314 herein vorgezeichnet: Mit der Maschine laBt sich billiger als mit der Hand arbeiten. Alle Mittel, die von der Technik geboten werden und einfuhren zu einer schnelleren, das beifit sparsameren Produktion, wird man in den Dienst des neuen Buchschaffens stellen. Hier setzt die Aufgabe des beutigen Buch- gestalters ein. Das Erzeugnis der Maschine gilt es auf ein asthetisch hoheresNiveau zu bringen. Die Bucbkunst der Vorkriegszeit nabm sich als Vorbild die handwerklichen Formen. Jede Arbeit der Schnellpresse schien an Qualitat und kunstlerischem Niveau unterlegen. Gerade im letzten Jabrzehnt aber hat sich ge- zeigt, daB aucb mit der Maschine Hochwer- tiges geleistet werden kann. DieTechnikbringt Formen von einer Pragnanz bervor, wie sie die Handarbeit niemals erreicht. Nicht in der Nachahmung des Handprodukts kann so das tecbnische Erzeugnis zur Stilreinheit gelangen. Nur dadurch, daB die spezifischen LeistungenderMaschinebejabtundentwickelt werden, entsteht ein eigenes,technisches Stil- ideal, das alle Zukunftsgestaltung bestimmt. Das neue Bucb wird schon sein in diesem Sinne trotz der geringen Mittel, die fur eine Gestaltung vorhanden sind. Alle Ele- mente gilt es auf das MaschinenmaBige hin abzustimmen. Eine klare Form kann dadurch entstehen, die unbelastet von verteuerndem Luxus, ihren Zweck vollendet erfiillt und uns- res Geistes ist. In diesen Grenzen des Tech- nischen mussen zugleicb alle Mittel kultiviert und ausgebaut werden, die zur Bescbleuni- gung des Lesetempos beitragen und dem zwei- ten Hauptgebot modernen Buchgestaltens Rechnung tragen. Ornamente, Initialen und Leisten erweisen sich hier nicht als braucbbar. Sie sind entworfen in der Absicbt, die hand- werklich schone Form der Bucbseite zu runden und zu schmiicken. Fur den FluB der Mit- teilung bedeuten sie oftmals ein Hemmnis. Bejaht werden muB aber jede Form des Bild- lichen, die das im Text Dargelegte erlautert und stiitzt, eine raschere und exaktere Auf- nahme der Gehalte ermoglicht. An einigen Etappen der Bucbwerdung konnen diese Gesichtspunkte erlautert werden. Yon den Elementen ist dabei auszugeben. Nur wenn die Bausteine gesichtet sind in bezug auf ihren Stil und ibre ZweckmaBigkeit, vermag das Buch Ausdruck dieser Zeit in alien Teilen zu werden trotz der engen Grenzen, die dem Gestalten heute gesetzt sind. II. AUFBAU-ELEMENTE a) Schrift Grundelement des druckerischen Schaffens Theorie ist die Schrift. Sie bestimmt den Aufbau jeder druckerischen Form. Kautzsch um- schreibt treffend diesen Sachverhalt in dem Satz, daB eine typographische Kultur sich immer nur griinden konne auf eine Kultur der Schrift. Aucb fur das Buch ergeben sich hier die ent- scheidenden Probleme. Das Buch dieser Zeit kann nur mit der Schrift der Zeit gestaltet werden. Das niegeloste Entweder-Oder Anti- qua oder Fraktur verlangt hier aufs neue eine Stellungnahme. DieKontroversezwischen den Anhangern der klassischen und denen der sogenannten »deut- schen« Schrift scheint auf dem Gebiet des modernen Werbedrucks bereits entscbieden. Die Antiqua ist hier zu unbestrittener Vor- macht gelangt. Besonders die auBerste Aus- pragung dieses Schrifttyps, die Grotesk, findet in den Kleinformen des Drucks allgemeine Anwendung. In keinerWeise ist hiermit eine Entscbeidung auch fur das Buch gegeben. Die Type erfiillt in der Propaganda andre Funktionen als im Textsatz,undverschiedeneasthetischeGesetze

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 20