360 Ala Druckschrift kam die Wilhelm-Klingspor- Schrift von Rudolf Koch zur Anwendung; den Entwurf, Satz und Druck besorgten Stu- dierende derMeisterschule fiir das graphische Gewerbe zu Leipzig und scbufen damit ein druckerisch tadelloses Gewand fur die Texte, die der Dichter der Gesellschaft der Freunde bereitwillig zur Verfiigung gestellt batte. Yon der Bremer Presse verlegt und gedruckt wird eine literarische Zeitscbrift »Corona«, deren erstes Heft im Juli erschien. Titel und Initialen zeicbnete Anna Simons. Zur Ver- wendung kam ein schones Federleicbt-Papier von Zanders, auf dem der Druck tadellos steht, so daB man nur wiinschen kann, es mocbten sich recht viele Zeitschriften zu einem solcb leicbten Papier entschlieBen, damit die Plage mit den unnotig schweren Zeitschriften- banden einigermaBen eingedammt wird. Diese Zeitschriftenbefte wird man um des leichten Gewichts, der immerhin 130 Oktav- seiten starken Hefte, gern mit auf Reisen nehmen, und man wird vor allem vom Inbalt nicbt enttauscht sein. Die Namen von Hofmannstbal und Rilke stehen voran. Rudolf Alexander Schroder, Raul Yalery, Thomas Mann, Borchardt, VoBler und Hofmiller erscbeinen mit Beitragen und obne daB ein Vorwort Programm und Ziele der neuen Zeitschrift lang und breit auseinander- setzt, ist Sinn und Absicht der Herausgeber, Martin Bodmer und Herbert Steiner, mit der Zusammenfassung dieser Namen im ersten Heft des neuen Unternehmens offenbar. Es sind die alten Jungen, die sicb bier zu neuen Taten aufscbwingen, und das mag gut sein, wenn man sicb aucb fragen muB, ob ein unabweisbares Bediirfnis fiir eine neue Zeit- schriftengriindung vorlag, oder ob nicht die bestebenden ausgereicbt batten. Als Festgabe zur Eroffnung des Geibel-Zim- mers der Liibecker Stadtbibliothek gab Hein- ricb Schneider unveroffentlicbte Briefe von Klaus Groth und Emanuel Geibel heraus. Das hiibsche Heft, in der Ratio-Latein vom Wullenwever-Druck-Verlag in Liibeck druk- kerisch und satztechnisch gut gestaltet, er- bielt einen geschmackvollen farbigen Um- scblag aus der Werkstatt fiir Einbandkunst von Emma Gustorff in Beuel a. Rh. Die Briefe wurden nicbt obne weiteres an- einandergereibt, sondern der Herausgeber verband sie in geschickter Weise durch er- lauternde Texte und machte sie damit doppelt interessant und lesbar. (Verlag der Liibecker Stadtbibliothek.) An Untersucbungen auf dem Gebiete des Bucbwesens sind zunachst zwei Arbeiten von Georg Leidinger-Miinchen zu nennen, aus den Jabren 1929 und 1930 stammend, die in den Sitzungsbericbten der Bayerischen Akademie der Wissenscbaften erscbienen und auch als Sonderdrucke zu haben sind. (Verlag der Bay- rischen Akademie derWissenschafteninKom- missiondesVerlagsR.01denbourg,Miincben.) Die erste betitelt sicb »Albrecht Diirer und die Hypnerotomacbie Poliphili«, die zweite behandelt »Miinchener Dicbter des 14. Jahr- hunderts«. Beide Arbeiten sind Musterbei- spiele exakter buchgeschicbtlicber Forscbung und erbringen zugleicb den Beweis, daB man, sofern man die Gabe bat, derartige Unter sucbungen aucb in sebr lesbarer literariscber Form darbieten kann. Die Hypnerotomacbie des Poliphilus, die schonste Aldine und zugleich eines der schon- sten illustrierten Biicher der Renaissance, von Charles Nodier zu den »Narrenbiichern« ge- recbnet, weil der Verfasser in einem kuriosen italienisch-lateinischen Sprachgemiscb eine pbantastische Reise durcb das klassiscbe Al- tertum und seine Kunstwerke beschreibt, auf der er Dinge sah, die nur in seiner Einbil- dungskraft bestanden, wie vermutlicb aucb die Heldin Polia nur in der Pbantasie des verliebten Poliphilus bestand. Dieses Bucb des Monches Colonna batte lite- rarisch solcbe Erfolge, daB die Kavaliere der

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 76