer Festschrift fiir ein industrielles Gronunternehmen zu madien, sondern ein Werbewerk von dauerndem Wert fiir die Firma, und der zum anderen dodi wieder fiber ein kunstlerisdies Temperament verfugt, das diese zweckgebundene Form mit kraftvolfem Leben zu er* fiillen weifh Die deutsdie Festsdiriftenliteratur, die allein fiir die letzten zwanzig Jahre mehrere hundert Nummern umfafit, kann unter dem Wust des Mifiratenen und des Mittelmafiigen immerhin mit einigen Stucken aufwarten, die als geniale Losungen einer soldien sdiweren und verantwortungsvollen Aufgabe an* zuspredien und die den Ruf der jubilierenden Firmen in der ganzen Welt zu mehren geeignet sind. Audi Karl Sdiulpig hat, nadidem ersdion 1922 miteinerkleineren ArbeitfurdieFirmaRietsdiel'© Henne^ berg in Berlin seine Eignung fiir Auftrage dieser Art bekundet hatte, 1925 mit einer grofien Jubilaums* sdirift fur die Carl Goldsdimidt Hutfabrik A.*G. in Luckenwalde ein Werk gesdiaffen, das in der Gruppe erstrangiger Veroffentlidiungen stets einen bevorzugten Platz einnehmen wird und mit dem die Firma sidi selbst ein Werbemal von vornehmster Pragung gesdiaffen hat. Bezeidinend fiir den Ernst seiner kiinstlerisdien Auffassung und fur die Liebe zu seinem Werk ist die restlose Hingabe des Kunstlers an dieses Budi, die ihn vor keiner Miihe zurucksdirecken lieD und die ihn dazu fiihrte, alle von ihm

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 59