327 druck in unzertrennlicher Yerbindung steht, und daB die beiden Berufe im Wetteifer mit Offset- und Tiefdruck immer wieder neue Moglichkeiten aus ibren alten Erfahrungen heraus entfalten und so ibre Erzeugnisse den neuenAnforderungen entsprechend anpassen. Freilich miissen sie auch diese ihre An- passungsfahigkeit unermiidlich ausniitzen, um sich der Konkurrenz gegenuber zu be- haupten. Die momentane schlechte Beschaf- tigung in beiden Berufen ist aucb nur zum Teil auf diese Konkurrenz, zum groBeren Teil auf die allgemeine schlechte wirtschaftliche Lage zuriickzufiihren. Wie aber der Buch- druck besonders den Tiefdruck in seine Dienste stellen kann, werden wir im Yerlauf unsrer Betrachtungen noch seben. Die Chemigraphie, mit der bei ihr zum ersten- mal erfolgten Anwendung von gekreuzten Linienrastern zur Zerlegung von Halbtonen in druckbare Elemente, kann als die Mutter der modernen Reproduktionstecbnik bezeich- net werden. Die gewaltigen Erfolge dieser Rasteratzungen, welcbe den Holzscbnitt aus den Buchdruckereien im Laufe der letzten zwei Jabrzehnte des vorigen Jahrbunderts fast vollstandig verdrangten und dem Steindruck alle einfarbigen Bilddrucke abnahmen, wur- den seit etwa 1895 aucb dem farbigen Stein druck der mit bandpunktierten Tonen arbeitenden Cbromolithographie so gefahr- licb, daB man die Rastertecbnik mit alien Mitteln in das Gebiet der Lithographie ein- zufiihren bestrebt sein muBte, da aucb dieses Gebiet der Graphik obne erweiterte An wendung der Photomechanik nicht mebr aus- kommen konnte. Zwar batte sicb die gerasterte Photolithograpbie ungefabr gleichzeitig mit der Cbemigrapbie entwickelt, aber gerade ibre Rasterbilder befriedigten nicbt und konnten gar keinen Vergleich aushalten mit denen des Buchdrucks. Das lag neben der im Steindruck nie ganz erreichbaren Scharfe der Punkte hauptsachlich daran, daB man die an der Rasterhochatzung moglicben und sicher zu begrenzenden Anderungen der Tonwerte auf dem Stein nicbt in gleich sicherer Weise aus- fiibren konnte. Hier hat Gerstenlauer in Stuttgart um 1906 einen wichtigen Schritt getan, als er erstmalig die Hochatzung auch dem Steindruck nutzbar gemacbt hat, indem er die stets mangelbaften pbotographiscben Farbenausziige durcb Hochatzung auf Zink in der unumganglich notigen Weise ausge- staltete und diese korrigierten Zinkatzungen direkt auf den Stein umdruckte. Mit dieser Anleihe aus dem chemigrapbischen Gebiet wur de der photograpbische F arbenauszug und die autotypische Rasterung eigentlich erst rationell in das Gebiet der Chromolithographie eingefiihrt, die mit dieser Hilfe sechs- und siebenfarbige Bilder in pbotographischer Formentreue bringen konnte, zu denen sie vorher zwolf und mehr Farben gebraucbt batte und denen die Fehler der manuellen Entstehung meist nur zu deutlich anhaf- teten. Des Gerstenlauerschen Verfahrens hat sich unter dem Namen Reisachers der bald darauf aus Amerika zu uns kommende Offsetdruck bemachtigt und sind die besten farbigen Raster-Offsetdrucke bis vor einigen Jahren mit seiner Hilfe entstanden; von einzelnen Firmen wird das alte Verfabren heute noch kultiviert. Im allgemeinen aber ist die direkte Kopie auf Stein oder Offsetzink die fiihrende Ubertragung geworden; denn daB der Um- druck, der fur Offsetzwecke gar doppelt gebraucht wird (von der Zinkatzung auf den Stein, von diesem auf die Offsetplatte), die Rasterpunkte nicht verscharft und die Tone nicbt verbessert, und daB eine direkte Kopie auf die Maschinenplatte eigentlich die scharfste Wiedergabe des photograpbiscben Rasternegativs und die beste Druckfahigkeit geben muB, diese Erkenntnis setzte sich all- mahlich durcb und ist heute fast zur Selbst- verstandlichkeit geworden. Trager des Bildes

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 43