322 einrahmte und vom Text trennte. Die Besei- tigung aller iiberfliissigen Teile erboht die Wirkung der wichtigen Partien. Nur solche Ausschnitte werden gebracht, diewesentliches zeigen, die sprechend wirken wie eine Aus- sage durch den Text. Aucb andre MaBnahmen sollen die Aus- druckskraft des Bildes erhohen und den Mit- teilungswert steigern. Dem Standpunkt des Photographen tragt man bei der Einbeziehung eines Bildes ins Buch mit Rechnung. Eine Landschaft, die von einer Erbohung ber auf- genommen ist und im ausgesprochenen Blick nach unten sich zeigt, wird zweckmaBig auch auf der Bucbseite in der unteren Halfte er- scheinen. Diese Prinzipien bediirfen gerade bei derPhotographie derBeachtung. DasBild des Kiinstlers, Holzschnitt oder Radierung, wirkt durch das Gehaltliche bereits und tritt gar nicbt mit dem Ansprucb auf, unverfalschte Wiedergabe der Realitat von einem bestimm- ten Blickpunkt her zu sein. Die Pbotograpbie aber wird in ihrer Eigenart bestimmt durch den Bildausscbnitt, durch die Wahl des Auf- nabmepunktes. Beiden Momenten ist auch bei der Einordnung der Autotypie im Buch gesteigerte Aufmerksamkeit zuzuwenden,soll die spezifische Wirkungskraft der Kamera ausgenutzt werden. Nocb durch andreMaBnahmen bat manneuer- dings versucbt die Ausdruckskraft desPhoto- bildes zu erhohen, obne die Kalkulation zu belasten. So ist vielfach bereits die Randstel- lung des Kliscbees erprobt worden, die strei- fenformige Verbreiterung des Bildes vom auBersten rechten zur linken Buchseite. Hier- durch fallt der schmale weiBe Rabmen fort, der meist sonst das Bild umgab. Gerade bei der Photograpbie kann er storend wirken, weil die Wiedergabe der Realitat durch das WeiB des Papiers unangenehm abgegrenzt wird. LaBt man das Kliscbee bis zum Rande lauf en, so erreicht man damit eine bessere Illusions- wirkung denn der Betrachter denkt das Bild noch weiter iiber die Seite binaus. Allerdings darf die Form der Einrichtung nicbt zum Schema werden. In erster Linie eignet sicb die bandformige, denganzen Hintergrund be- deckende Bildform fur Wiedergaben von kon- tinuierlichen Objekten wie Himmel, Meer und Wege.DerPkantasie isthier dieRichtung vor- gezeichnetund sie setzt gedanklich die Photo grapbie fort, wahrend bei andern Aufnabmen die Struktur der Wirklichkeit jenseits des Bildes ungewiB bleibt. Aucb das Verhaltnis der Kliscbees unterein- ander ist zu beriicksiclitigen bei reinen Bild- seiten. Friiher bat man daruber nicht nach- gedacht und scbematiscb die Bilder auf Mittelachse gestellt. Heute bediirfen alle diese Fragenneuer Losungen. Es gilt, das Buch auch pbotographisch zu gestalten, das heiBt alle Elemente miissen bedacht und zu sinn- voller Einheit gefiihrt werden. Durch diese gedankliche Arbeit, durch die Auswertung des Gegebenen ersetzt beute der Mensch auf alien Gebieten, was ihm an materiellen Mit- teln fehlt. Die symmetrische Anordnung gibt man hier wie beim Textsatz auf, weil durch eine freiere Gegeneinanderstellung die Wir kung gesteigert werden kann und gerade der dynamiscbe Zug im Gegenwartsleben besser zur Geltung kommt. In dieserasymmetrischen Form der Seite wird dann zugleich auch der weiBe Papierhintergrund Gestaltungselement. Neue kontrastreiche Wirkungen konnen ent- stehen, die dem neuenLebensgef iihl gemaB sind. Ergeben sich bier eigenartige und fur die Photographie typiscbe Wirkungen, so eroffnet sich ein besonders weites Feld der Gestaltung im Bereich der Wort-Bild-Verbindungen. Friiher war es iiblich, die Textseite der Bild- seite gegeniiberzustellen. Heute wird eine viel innigere Kuppelung erstrebt, da das Photo- bild ja nicbt mebr als Beigabe nur gedacht ist, sondern einen Mitteilungsfaktor wie das Wort darstellt. Man sucht so ein innigeres Verbundensein und Zusammenwirken zu er-

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 38