339 18. Jahrhunderts bringt, lassen sich trotzdem die wesentlichen Bestandteile der Deposition, wie sie von Anfang an darin entkalten waren, erkennen. Zunachst die AuBerlichkeitenInfolge der engen Verwandtschaft mit der akademischen Deposition wurden auch bei den Buchdruckern die sogenannten Depositionsgerate in Tatig- keit gesetzt. AuBer den bereits obengenann- ten, dem Hornerhut mit dem Fuchsschwanz, dem Beil und der Pritscbe, den unerlaBlichen Attributen des Cornuten, des Depositors und des Knecbts, werden in alterer Zeit noch ge- braucht eine Axt, ein Hobel, eine Sage, ein Raspel, ein Zirkel und ein Scbinken. Samt- liche Gegenstande waren von iibertriebener GroBe und bestanden aus buntbemaltem Holz15. Sie dienten dazu, dem Postulanten appliziert zu werden, um ihm seine bisherige Ungeschliffenheit und seine unzulangliche gei- stige und zivibsatorische Bildung vor Augen zu fiihren. Aus der spater immer weiter fort- schreitenden Roheit, mit der die ihnen auf Gnade und Ungnade ausgelieferten Cornuten von den die Deposition Yollziehenden behan- delt wurden, erwuchs allmahlich eine Abnei- gung, die sich bis zur Feindscbaft steigerte, gegen die Beibebaltung dieser Sitten, die nun- mehr zur Unsitte geworden war, so daB lange bevor das Postulat selbst aufgehoben wurde, bei diesen Gebrauchen sich eine erbebliche Ein- schrankung durchsetzte. Der die Deposition begleitende Dialog war gewiB nicht immer vor- her schriftlich oder gedrucktfestgelegt, sondern entwickelte sich, da die Hauptbandlung ja ein fur allemal feststand, wahrscheinlich von Witz und Laune der Teilnehmer abhangend nach Art der Stegreifkomodien. Daneben gewann, wohl schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts, ein in Verse gebrachter Kanon Gestalt, dessen Niederschlag die Depositionsspiele eines Paul de Vise und Rist sind (s. u.). Manchmal, wie bei der Dresdener Jubelfeier 1740, wurde auch ein fiir den besonderen Zweck gedicbtetes Spiel aufgefuhrt. Von der Kleidung der handelnden Personen, bzw. von ihrer Kostiimierung, wissen wir we- nig. Bescbreibungen sind aus alterer Zeit nicht vorhanden. Eine einzige bildliche Dar- stellung hat sich meines Wissens vom letzten Drittel des 17. Jahrhunderts in einem ano- nymen Kupferstich erhalten16. Auf einem schmalen Streifen unter der Abbildung eines Werkstatt-Innern stehen drei Gruppen: In der Mitte zwischen den beiden etwas stutzerbaft angezogenen Paten oder Zeugen steht in hiip- fender Stellung als Harlekin mit langen Hosen, hoher spitzer Miitze und einer Pritsche in der Rechten der Knecht. Rechts davon der Depo sitor in einer niedrigen Miitze und langem Mantel mit dem Beil iiber der rechten Schul- ter im Gesprach mit dem Knecht, der bier noch phantastischer verkleidet ist als in der ersten Szene, namlich mit Brille, langem Bart und doppelspitziger Miitze. Er weist mit der Linken auf die auBerste Gruppe rechts, in der wir den Cornuten, der bereits wieder biirger- liche Kleidung tragt, unbedeckten Hauptes neben den beiden Zeugen von dem rechts- stehenden Pfaffen in geistlichem Ornat die Be- lehrung erhalten sehen. Im Hintergrunde links steht die Depositionsbank, und auf dem FuBboden liegen verschiedene Depositions- requisiten. Das Titelkupfer der 2. Auflage des 1. Teils von Johann Ludewig Scbwarz, Der Buchdrucker, Hamburg 1775 bringt ein kulturgeschichtlich belangreiches Bild, das aber iiber das Kostiim der an der Dispositionshandlung Beteiligten nichts aussagt, da es sie im gewohnlichen Feiertagsanzuge zeigt. Nur noch einmal erfahren wir etwas iiber das Kostiim gelegentlick der Depositionen, die zur Jubilaumsfeier in Dresden im Jahre 1740 vor- genommen wurden17. Der Prolog wurde von einem Kunstverwandten im ,,Romischen Ha bit" vorgetragen, der ,,in der Hand eine Rolle

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 55