334 Nachdem der Buchdruckerlehrling seine Lehr- zeit, die in der Regel vier Jahre betrug3, hinter sich hatte, bekam er ein Lehrzeugnis, wurde aber, obwohl er einen entsprechenden Lohn bekam, noch nicht Geselle, sondern trat zu- nachst in den Stand des Cornuten, d.h. ,,Hor- nertragers". Dieser Zustand wurde auBerlich mancherorts dadurch gekennzeichnet, dafi iiber dem Platz, an dem er in der Werkstatt arbei- tete, ein Cornutenhut, eine lederne Kappe mit zwei groBen Ziegenbockhornern an den Seiten, aufgehangt war4. Wahrend der Cornutenzeit hatte der Gesellen-Anwarter die Pflicht, jede Woche von seinem Lohn einen bestimmten Satz, der nicht iiberall gleich war, fiir die Ver- sorgung der bereits postulierten Gesellen mit Bier, Branntwein oderWein auszugeben. AuBer- dem bebielt der Lehrherr einen bestimmten Be- trag, das Cornutengeld, ein, das dazu dienen sollte, ihm spater die Kosten fiir die Postulats- feier vermindern zu helfen5. Hatte der Postulant sich die Kosten zusam- mengespart, was unter Umstanden, wenn er sie aus den blofien Lohnabziigen aufbringen muBte und kein eigenes Yermogen besaB, ziemlich lange dauerte, dann wurden sie bar dem Postulatvater iibergeben. Ihre Hohe wechselte in den verschiedenen Gegenden und Zeiten. Sie betrugen, wie sich aus den erhaltenen Nachrichten ergibt, an manchen Orten eine ganz exorbitante Summe, so daB des ofteren weitlaufige Beschwerden dagegen erhoben wurden. Ein Fall, der sich in Darmstadt Ende des 18. Jahrhunderts zu- trug, wird wegen der Folgen, die er mittelbar zeitigte, etwas ausfiihrlicher zu behandeln sein. Leider geben die gedruckten von den Verwal- tungsbehorden erlassenen Innungs-Ordnungen nicht immer eine zahlenmaBig genaue Aus- kunft, da sie haufig den Platz fiir die Gesamt- kosten freilassen, offenbar um amtlicherseits nicht vorzugreifen und um der Innung die end- giiltige Bestimmung der Hohe zu iiberlassen. So besagt z. B. die gemeinsam fiir Leipzig und Wittenberg 1606 erlassene Ordnung: „Nach- dem auch biB anhero, wenn man neue Gesellen bestatiget, grosse Unkosten getrieben, ist vor nothwendig erachtet, dieselben etlicher maBen zu moderiren. Und soli hinfiiro derjenige, der sich zum Gesellen machen und bestatigen will lassen, in allemFl. baar Geld zu geben schuldig seyn, und ferner weder mit dem Ein- lade-Tag, Krantzen, oder Spielleuten beschwe- ret, sondern damit allerseits verschonet wer- den. Und sollen die Postulat bey dem Herrn, da die Jungen gelernet, oder wo es die Gelegen- heit nicht geben wollte, bey einem andern Buchdruckerherrn gehalten, und, ohne beson- dere Ursache, an keinen fremden Ort gelegt werden. Wenn nun einer allein sein Postulat verschencken wolte, und nicht Hoffnung ware, daB noch einer oder mehr in kurtzem darzu kame, so soli nur eine Mahlzeit angestellt wer den, darzu allein die Herren und Gesellen, so damals in Arbeit stehen, ohne die Weibes- Personen, sollen eingeladen werden. Wie es nun hiemit anzustellen ware, soli von Herrn und Gesellen, so zum Fisco oder Laden ver- ordnet, beratschlaget und geschlossen werden, darnach sich dann die andern richten sollen, und keiner darwider reden oder sich setzen, bey Straffe 1 Fl. in Fiscum"6. Diese herzoglich-sachsische Ordnung wollte und muBte anscheinend bei der Unterlassung der Festsetzung einer bestimmten Summe Riick- sicht nehmen auf das Bestimmungsrecht der der Innung vorgesetzten Aufsichtsbehorde, des Stadtrates. Einesolche Riicksicht fieldann fort, wenn der Stadtrat selbst die Ordnung rechts- gultig von sich aus erlassen konnte, wie aus den AuBerungen der Niirnberger Ordnung vom 7. Februar 1763 hervorgeht, wo es in Absatz III, Nr. 14 heiBt: ,,Weil auch die Postulata, oder das Gesellenmachen welche ohne der Druckherren und Vorgehere Wissen und Con- sens nicht sollen gehalten werden/ eine Zeithero

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 50