Archiv fur Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik bar das Bedfirfnisvorhanden,einmal eine zusammen- fassende Riickschau auf die graphischen Gewerbe der jiingsten Zeit zu bieien und dies ist in Bild und Wort in der Art geschehen, daii auf einenText- teil von 107 Seiten Umfang ein Beilagenteil folgt, der die Leistungen der einzelnen Druckereien in den verschiedenen graphischen Verfahren hervor- treten laBt. DerGesamteindruckdesBeilagenteilesist fur unsere Augen ein wenig bunt und zusammengewiirfelt, der Geschmack typisch franzosisch. Nebeneinander stehen Entwfirfe und Dekorationen sehr ungleichen kiinstlerischen Wertes und dadurch wird es etwas schwierig, dem Heft gerecht zu werden. Im Textteil Verfasser sind nicht genannt wird auf Seite 1—42 ein Gesamtiiberblick iiber die gra phischen Reproduktionskfinste gegeben, es folgt auf Seite 4569 eine Histoire de la gravure, umfassend Holzschnitt,Kupfersticb,StempelschnittundschlieB- lich ein Abschnitt fiber das Papier im Laufe der Jahr- hunderte (Seite 81104), beginnend mit Hohlen- schriften, Pergament, Papyrus usw.bis zurmodernen Papierfabrikation. Typographisch bietet der Text teil nichts besonders Bemerkenswertes; die Zeilen- breite von 161/i Zentimeter macht das Lesen nicht gerade leicht, die Kopfleisten und der sonstige typographische Schmuck, wie sie ofter in Anwen- dung kommen, sind ffir uns bereits mehr oder minder fiberwundener Standpunkt. Bei den historischen Darstellungen fallen unange- nehm auf die zahlreichen Druckfehler in Eigennamen und die nicht ganz exakte Form der Darstellung. So scheint der Verfasser der Histoire de la gravure offenbar die ganze neuere Literatur fiber Kaiser Maximilian und seine Bficher fiberhaupt nicht zu kennen, sonst konnte er nicht behaupten, dalJ der Theurdank Schauffelens Hauptwerk sei, er scheint auch sonst fiber die naheren Verhaltnisse der deut- schen Holzschneidekunst einigermaBen im Dunkeln zu tappen, sonst wfirde er nicht Wohlgemuth allein die 2000 Holzschnitte zur Schedelschen Weltchronik zuschreiben und was dergleichen Unrichtigkeiten mehr sind. Man fragtsich, was eine solchehistorische Darstellung bedeuten soli, die ohne positives Wissen zusammengeschrieben wurde. Auch bei dem Ab schnitt fiber den Stempelschnitt macht sich die Un- kenntnis des Verfassers in mehr als einer Richtung bemerklich. Was soli das heifien, dafl Schoffer als Erflnder des Schriftgusses hingestellt wird, wahrend man Gutenberg jegliches Verdienstbestreitet? Auch hier fehlt dem Verfasser die Kenntnis der Resultate, wie sie in den Schriften von Zedler, Mori, Haebler usw. zu flnden sind. Nach alledem mufl man sich fragen, was derhisto- risch interessierte franzosischeBuchdruckerwohlaus diesen reichlich oberflachlich zusammengeschrie- benen Darstellungen lernen soli; wir vermogen damit nicht viel anzufangen. A CARL CHRISTIAN BRY, Des Buches Werdegang und Schicksal. Vom Schreibtisch des Dichters bis zum Bficherschrank des Lesers. Berlin: DOrr Weber, 1924. 94 S. 8°. (Zellenbficherei.) Trotz mancher dankenswerten Aufklarung fiber den Werdegang des Buches ist diese Darstellung selbst ffir den, der sich nur in einer mfiBigen Stunde ein- mal mit all den Problemen vertraut machen will, die sich an das Buch und seine Entstehung, seinen Vertrieb usw. anschlieBen, allzu wortreich geschrie- ben und inhaltlich im Grunde etwas dfinn. RICHARD BENZ, Geschichte und Asthetik des deutschen Volksbuches. Zweite Auflage. Jena: Diederichs, 1924. 63 S. 8°. DaB dasBfichlein vonBenzbereits inzweiter Auflage vorliegt, beweist, wie notig diese seine „Erganzung unseres Wissens fiber die alt-deutsche Prosa" ge- gewesen ist. Noch immererfahrt man aus den „Litera- turgeschichten" herzlich wenig fiber die altdeutschen Volksbficher; diese Lficke ffillt das Benzsche Heft- chen bestens aus. RUDOLF SCHIESTL, Der Tod von Basel. Acht Holzschnitte zu dem alten Volkslied. Berlin- Zehlendorf: Fritz Heyder, o. J. Gedruckt in 600 numerierten Exemplaren. Keinen besseren Illustrator konnte das alte Lied vom Tod von Basel flnden als Rudolf Schiestl. Er verstand es, den einpragsamen Versen mit acht Holz- schnitten von tiefinnerer Kraft eine Begleitung zu geben, die bei engstem AnschluB an den Text die Tragik und Komik des alten Volksliedes vollig er- faflte. Eine sehr schone Leistung. GEWERBEMUSEUM BASEL. Ausstellung der Ka- lender in alter und neuer Zeit. 1924. 34 S. 8°. Die von der Direktion des Gewerbemuseums unter H. Kienzles Leitung veranstaltete Ausstellung alter und neuer Kalender wird ausffihrlich beschrieben in einem Heftchen, das aus verschiedenen Beitragen von verschiedenen Verfassern besteht. Bei aller Kfirze ist das Wesentlichste fiber Datierung und Kalender,fiber dieFormen der alteren geschriebenen und gedruckten Kalender, bis ins 16. und 17. Jahr- hundert hinein, zusammengetragen. Den BeschluB bilden einigeBemerkungenfiberdieKalenderformen der Gegenwart, die leider recht kurz ausgefallen sind. Zur Erganzung kann hier der Aufsatz von Kronberger-Frentzen herangezogen werden, der sich mitKalendernderGegenwartbefaBt und demcharak- teristische Beispiele beigegeben waren (Archiv ffir Buchgewerbe, 1924, Heft 2). ALBERT PIEL, Geschichte des aTtesten Bonner Buchdruckes. ZugleicheinBeitragzurrheinischen Reformationsgeschichte und Bibliographic (Rhei- nisches Archiv, IV.) Bonn und Leipzig: Kurt ■I Schroeder. 1924. 112 S. 4-15 Abb. 8°. 142

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 82