358 Denkmahl der Danziger Buchdruckereyen und Buch- drucker, seit demjahr 1539 bis 1740, Danzig 1740, im Anhang, S. F 4: „Obschon in H. Clessens 3. Jubelfest p. 139 gelesen wird von Paul de Vise, daB er Buch- drucker zu Danzig gewesen seyn soil: so findet man doch von ihm in Danzig nichts gedrucktes, noch irgendeine andere Naehricbt, daB er nur angefangen habe, hier zu drucken. Der H. M. Hager berichtet aus Leipzig, daB in der Vorrede zu dem so genannten Liibecker Formatbuch von 1714 in 8vo p. 63 es also lautet: „Die Deposition ist gleich Anfangs bey den Alten in Gebrauch kommen, und hat Paulus de Vise, Gedanensis Typotheta, dieselbe zuerst in kurze Reime verfasset Hier ist keine Zeit angegeben, wann der de Vise bier gewesen, nur scbeint aus dem Zusammen- bange, daB es vor 1640 moge gewesen seyn. Weil aber das Wort Typotheta einen Satzer in der Druckerey be- deutet, siehet man wohl, daB es durch Buchdrucker in diesen Umstanden nicht konneiibersetzetwerden." (Vgl. A. Schmidt, a. a. O., S. 4f.). Von der Schrift von Hanow gibt es zwei Ausgaben, von denen die altere, kiirzere den Anhang nicht enthalt (vgl. dazu: Ch. Fr. Gessner, Die so nothig als niitzliche Buch- druckerkunst und SchriftgieBerey, Th. 3, Leipzig 1741, S. 468). Aus diesen Angaben geht deutlich hervor, daB alles Suchen nach den Spuren einer druckerischen Tatigkeit des de Vise vergeblich sein muBte und daB seine Ausgabe des Spieles als Gelegenheitsarbeit in der Offizin, in der er als Setzer beschaftigt war, entstanden ist. Der Familienname findet sich in Danzig sonst nur nocheinmal. A. Schmidt, a. a. 0., S. 5, teilt mit, daB nach den Burgerbiichern ein Jeronimo de Vise aus Luikh (d. i. Liittich) im Jahre 1596 das Biirgerrecht auf einen Bierschank erwirkt. Man geht wohl nicht fehl, in diesem den Vater des Setzers zu sehen. Der andre Weg, den A. Schmidt einschlug, um mog- licherweise auf Grund der typographischen Ausstat- tung etwas Naheres iiber den Drucker zu erfahren, erwies sich ebenfalls als nicht gangbar. Das Orna ment, aus dem die Titelumrahmung zusammengesetzt ist, findet sich zwar ahnlich gestaltet in Martin Rhode, Specimen Charakterum seu Typorum von 1606, indes ein gleiches liefi sich in den Danziger Drucken der- selben Zeit nicbt auffinden (Schmidt, a. a. O., S. 5). Aber selbst wenn auch in andern Druckwerken sich eine vollig iibereinstimmende Form der von de Vise verwandten „Roslein" hatte feststellen lassen, so ware man damit einer eindeutigen Klarung nicht viel naher gekommen; denn diese Form des Zierstiickes bat keine spezifisehen Merkmale und ist offenbar ziemlich gewohnlich und lange Zeit verbreitet gewesen, wie man aus Johann Heinrich Gottfried Ernesti, Die Wol- eingerichtete Buchdruckerey ersehen kann, der in den beiden Ausgaben von 1721 und 1733, S. 135, unter den Mustern in Cicero ein fast identisches Bei- spiel bringt, ebenso die Sulzbacher Deposition von 1684. Eine genau iibereinstimmende Form wird von J. D. Werther in seinen Nachrichten (Frankfurt und Leipzig 1721) verwandt. Ebenso aussichtslos wiirde sich natiirlich auch eine Typenvergleichung in dieser Zeit gestalten. 36 Eine etwa gleichzeitige Abbildung der Depositions- Kostiime, die einzige mir bekannt gewordene, bringt das Titelkupfer in: Neu-auffgesetztes Format-Buch- lein Der Kunst zu Ehren vorgestellet Durch Johannem Ludovicum Vietorem. Anjetzo aber iiber- sehen/ vermehrt und verbessert Von Jacob Re- dinger. Frankfurt a. M., Johann Georg Drullmann, 1679. 37 Depositio Cornuti, Das ist: Lust- oder Freuden-Spiel, Welches bey Annehmung und Bestattigung eines Jungen Gesellen, der die Edle Kunst der Buch- drukkerei redlich hat auBgelernet, ohne einige Arger- nisse kan fiirgestellet, vermittelst, welches auch kiinfftiger Zeit, Junge angehende Personen, nach Verfliessung Ihrer Lehr-Jahre, zu Buchdrukker-Ge- sellen konnen ernennet, bestattiget, an- und auff- genommen werden. Auff freundliches Ansuchen und sonderbahres Begehren, wie denn auch der hoch- und weitgeruhmten Buchdrukkerkunst zu unvergang- lichen Ehren, wolmeinentlich abgefasset von Johann Rist, Und von einer gantzen Kunst- und Ehrliebenden Liineburgischen Gesellschafft zum Druck befordert, Im Jahr M. DC. LV. 38 Diese Scherzfragen oder Ratsel waren bei den Buch- druckern anscheinend mehr allgemeinverstandlicher volkstumlicher Art und bezogen sich wohl nur ver- einzelt auf den Beruf. Dagegen sind von der Exa mination" der Buchbindergesellen, wie die Aufnahme- zeremonien bei diesen heiBen, eine groBe Zahl von Fachratseln iiberliefert, von denen Christoph Ernst Prediger, Der in aller heut zu Tag ublichen Arbeit wohlanweisende accurate Buchbinder und Futteral- macher. Ansbach, 17511772, Bd. 3, S. 240f., eine ganze Reihe mitteilt. In der mir bekannten Literatur iiber die Deposition habe ich nur zwei Beispiele von Fachratseln bemerkt. Sie finden sich bei GeBner, a. a. O., T. 2 (1741), S. 213f. Ratzel auf die Buchdruckerey. Wer will sehenWunder komme, schau hier eine Feder an, Die in einem Augenblicke tausend Worter schreiben kan. Glaub o Leser daB vor Edel unsere Kunst bestehen kan. E s hat sie erfinden helffen Guttenberg ein Edelmann Wer liebet Kunst der komm und trett herbey. LeB und beschau die edle Druckerey. Auf die Ballen. Es tragt ein Junggesell eine Jungfrau von der Briicken, Legt sie der Lange nach ins Bette auf den Riicken, StoBt mit zwey Dingern drauf von Haut und Haar gemaebt, DaB ihr das Hertze walcht, und fast in Leibe Kracht, Bald iiberfallt er sie mit Centner schwerer Last. Und lafits von sich nicht gehn, weil er sie wohl gefaBt.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 74