343 abgehalten, selbige deshalb zu entschadigen angehalten werden sollen. 4) Im Fall Buch- druckergesellen, die bereits in hiesigen Landen oder auBerhalb Landes postulirt baben, sich irgend einen Vorzug vor andern Gesellen, die nicht postulirt haben, beylegen oder gar diese bescbimpfen mochten, erstere nach Befinden mit drey-, sechs- bis achttagiger GefangniB- strafe belegt, und in wiederholten Fallen eben so, als es fur dergleichen Wiederholung und Hartnackigkeit 3. vorgescbrieben worden ist, gegen sie verfabren werden soil." Endlich entscbloB man sich, auch in Sacbsen reinen Tisch zu machen. Am 21. Mai 1811 er- schien mit koniglicher Bestatigung im An- schluB an die General-Innungsartikel eine neueOrdnung fur die Leipziger Buchdrucker28. Wenn auch die Strafandrohungen nicht so drakonisch sind wie in PreuBen, so geniigten sie doch ihrem Zweck. Sie bestimmt in Arti- kel 4 und 5,,Nach vollendeter Lehrzeit, es sey nun, dafi der Lehrling solche vollig ausgestan- den, oder daB ihm etwas davon erlassen wer den soil, soli derselbe von seinem Prinzipale in dessen Druckerey los- und zum Gesellen ge- sprocben, auch ihm zu gleicber Zeit ein schrift- liches ZeugniB seiner erlangten Kenntnisse und seines sonstigen Wohlverhaltens halber aus- gestellet werden. Dabey sollen alle bisherige zum sogenannten Postulat gehorige Obser- vanzen, als aufgehoben und abgeschafft, ganzlich wegfallen, wie denn auch der in den ehemaligen Zeiten eingeschlichene MiBbrauch einen Untersckied zwischen Gesellen und Cornutis zu statuiren', zumal da hieraus meh- rere Zwistigkeiten und grobe Ungebiihrnisse erwachsen sind, in Zukunft ganzlich verboten seyn soil." Damit war das Ende des Postulats, nachdem es 1804 auch inBayern29 beseitigt war, gekom- men. Nur Hamburg macht eine Ausnahme30. Nachdem es dort, wahrscheinlich ebenfalls zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich all- gemein eine Abneigung dagegen bemerkbar machte, aufgehoben war, lebte es im Jahre 1825 allerdings in einer sehr verkurzten Form wieder auf31. Gemeinsam beschlossen Prinzipale und Gehilfen, soweit sie noch nicht postuliert hatten und das war wohl bei der groBten Mehrzahl beider Kategorien der Fall gegen Erlegung einer Einstandsgebiihr von 30 M seitens der Prinzipale und von 10 M seitens der Gesellen zu postulieren und nicht postu- lierte Gehilfen nicht mehr zu beschaftigen32. Die von den Prinzipalen mit den Gehilfen ge meinsam aufgestellten ,,Gesetzartikel in Be- treff der Lehrlinge in der Buchdruckerkunst in Hamburg-Altona" vom 10. Marz 1825 sorg- ten dafiir, daB auch der Nachwuchs sich dem Postulat unterzog33. Am 10. Juli des genann- ten Jahres wurde die erste Postulatsfeier fur drei ausgelernte Lehrlinge abgehalten: Die Aufnahme vollzog sich in der Weise, daB in einer feierlichen Quartalsversammlung einer der Prinzipale eine Ansprache hielt ,,mit einigen herzlichen Ermahnungen und Lehren fiir die Zukunft", sodann wurde eine Erklarung der vermutlichen Entstehung des Postulats und der dabei sonst iiblichen ,,Gebrauche und In- signien" gegeben und darauf jedem Postulanten ein Exemplar der ,,Postulatsformel" und der Wahlspruch eingehandigt, worauf nach dem GenuB von Brot und Salz der Gesellentrunk getan und mit dem allgemeinen Wunsche ,,Es bliihe die Buchdruckerei" die Versammlung geschlossen wurde34. Von einem wirklichen Postulat im alten Sinne war auch hier nicht mehr die Rede, sondern das Ganze war eine Lossprechung mit etwas feierlichen Formen, wie sie ahnlich auch anderwarts geubt wurde. Nicht ohne Schuld der Beteiligten war das deut- sche Handwerksleben um einen jakrhunderte- alten Brauch armer geworden, ohne daB die neue Zeit einen gleichwertigen Ersatz zu schaffen sich als geeignet erwies. Nachdem einmal die Entartungserscheinungen das an sich gesunde Blut dieses auf volks- und standestiimlichem Boden erwachsenen Organismus zersetzt hatte,

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 59