328 ist bei solcher Kopie ja gar nicht mehr das rauhe Zink, dessen Kornung im Interesse des Feuchthaltens unerlaBlich ist, sondern die glatte lichtempfindliche Schicht (meistChrom- albumin), was die Punktscharf e und den guten Fortdruck dieser scharfen Punkte begiinstigt. Erst hatte man noch immer die Kopie auf Stein zwischengeschaltet, weil auf diesem durch Kreide und Tusche und durcb Atzung wenigstens einige Retusche zur Vervollkomm- nung der F arbenausziige moglich war, wogegen an der auf das Offsetzink direkt kopierten Form fast nichts geandert werden konnte. Auf diese Art arbeitete man unter den ver- schiedensten Bezeichnungen der Verfahren, immer noch in Verbindung mit einem storend empfundenen Umdruck. Man war dazu ge- zwungen, weil es kein sicheres Mittel gab, an den Rasternegativen selbst die notwendigen RetuschenzurVerbesserung der photographi- schen Farbenausschaltung vorzunehmen. Aber solche Mittel zur Retusche der Raster- negative und -diapositive wurden endlich in den letzten Jahren gefunden und damit der Offsetdruck fur gerasterte Farbenbilder auf eine ganz neue Basis gestellt. Zuerst kam Miiller,Leipzig, mit seinen unscharf enPunkten auf den Plan und bald folgten ihm Dr. Schupp, Dresden, und Hausleiter, Miinchen, und etwas spater auch Meisenbach, Miinchen; diese drei Verfahren arbeiten mit scharfen Negativ- oder Diapositivpunkten, die auch nach den Retuschen scharf und gut gedeckt bleiben, so daB sie in der altgewohnten Art gut und sicher kopierbar sind und daB vor allem auch die veranderten Tonwerte von einem mit Rastertonen vertrauten Operateur relativ sicher beurteilt werden konnen. Wird also, wie bei Dr. Schupps Verfahren, nach einem rasterlosen Halbtonnegativ in der Kamera ein gerastertes Diapositiv auf einer Trocken- platte oder, wie bei Hausleiters Arbeitsweise, nach einem gerasterten Farbnegativ durch Kontakt eine Kopie auf einer Hausleiterplatte hergestellt, so konnen in diesen gerasterten Dias die Punkte weitgehend verkleinert wer den, ohne daB sie Deckung und Scharfe ein- biiBen; auch sind diese Operationen durch Deckungen und Arbeiten mit kleinen Pinseln ortlich genau zu begrenzen und zu modifi- zieren, wie beim Farbatzen in der Chemi- graphie. Zu dieser Diapositiv-Retusche kam noch et was fur den Offsetdruck heute sehr wichtig gewordenes, namlich die Auswertung der Positivkopierprozesse, die es ermoglichen, von solchen retuschierten Rasterdias wieder ein positives und druckbares Bild zu kopieren, wie man es zum Druck braucht. Am bekann- testen sind da das Manultief und das Bekka- tief geworden. Bei beiden wird zwar die ur- spriingliche Kopierschicht entfernt und das blanke Metall zum Trager der Druckfarbe gemacht; aber die betreffenden Stellen wer den vorher etwas tiefer und glatt geatzt, so daB der Punkt nachher schon scharf und glatt inmitten des rauh gekornten, also gut druck- fahigen Zinks steht und die in diesen flachen Griibchen liegende Farbe trotz reichlicherer Lagerung nicht leicht seitlich verquetscht werden kann. Das Ganze ist daher mit Recht als Offsettief bezeichnet worden, mit dem man infolge der Anreicherung der Farbe eine be- sonders kraftige Bildwirkung erreicht, so daB damit hergestellte Schwarzbilder einen fast tiefdruckgleichen Eindruck machen. So sind im Offsetdruck Negativbearbeitung und KopierprozeB die Hauptsache geworden und wurden auch dieKopiereinrichtungen ent- sprechend ausgestaltet. Man hat dazu die Kopiermaschinen geschaffen, die eine Haupt- funktion des alten Umdrucks iibernommen haben und so wesentlich dazu beitragen, daB er allmahlich fur diese Art des Farbendrucks ganz ausgeschaltet werden kann. Was der Um druck fruher durch das Aufsteclien verschie- dener oder gleichartiger Drucke nebenein- ander geboten hat, das leistet jetzt die Kopier-

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 44