Archiv fur Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik milter nach wie vor bewegt. Erstaunliches leistet die Mergenthaler Setzmaschinenfabrik in der quali- tativen und quantitativen Hebung ihres Schrift- materials. 130 Frakturschriften und iiber 200 Anti- quaschriften legen Zeugnis ab von der ungeheuren Auswahl der auf der Linotype zur Verwendung kommenden Schriften. Auch die Setzmaschine hat ahnlich wie der Offset eine Reihe von Hilfsindu- strien ins Leben gerufen, so die Anfertigung von Typograph-Giefiformen und Spatienkeilen (Deutsche Feinschleif-Gesellschaft Berlin), die Herstellung von Setzmaschinen-Beheizungsanlagen durch die „Asbern" Augsburg-Goppingen und Elektro-Fun- ditor-Bauanstalt, Waldshut i. Baden und andere fiir die Setzmaschinenpraxis benotigten Werkzeuge und Materialien. Von den Setzmaschinen fiihrt der Wegzu den Schrift- giefiereien, die mit ihren Erzeugnissen im Buch- gewerbehaus nahezu vollzahlig vertreten waren. Das gegenwiirtige Schaffen fast aller deutschen Schrift gieBereien ist charakteristisch durch das Zuriick- greifen auf alte Vorbilder. Wie wir uns im Schrift- tum unserer Tage mit Vorliebe auf die Werke deut- scher, italienischer und franzosischer Dichter und Denker des 18. Jahrhunderts besinnen, so regt sich auch der Wunsch, diese Biicher in den ihrer Zeit angepafiten Schriften zu drucken. Dieses „Aus- graben" brachte uns geradezu klassische Antiqua- schriften, wie die Wallbaum, die Baskerville, die Fleischmann, die Bodoni und andere. Es bleibt zu hoffen, dafi unsere SchriftgieBereien aus dieser An- lehnung an altbewahrte Vorbilder die Kraft zu ei- gener, neuschopferischer Gestaltung in dieser Rich- tung finden. Die neu herausgekommenen Antiqua- schriften von Koch und Tiemann, um nur einige hervorzuheben, zeigen, daB unsere fiihrenden Buch- und Schriftkiinstler hierzu sehr wohl in der Lage sind. Es wiirde den Rahmen dieser Abhandlung weit iiberschreiten, wollte man alle Erzeugnisse unserer SchriftgieBereien, die auf der Bugra-Messe vertreten waren, hier auffiihren. Vertreten waren folgende Firmen: Berthold A.-G., Berlin, in einem kiinstlerisch prachtvoll ausgestatteten eigenen Aus- stellungszimmer, Bauersche GieBerei, Frankfurt a. M., Gebr. Klingspor, Offenbach, Schelter Gie- secke, Leipzig, Stempel A.-G., Berlin, SchriftguB A.-G. Briider Butter, Dresden, Ludwig Wagner A.-G., Leipzig, Haassche Schriftgiefierei, Miinchenstein. Auch die Messinglinienfabrik Hugo Rosen, Leipzig, und C. Riiger, Leipzig, verdienen hier genannt zu werden. Die im ersten Stockwerk untergebrachten Ausstel- lungen unserer Farbenfabriken wuBten wiederum durch ihre stilgerechte, mit den wundervollsten Licht- und Farbeneffekten geschmiickten Kojen die Aufmerksamkeit zu erwecken. Die Ausstellungen unserer Farbenfabriken dienen in erster Linie Re- prasentationszwecken. Vertreten waren alle nam- a; haften Firmen dieses Gebiets, wie Otto Baer, Rade- beul-Dresden, Berger Wirth, Leipzig, Fischer, Naumann Co., Ilmenau, Gleitsmann, Dresden, Habich Sonne, Veckerhagen, Gebr. Hartmann, Am- mendorf, Hostmann-Steinberg'sche Farbenfabriken, Celle, Gebr. Janecke Fr. Schneemann, Hannover, Konig Quidde, Hannover, Kast Ehinger, Stutt gart, Dr. Lovinsohn Co., Berlin, Mobius Sohn, Hannover, Ziilch Dr. Skerl, Leipzig. Ein reiches Arbeitsgebiet erwachst den Farbenfabriken vor allem durch die Schaffung von Farben fiir die modernen Drucktechniken im Offset- und Tiefdruck, nach dieser Richtung war die Ausstellung der Farben fabriken im Buchgewerbehaus diesmal besonders lehrreich. Das wichtige Gebiet der Walzen war durch Felix Bottcher, Leipzig, hervorragend vertreten, es gibt wohl kaum einen Zweig buchgewerblicher Beta- tigung, der von einem Werke in so iiberragendem MaBe bestritten wird, wie dies bei Buchdruck- walzen durch Felix Bottcher geschieht. Automati- sche Walzen-Reinigungsmaschinen zeigten Bottcher Renner, Niirnberg, Max Sadowsky, Berlin und Paul Glockner, Leipzig, wahrend die Chemische Fabrik Ortraud, Berlin, mit ihren verschiedenen Walzenmasseprodukten vertreten war. Auch die Maschinenfabrik Asbern muB in diesem Zusammen- hange erwahnt werden. Sie leitet zu der groBen Zahl von Firmen iiber, die sich mit der Herstellung von Holzutensilien und Materialien beschaftigen, die im Buchgewerbe von Wichtigkeit sind und die der Bugra-Messe mit vollem Recht den Beinamen einer graphischen Materialienschau geben. Alle hierfiir in Frage kommenden Firmen anzufuhren, muB aus Raummangel unterbleiben. Eine Sonderheit fur sich bilden dabei die Priifungsapparate der Firma Louis Schopper, Leipzig, deren Notwendigkeit und Nutzen fur Prufzwecke in der Holzstoff-, Zellstoff-, Papier- und Pappenindustrie langst anerkannt worden ist. BesondereWurdigung unter denim Deutschen Buch gewerbehaus zur Frubjahrsmesse ausgestellten Ma- schinen verdienen die fiir die Papierverarbeitung in Buchbindereien, Kartonnagenfabriken, Geschafts- biicherfabriken, lithographischen Anstalten und ver- wandten Gewerbezweige benotigten Maschinen und Materialien. Wie in den fiir den eigentlichen Buch- druck bestimmten Maschinen, so waren auch hier die fiihrenden Firmen mit dem Wertvollsten ihres Bau- programms vertreten. Eine der wichtigsten und meist gebrauchlichsten Maschinen stellt die Schneide- maschine dar. Karl Krause, der in seinem Fabrikge- baude an derZweinaundorferStraBe einen standigen Ausstellungsraum unterhalt, wo insbesondere wah rend der Mefiwoche alle Spezialerzeugnisse betriebs- fertig vorgefiihrt werden, zeigteim Buchgewerbehaus -- seinen Patent-Schnellschneider „Record", Modell 128

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 68