351 de Vise: Denn ich lieb euch in meinem Hertzn So sehr, dass kein stundt ohn schmertzn Kan leben mehr in froligkeit, Es sey denn dass jhr bey mir seidt. Acb wie wird mir die zeit so lang Und thut meim jungen Hertzen bang Das ich euch so lang nicht gesehn; Weiss nicht wie solchs doch mog zugehn, Ob jhr etwan mein wolt vergessn, (Welchs ich euch doch nicht wil zumessn) Und euch umb ein andre bewerbn, Su must ich fur leid gwisslich sterbn; Ihr wist ja wol, das jhr zu pfand Mir gabet ewre rechte Hand, Als jhr das nechst mal bey mir wart, Und mir so druckt mein Briistlein zart, Ich geschweig was sonst mehr geschach Bey finstrer nacht, welchs man nicht sach, Nun kompt mir auch jetzund zu Ohrn, Welchs ich mit unmuth muss anhorn, Das jhr euch wollt lahn deponirn, (Ich furcht man werd euch sehr vexirn;) Welchs mir zwar bringt grossen verdruss, Jedoch ich solchs zugeben muss. Ach mocht ich doch jetzt bey euch sein Mein Tausendschatz und Engelein! Wie wird meim hertzen doch so wol, Wenn ich nur von euch horen sol. Ihr seyds der mich erfrewen kan, Mein liebster hort so wonnesam, Ihr seids der mir wendet in Frewd All Unmuth und Triibseligkeit, Ihr seid mein tausendschones lieb. Darumb ich euch manchen Kuss gieb. Wollt ja freundlich gebeten seyn, Das jhr bey leib euch hiitet fein, Damit jhr nicht kompt zu unfall, (Und das so mich erfrewen sol, Etwan mocht stossen oder verliern) Wen man euch nu wird deponirn, Sondern euch mit muglichem fleiss Fiirsehn nach bester art und weis, Wenns miiglich wer, ich lieber wolt, Das ichs fur euch erleiden solt: R i s t Ach allerliebste Seel, ich leid in meinem Hertzen Um euch so manche Plag: Ich fiihle tausend Schmertzen Und tausend noch dazu: mein Geist ist Trau- rens voll. Ich sterb', im Fall ich euch nicht schleunigst kussen soli. Kein Mensch in dieser Welt kan meine Lieb' ermessen, Ach siisser Schatz habt ihr den meiner gantz vergessen? Bedenkt doch, wie viel und offt ihr mich erquikt, Wen wir so Mund an Mund und Brust an Brust gedriikt. Nun hor ich leider, daB man euch wird De- poniren, Ach auBerwehltes Hertz, was sol doch das vexiren? Difi wolt ich gern fur euch und noch was mehr auBstehn, Solt' ich euch nur gesund in meinen Armelein sehn, Unmiiglich ist es mir, ohn' euch mein Schatz, zu leben, Ihr konnet mir allein die hochste Wollust geben, Ihr seid mein Auffenthalt, mein Zukkermiin- delein, Ach mocht ihr doch bald an meiner Seiten sein! Ach, hiitet euch mein Kind, dab ihr ia nicht verlieret Das, was mich trosten soli, wen man euch De- poniret, Mein Schad', 0 libstes Hertz, wer' hie ja gahr zu groB, Wenn ich nur ruhen solt, in ewrer weichen SchoB'. Inmittelst komt doch bald, ich will und muB euch sehen, Damit, wenn es mir solt' auff Frauen Ahrt ergehen, Ihr zu Gevattern doch dieselben schnell er- wehlt,

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 67