340 Papier" hielt; der Lehrmeister ging in einem schwarzen Mantel und der Depositor und der Knecht „in weissen Hembdern mit ihrem ge- wohnlichen Kopff-Ornat." Hatte der Postulant nun gliicklich alle die Qualereien seiner zukiinftigen Kollegen, deren Mad sich zweifellos nach dem Grad seiner Be- liebtbeit bei ibnen richtete, gliicklich iiber- standen, dann trat der Lehrmeister oder Pfaffe in Aktion. Nacbdem er die ,,Bcichte" des Cor- nuten angehort hat, in der dieser seinen bis- herigen Wandel bereut und Besserung ange- lobt, spricht er ihn unter Erteilung guter Leh- ren fiir sein weiteres biirgerliches und gewerb- licbes Leben in Gegenwart der beiden Paten los und tauft ihn mit einem Glas Wasser, das er ibm iiber den Kopf giefit, auf seinen zu kiinftigen Gesellennamen, der in dem Denk- spruch18 bestebt, den ihm die Paten vorher ge- nannt baben. Es ist erklarlich, daB die Taufzeremonie, die auf eine Verhohnung der christlichen Taufe binauslief, zuerst einer fortschreitenden Zeit AnstoB erregen muBte. Und so fiel sie denn aucb als erste der von der akademiscben De position hertibergenommenen Entlebnungen oder wurde wenigstens erheblich gemildert. Dafiir trat ein ecbt handwerklicher Brauch, der nun dauernd beibehalten wurde, mehr in den Vordergrund: das Aufsetzen des Kranzes, das seltener durch die Kranzjungfrau, meist durcb den Lehrmeister erfolgte. Bei den am SchluB erfolgenden Begliickwiin- schungen des neuen Gesellen wurde ihm das „Patengeld" in Gestalt von kleinen Geschen- ken durch seine Mitarbeiter iiberreicht19. Dies waren die hauptsachlichsten Vorgange bei der Deposition. Ihren Sinn und Zweck hat in einfachen, klaren Worten Johann Nicolaus Thun20 im Anfang des 18. Jahrhunderts um- schrieben, als schon an manchen Orten sich Stimmen gegen ihre Berechtigung zu erheben begannen „Es haben die lieben Alten eine heilsame Ab- sicht mit solcher Deposition gehabt, indem sie damit anzeigen wollen, daB wer den Gesellen Nahmen mit Ehren fiihren wolte, miiste zuvor die Laster der Jugend, und alle grobe Sitten ablegen, das ruchlose, liederliche, wiiste, gott- lose und lasterhaffte Leben bassen und mei- den: Hingegen sich Lebenslang aller guten niitzlichen Wissenschafften widmen, und eines frommen, tugendhafftenChristlichen und riihrnlicben Wan dels befleissigen, wie solches auch der Deponent angeloben muB, und letzt- lich dazu weitlaufftig angemabnetwird,welches ihm immerdar eine Regel und Richtschnur seines Yerbaltens seyn soil Solchem nach ist es loblich, daB die Deposition beybehalten wird. Allein man verfallt leider offtmahls auf die Hiilsen, und lasset den Kern fahren." Damit ist der eigentliche Grund angegeben, der den Widerspruch gegen die Deposition zei- tigte. Es war zunachst nicht das Postulat als solches, das zu bekampfen man sich fur ver- pflichtet hielt, sondern die Auswiichse, die sich etwa innerhalb eines Jahrhunderts bei der Deposition herausgebildet hatten und ein- mal in der fortschreitenden Yerrohung der Sitten und der auf maBlose Vexationen hin- auskommenden Ubertreibung der Depositions- handlung21, dann aber auch in den sich immer mehr erhohenden Kosten sich auBerten. Diese beiden Arten von Ubelstanden boten die groBte und erste Angriffsflache. Schon die Niirnberger Ordnung von 1673 be- faBt sich mit dem erstgenannten Punkt und fordert seine Abstellung (s. o.), ebenso erlaBt 1704 der Rat zu Leipzig ein Verbot der Depo sition (s. o.). Dagegen nimmt es sich sehr son- derbar aus, wenn gerade die Leipziger Buch- drucker dem Rat der Stadt gegeniiber am 9.Marz 1733 die Geltung eines kaiserlichen Patentes vom 16. August 1731 betreffend ,,die bei den Handwerckern eingeschlichenen MiBbrauche und deren Abstellung" fiir sich ablebnen mit dem Bemerken,,bey unserer Gesellschafft keine MiBbrauche wie bey denen Handwerckern

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 56