324 Werken beschrankt. Es dringt vor in andre Bereiche der Literatur. Auch fur Biicher mehr dichterischen Charakters erweist sich die neue Photographie als gemaBes Illustrationsmittel— da selbst die Literatur nach dem Leben hin- tendiertund weniger phantastische Stoife ge- wahlt werden. So umscbreiben etwa dieWerke Paul Eippers eindrucksvoll, welches Erlebnis das Tier fur den Menscben bedeutet. Hedda Walthers geniale Bilder vertiefen und er- ganzen die Ausfiihrungen des Autors mit groBer Eindringlichkeit. Die Photographie er- schlieBt bier vollig unbekannte Regionen des Seelenlebens. Auch der Erfolg von Bengt Bergs Biichern erklart sich nicht zuletzt durcb das innige Verbundensein von Wort und Bild. Die Photo- graphien des Autors geben der keineswegs un- poetischen Darstellung den Akzent des Er- lebten undWabren. Lebensnahe undWabrheit aber sucbt der Gegenwartsmensch im Buch. Diese ganzeTendenz derZeit fiihrt dann hin zu einer neuen Art des Romans, der niichtern und sacblicb Gescbeben registriert. Gerade in letzter Zeit sind zablreicbe Werke dieser Haltung erscbienen. Als »Wirklichkeits- romane« kann man diese Dichtungen bezeich- nen. Zu nennen sind bier neben den erfolg- reicben Kriegsbiichern Werke wie der Tat- sachenbericht vom »Kampf urns Matterhorn« (Carl Haensel), der Rennfahrerroman »Gi- ganten der LandstraBe (Andre Reuze,Biicher- gilde Gutenberg) oder der »Reportageroman« von Erich Knauf »Ca ira«. Konsequent hat man diese Werke, die an der Wirklichkeit orientiert sind, durch Photographien erganzt. Bild und Text sind eines Stils auch in einem Werk des Dichters Heinrich Hauser iiber das Ruhrgebiet sSchwarzes Revierc. Das Werk scbwebt, wie die andern, zwischen Repor tage und Dichtung. Der Text wird hier jeweils durch filmisch angeordnete, kurz kommen- tierte Photobilder erganzt, die das Gesagte verdeutlichen. Solche Erscheinungen zeigen, daB die Photo graphie auch im Bereich der Literatur vor- dringt. Diese Tatsacbe ist nicht nur literariscb von Bedeutung, sondern sie gibt einen Vorblick auch auf die Richtung des Bucbgestaltens. Der Typograph wird mehr und mehr das Optische in seinen Kreis mit einzubeziehen haben und sich bemiihen, eine innige zweck- maBige Kuppelung von Text und Bild, Gro- tesk und Photo zu erreichen, die eine rasche Orientierung des Lesenden ermoglicht. Bei aller Anerkennung des Bildlichen muB zugleich aber auch gewarnt werden vor einer optischen Inflation und Uberladung, wie sie in den Magazinen herrscht. Nicht das Bild wird bejaht - sondern das gute Bild, das wesentliches mitzuteilen hat und die Wirk lichkeit packt, wie die Beschreibungen eines modernen Dichters. Beide Spharen und Aus- drucksmittel Wort und Bild konnen sich zweckmaBig, der Wiedergabe von Ideen und Tatsachen dienend, im Buch erst zusammen- finden, wenn ihre Grenzen und Bereiche er- kannt und respektiert werden. Nur an zwei Elementen zunachst, an Type und Bild, waren dieWandlungsmoglichkeiten des Buches in dieser Zeit aufweisbar. Die Wege zu neuen Formen erschlossen sich von wirtschaftlichen und technischen Erwagun- gen her: Um billigen Preis gilt es Werke zu schaffen, die leicht lesbar sind und dem Rhythmus der Zeit sich fugen. Aufgabe des Gestalters wird es sein, diese beiden Forde- rungen in einer Buchform zu erfiillen, die trotz maschineller Herstellung stileinheitlich- geschlossen erscheint und dem modernen Schbnheitsempfinden entspricht. Alle andern Buchteile werden in gleicher Hinsicht zu durchdenken sein. Auch die Fragen des Einbandes, des Umschlags, der Druckmethoden und der Papierwahl be- diirfen einer Losung in neuem Sinn. Unter

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 40