337 1. YorAnhaltungumdasPostulat 1. fl. 30 kr. 2. Yor die Druckerey Vortheile der Deposition circa 10. fl. 3. Vor Bander, Citronen, Druk- kerey-Sporteln etc. circa 4. fl. 4. Das letzte Cornuten-Geld mit circa 5. fl. 5. Vor die Mahlzeit in Geld ohn- gefehr 30. fl. 50. fl. 30 kr. Zum letzten Male hort man im Jahre 1802 ge- naueres iiber die Kosten, soweit das Postu- lat um diese Zeit iiberhaupt noch bestand, in einer spezifizierten Ubersicht, die offenbar auf norddeutsche Verhaltnisse sich bezieht. G. Hayn12berichtet auf Grund der Erfahrungen, die er gesammelt: 1. Fordergeld 2 Rthlr. 2. Druckereivortheil 12 3. Deputat 20 4. Fur die 3 Beamten 2 5. Fur die Pritsche 2 Summa 38 Rthlr. Nachdem nun der Cornut diese fur damalige Geldverhaltnisse recht stattliche Summe er- legt hat, schreitet man zur Aufnahme. Zu einem rechtsgiiltigen Postulat sind fiinf ,,Be- amte" notwendig: Der Depositor und sein Gehilfe, „der Knecht", zwei Paten und der Lehrmeister oder wie er im 17. Jahrhundert mit Vorliebe genannt wird, der Pfaffe. Eine auBerordentlich lebendige und wahrheits- getreue Schilderung einer solchen Deposition, wie sie im Beginn des 19. Jahrhunderts unter Anlehnung an die alteren Sitten stattfand, gibt eine in einem jetzt kaum noch auffindbaren Biichlein des bereits obenerwahnten G. Hayn beschriebene Darstellung An einem Tage, der natiirlich schon langere Zeit vorher festgesetzt ist, veranlaBt der von dem Cornuten gewahlte Vertrauensmann die Lehrlinge und nichtpostulierten Gesellen, die Werkstatt zu verlassen. Hierauf spricht er zu den Postulierten,,Meine Herren, treten Sie doch ein wenig zusammen." Auf diese Auf- forderung versammeln sich Alle um ihn her, und nun fahrt er fort: „Monsieur N. ist ge- sonnen, sein Postulat zu verschenken, hat jemand unter Ihnen etwas dagegen einzuwen- den?" Wenn nun alle, wie gewohnlich, stille schweigen, so nimmt Einer das Wort und sagt: ,,Hat Er auch Geld? denn Er muB wissen, daB Geld die Hauptsache ist." Der Postulant sagt: „Ja", und bringt oberwahnte Summe Hier auf werden die Beamten, als: Depositor, Pfaffe und Knecht, gewohnlich durchs Loos gewahlt; die Zeugen wahlt sich der Postulant aus der Mitte der Postulirten selbst, auch wird zugleich der Tag bestimmt, an dem das Postu lat vor sich gehen soil, welches in der Regel 8 Tage darauf geschieht. Nach diesen Ver- handlungen werden die zuvor Hinausgewiese- nen wieder hereingerufen, und ein jeder setzt die vorher von ihm verlassene Arbeit fort. Wahrend der obgedachten 8 Tage muB der Postulant einigemale anfeuchten, das heiBt: so viel Brandtwein und Bier holen lassen, als die Postulirten trinken wollen, so daB diese Ausgabe nicht selten auch 2, 3 und mehrere Thaler betragen kann. Ist nun so der Postulats-Tag erreicht, so wird es den Unpostulirten kund gemacht, daB sie Nachmittags nicht in der Druckerei erschei- nen durfen, weil daselbst ein Postulat gehalten werden sollte; den Lehrlingen wird aufgege- ben, die Druckerei nicht ohne besonderes Ge- heiB zu beriihren. Zur bestimmten Zeit ver sammeln sich denn alle Postulirte in der Druckerei-Stube13, um einenTisch, der, durch einen dazu besonders Beauftragten, folgender- maBen servirt worden ist. Den ganzen Tisch, nebst allem, was sich auf demselben befindet, bedeckt eine weiBe Decke. Unter dieser befindet sich erstens ein Teller mit Salz, und auf dem Salze so viel Stiickchen Brodt, als Gesellen vorhanden sind; zweitens

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 53