330 es dem Buchdrucker wesentlich leichter sein, sich au£ den Tiefdruck umzustellen, als auf den ihm ganz wesensfremden Offsetdruck mit seinen chemischen Grundlagen, was schon mancher Buclidruckerei schlimme Ent- tauschungen brachte. Und hat auch der Offsetdruck den Buchdruckern manche gute laufende Arbeit an Katalogen usw. weg- genommen, so ist es weit iiberwiegend doch die Arbeit der Chromolitbographie und des Steindruckers, die jetzt auf diese Art wieder dem Flachdruck zugefallen ist, nachdem sie allerdings zeitweise von Bucbdruckereien mit Hilfe der Chemigraphie ausgefiihrt worden war. In der Hauptsacbe ist es aber der Tief druck, der nun auch bei Qualitatsarbeiten in kleinerer Auflage dem Buchdruck gefahrlich wird und darum balte ich es fur naheliegen- der, daB man den Tiefdruck in die eigenen Dienste des Buchdruckers stellt. Eine ganz auBerordentliche Entwicklung bat in den letzten Jahren der Farbentiefdruck durchgemacht, und zwar ganz hauptsachlich auf dem Gebiete des Druckes von der Rolle, also furZeitungsbeilagen und bunteProspekte mit groBten Auflagen. Die bunt bebilderte Zeitungsbeilage ist durch den Tiefdruck form- lich neu geschaffen worden und hat auch schon eine Gute erreicbt, die man vor wenigen Jahren noch gar nicht zu hoffen wagte. Ame- rikanische Blatter sind dabei unter Aufwen- dung groBer Kosten vorangegangen; euro- paische Blatter sind bald gefolgt und beson- ders die in letzter Zeit in Deutschland geschaffenen Neueinrichtungen baben Er- folge aufzuweisen, welcbe die amerikaniscben Yorbilder weit iibertreffen. Es gilt das sowobl fur jene Maschinen, bei denen alle Farben hintereinander auf den laufenden Papier- strang gedruckt werden, als auch von denen, wo das Papier nach dem scbwarzen oder braunen Neutraldruck in Bogen gescbnitten und diese erst mit den Buntfarben bedruckt werden. Wertvoll fur solcbe Zeitungsarbeit scheint auch das Belcolore-Verfahren zu sein, das es ermoglicht, vonroben oder retuschierten Farbennegativen bunte Kopien herzustellen, die iibereinandergelegt das fertige bunte Bild zeigen und so Anbaltspunkte geben, wie die Negative noch erganzend retuschiert werden mtissen, um gute Endresultate wahrscheinlich zu macben. Fur Qualitatsarbeiten kommt das Yerfabren weniger in Frage. Aber auch der Qualitats-Farbentiefdruck ist in gutem Fortschreiten. Hier kommt es auch darauf an, daB man an den fertigen Formen nacb einem Probedruck noch Verbesserungen vornebmen kann, wie bei der Farbenatzung fur den Buchdruck. Nur dann kann man letzte Mangel sicber beheben. Dazu bedient man sich derselbenMittel,wie in der Chemigraphie, die also auch hier Lehrmeisterin geworden ist. Auch hier, wo es sich nur um Bogendruck handeln kann, dtirften die neuen Maschinen mit den einspannbaren, fertigen Kupfer- blechen neue Moglichkeiten erschlieBen, weil dabei sogar an Zurichtung polierter Formteile von der Riickseite her zu denken ist, was bei den Kupferzylindern nicht moglich war, so daB dem Scbleifen und Polieren, also dem Aufhellen einzelner Formteile, recht enge Grenzen gezogen waren. Plakate, Kalender, Prospektblatter, die bisher nur im Flachdruck ausgefiihrt wurden, erscheinen jetzt schon vielfach in farbigem Tiefdruck und bieten dabei Wirkungen, die dem Offsetdruck ver- schlossen sind, wenn er mit kurzer Skala arbeiten will. Kann man in einer Abhandlung iiber die mo- derne Reproduktionstecbnik den Holzschnitt iibergehen, diese alteste Bildtecbnik des Buch druckers? Ich glaube, man soil das nicht tun und muB vielmebr erwahnen, daB diese alte graphiscbe Technik durch Zuriickgreifen auf die Ausdrucksformen ihres Materials und ihres Werkzeugs wieder ein erweitertes Tatig- keitsfeld erobert hat. Man sucht nicht mehr die Pbotograpbie nachzuahmen und die Glatte

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 46