BERICHTE UND BESPRECHUNGEN 359 BtfCHERLIEBE UND BUCHERKUNDE Auf bibliophilem Gebiete sei an erster Stelle eines groBen Unternehmens gedacbt, das Da niel Greiner im Yerein mit der Mainzer Presse unternommen bat. Im Felsberg-Verlag in Ju- genheim erscheint in etwa zebu halbjahrigen Lieferungen die »Greiner-Bibel« im Format 26x36 mit meist ganzseitigen und halbsei- tigen neuen Originalholzschnitten des Kiinst- lers nebst dem Bibeltext, dessen Bearbeitung W. Lueker, Frankfurt a. M., iibernahm. Der Text wird auf der Mainzer Presse von Chr. H. Kleukens in der Mainzer Fraktur ge- druckt. Ausgaben auf drei verschiedenen Pa- pieren sind vorgesehen. D. Greiners Holzscbneidekunst auf religiosem Gebiete ist weiteren Kreisen bekannt durch seine Bibelbilderbiicher. Die Holzschnittezur Bilderbibel wiederholen aber nicht die Holz schnitte der Bibelbilderbiicher, von denen nureinkleiner Teil,und auch dieser entweder grofier oder in neuer Bearbeitung, in der neuen Bilderbibel erscheint. Greiners groBes Konnen im monumental wir- kenden Holzschnitt wird auch in seiner Bil derbibel deutlicb, die Schnitte von groBer Kraft und Eindringlichkeit aufweist. Man wird fast erdriickt von der Fiille der Bilder, die, fast zu wenig durch Text getrennt, in ununterbrochener F olge abrollen. Vielleicht wareweniger hier mehr gewesenund vor allem wiirde es vielleicht wirkungsvoller gewesen sein, ganzseitigen Bildern jeweils nur schmale Kopfleisten mit darauffolgendem Text gegen- iiberzustellen. Das Ganze aber ist ohne Zweifel im Gesamt- schaffen Greiners eine Leistung von uner- horter Wucht. Uberfliissig zu sagen, daB der Text mit aller Sorgfalt gestaltet wurde und daB die als Schrift verwendete Mainzer Frak tur sehr gut mit den Holzschnitten zusammen- geht. - Die Graphische Lehr- und Versucbsanstalt in Wien brachte die formvollendete »Rede uber Osterreich« von Anton Wildgans als Sonder- druck beraus, gestaltet in alien Einzelheiten von Rudolf Junk, dem Leiter der Anstalt. Dem Zweck entsprechend die Rede sollte im Auftrag der schwedisch-osterreicbischen Ge- sellschaft in Stockholm gehalten werden und muBte wegen Erkrankung des Dichters abge- sagt werden schuf R. Junk fur den Text eine reprasentative Form, die bei allem feierlicben Ernst zugleich festlich und freudig wirkt. Breite Streifen in abgestuftem Rot, von dem sich silbriges Rankenwerk abhebt, das sich auf den Zwischenpartien der Rander fort- setzt, umrahmen den Text, der in einer von Junk entworfenen deutschen Schrift abgesetzt wurde. Es ergibt sich ein Druckwerk echt osterreichischen Geistes, jenes guten Geistes, den wir an Osterreich lieben und immer lieben werden. Wesentlich strenger in der Form erscheinen die »Drei deutschen Reden« Gerhard Haupt- manns, die von der Gesellschaft der Freunde der Deutschen Biicherei fur ihre Mitglieder als 12. Jahresgabe herausgegeben wurden. Hans von Hiilsen schrieb dazu das Yorwort.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 75