350 d e Vise: Depositor Ja wol/ nimb du eine seit war Die ander ich auch durcbsucb gar. Sieh da hie find ich ein Briefflein Das ist zumal geschrieben fein Was nu darin wird sein enthaltn Solln bald erfabren Jung und Altn. Knecht Harr, harr, du lose Bosewicht, Secbstu noch, Ick kan lesen nicht. I, I, babbk all myn dag nich seen. Haar, dar wilckek de haar vorteen. (Der Depositor list die Vberschrifft des Brieffs welche also lautet:) Dem Erbarn und Kunstreichen jungen Ge- sellen N.N. Meinem herzallerliebsten zu behendigen. Knecht gibt jhm eine Maulschell sprechend: Meister sebt doch thodegen an Dissen stinckenden Horneman: De leth sick nomen einen Geselln, Un ys doch ein recht stinckend schelm. Depositor: Ey sih Bistu der schone Gsell? Knecht Darvor wilckek dicht teen dat fell. Depositor macht den Brief auff und list wie folgt: Meinen freundlichen willigen Zu jederzeit gefliessenen, Von hertzengrund gewunscbten gruss, Von der scbeitel bis auff den Fuss; Wenns euch, mein Schatz, noch wol thet gehn, Mocht ichs hertzlich gern horn und sehn: R i s t Depositor: Wollan, du mein getreiister Knecht, Du redest mehr denn all zu recht, Wir wollens bald erfahren, Nim du die rechter Tasch in acht, BiB ich die Link' hab auffgemacht Den wird sichs offenbahren. (Knecht langet aus des Cornuten Tascben einen Brieff herffir, und spricht mit Verwunderung:) I dat dik nu de Qualm nich schlah Kanst du nich Lesen, ook nich Skriven? Sue, Matz van Kappadozia So moht Ik di de Schnuhten wriven. (Der Depositor lieset die Uberschrifft des Briefes, welche also lautet:) Dem Ehrenvesten, vielachtbahren und Kunst reichen Jungen Gesellen, Herrn N. N. mei nem Hertzallerliebsten Seelichen zu be- handigen. Knecht gibt ihm eine brave Maulschelle, sprechend: Hort Meister, diisse Flegelskop De lett sik nohmen een Gesellen Darvor moht Ik dem Dudendop Een halff stieg' Ohrfiegn mehr tohstellen. Depositor: Ja wol Gesell! Ein Hornerman, Der kaum die Stiefeln putzen kan, Wer mag dich doch so liben! Doch dieser Brieff sehr wol gestalt, Der sol es mir entdekken bald Er ist sehr fein geschrieben. (Der Herr Depositor verlieset den Brief offentlich:) Mein allerliebstes Hertz, mein Hoffnung Freud' und Leben Dem' ich biB in den Tod mich einzig hab' er- geben, Seid tausend mahl gegriisst von eiirer Schaffrin, Welch ihren Lucidor liebt auB getreuem Sinn'.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 66