364 wesentlich naher als 100 Jahre spaterdergrofie Gottsched, der der Meinung war, Fust und Schoeffer hatten das allerwichtigste bei dieser Kunst erfunden und ihnen hatten wir un- streitig alles zu danken. Rivinus-Bachmann fuBte mit seiner Ansicht unter anderm auch auf Arnold Bergellanus, der seinerseits, wiederum 100 Jahre friiher, bereits Gutenberg als Erfinder in seinem Lob- gedicbt »De cbalcographiae inventione« be- zeichnet hatte. (Mainz 1541.) Die Feier von 1740 ist in dem »Gepriesenen Andencken« in alien Einzelheiten geschildert. Vor und wahrend der Gottschedschen Rede wurde eine von ihm gedichtete Cantatas ge- sungen, die gleicbfalls in dem Druck von Scbelter Giesecke wiedergegeben wird. Der Andrang zu Gottscheds Rede war un- geheuer. Er habe, schreibt Gottsched, seine Rede gehalten »bei unsaglichem Zulauf des Volkes«, und es hatte auch geschienen, als ob seine Zuhorer mit ihm zufrieden gewesen waren. Mit Recht wird in dem erlauternden Nachwort der neuen Ausgabe der Rede darauf hingewiesen, daB wir Heutigen keinen An- laB hatten, mit Gottsched wegen seiner Auf- fassung in der Frage der Erfindung zu rech- ten, da ja die Wiegendruck-Forschung zu seiner Zeit noch in den Anfangen steckte. In ihrem patriotischen Schwunge ist die Rede an sich aber heute noch lesenswert und hat nicht nur antiquarisches Interesse. Erfreulicherweise werden in dem schonen Druck auch die Kopfleisten mit wieder gegeben, die im »Gepriesenen Andencken« die erste Textseite und die erste Druckseite von Gottscheds Rede schmiicken. Im ersteren Falle ist nach einem Stiche von Sysang die von dem beriihmten Medailleur und Miinzen- meister Koch in Gotha geschaffene Medaille auf die Buchdruckerkunst wiedergegeben, im zweiten, nach einem Stiche von Bernigeroth, gleichfalls eine Medaille, die Jean Dassier, Genf, zum Urheber hat. Die internationale Bibliographic des Buch- und Bibliothekswesens von Hoecker und Vorstius erscheint im 4. Jahrgang (1929 bei O. Harassowitz, Leipzig) und hat ihr Erschei- nen jetzt so eingerichtet, daB sie bereits im erstenHalbjahr des dem Berichtsjahre folgen- den Jahres in den Handen der Bezieher ist. Das lieB sich nur dadurch erreichen, daB das Manuskript bereits zu einem Zeitpunkt ab- geschlossen wurde, zu welchem svollstandige Ubersichtuber die Publikationen des Berichts- jahres noch nicht ganz erzielt war«. Mit Recht aber diirfen die Herausgeber dies als einen kleinen Nachteil bezeichnen, dem der grofie Yorteil gegeniibersteht, daB in relativ kurzer Zeit nach Erscheinen der Werke und Auf- satze eine Orientierung moglich wird. Wesentliche Anderungen in der Anlage des Systems sind nicht zu verzeichnen, auBer daB in dem AbschnittFachbibliographie weitere Unterabteilungen eingefiihrt wurden. Stich- proben ergeben, daB auf den uns hier beson- ders interessierenden Gebieten des Schrift- und Buchwesens und Buchgewerbes im wei- testen Umfange nichts wesentliches fehlt. Die ausgiebige Heranziehung der auslan- dischen Literatur, namentlich der englischen, franzosischen und italienischen, ohne deren Kenntnis man sehr unvollkommen im Bilde sein wurde, ist um so erfreulicher, da die Zeit- schriften-Literatur dieser Lander nur in be- schranktem Umfange durchoffentlicheBiblio- theken zugiinglich ist. Der 40. Jahrgang der Exlibris-Zeitschrift (her- ausgegeben von Walter von zur Westen) er- hielt einen von Emil Orlik entworfenen Um- schlag, und derlnhalt des l.Heftes des neuen Jahrganges wird von einer ausfuhrlichen Wiirdigung des 60jahrigen Kunstlers durch Eberhard Holscher, Berlin, bestritten, der Leben und Werk des aus Prag stammenden Meisters in sympathischer Weise behandelt. EinV erzeichnis der Exlibris,Plakate, Gelegen- heits- und Gebrauchsgraphik, soweit moglich

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 80