338 ein mit buntem Papier beklebter Hut, auf welchem zwei blanke Bockshorner prangen, und an welchem binten ein Fuchsschwanz, mit Schellen versehen befestigt ist; drittens, ein holzernes mit buntem Papier beklebtes Beil, und viertens eine bunte Pritsche. Nachdem man die Decke wechselweise aufge- boben und wieder zugedeckt, geschakert und getrunken bat, stellt sich der Knecht mit der Pritsche hinterm Riicken an die entgegenge- setzte Seite des Tisches, wo der Postulant, der wahrend dieser Zeit nicbt gegenwartig sein darf, berkommen soli. Jetzt wird derselbe ge- rufen, zum Tische gefuhrt und auf die unter der Decke befindlichen Sachen neugierig ge- macht. Endlicb bebt einer die Decke auf und heiBt ibn Brodt, in Salz getaucbt, nehmen und essen, und indem der Postulant zugreifen will, schlagt ihn der Knecht, mit der bis dabin ver- borgen gehaltenen Pritsche so herzbaft auf die Finger, daB er erschrocken alles fallen laBt worauf dann alle sagen: Jetzt ist es noch zu friih, Salz und Brodt zu nehmen, Er muC erst noch andere Dinge erfahren." Darauf werden die auf die Deposition und ihre Bedeutung beziiglichen Ansprachen des De positors, des Knechts, der Zeugen und die Er- widerung des Postulanten vorgelesen, wie Hayn ausdriicklich bemerkt, also nicht nach dem vorgeschriebenen Wortlaut auswendigge- lernt, vorgetragen, wobei aucb Zuschauer an- wesend sein diirfen. Ferner wird ihm nach vollendeter Rede, eben- falls in Gegenwart solcher Zuschauer, der, von Einem der Zeugen erhaltene Denkspruch, auf folgende Art gelehrt: Es tritt ein Postu- lirter, mit einem vollen Glase in der Hand zum Postulanten und sagt ihm ganz leise ins Ohr,,Ich trinke es Ihnen zu, auf meinen ehr- lichen Namen, den icb bei der Druckerei emp- fangen habe, welcher lieifit"Nun folgt der Denkspruch, den ein jeder anders haben kann, weil es von den Zeugen abhangt, ob sie ihn selbst machen oder aus einem Buche entlehnen wollen; hier soil er z. B. heiBen: „Wer edel ist und tugendbaft, Dem ist die Gottbeit gut; Gesundheit loknet ihm und Kraft, Und immer frober Muth." Nun trinkt der Postulirte, und wenn dies ge- scbeben ist, gibt er das Glas dem Postulanten, der nun ebenfalls auf obige Art sagt: „Uns soli nicht trennen Gliick und Noth, Denn stark ist Freundscbaft, wie der Tod!" Auf diese Weise muB der Postulant alien Po- stulirten zutrinken, die ihm alle nach Art und Weise des Ersteren Bescheid thun miissen; nur daB ein Jeder einen andern Denkspruch bersagt, wovon aber Niemand der Anwesenden etwas Verstandliches horen muB. Dieser Pantomime folgt endlich das eigent- liche Postulat, womit sich der Postulirte aller Orten, wenn es verlangt wird, legitimiren muB; jedoch darf bei einer solcben Legitima tion, kein Geschopf, das nicht postulirt hat, gegenwartig seyn. Es wird nehmlich ein Tel ler mit Salz und Brodt, jedoch unbedeckt, auf einen Tisch oder Real in der Druckerei gesetzt, zu welchem der Postulant hintritt und folgen- dermaBen beginnt: ,,Hiermit nebme icb Salz und Brod (er taucht bei diesen Worten das Brod in Salz) damit zu bezeugen, daB icb die Bucbdruckerkunst in (z. B. Berlin) bei ITerrn N. ehrlich und redlicb erlernt, mein Postulat aber in (z. B. Halle) bei Herrn N. verschenkt habe14. Die Beamten dabei waren: Herr N. als Depositor, Herr N. als Pfaffe, Herr N. als Knecht, und die Zeugen Herr N. etc. Mein Denkspruch, den ich dabei empfieng heiBt: Uns soli nicht trennen etc. Ubrigens weiB icb von Keinem Nicbts, als alles Gute und hoffe, daB aucb Niemand etwas Anders von mir wissen wird." Nun tritt er zuriick und alle Gegenwartigen miissen es ebenso machen. Aus dieser Schilderung, die allerdings schon das modifizierte Verfahren vom Ausgange des

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 54