116 nimmt, hat man den Eindruck des Noblen, des im besten Sinne Yornehmen und freut sicb dieser in alien Teilen so ausgezeichnet gemachten Biicher. Sie wollen nicbt als Neuerer in der Buch- gestaltung gelten, sie begniigen sicb damit, beste Tradition wahrhaft in Ebren zu halten. Es wird nicbt gespart bei diesen Drucken. Wie gemeiBelt steht der ausgeglichene Satz auf dem schonen Biittenpapier, solide Inte- rimseinbande scbiitzen den Buchkorper, alles gediegene, vortreffliche Werkstattarbeit. Stets muB man aucb bei den Biichern der Offizin Adam an Jean Hoppe, den zu friih Verstorbenen, denken, der sich mit so viel Liebe undBegeisterung seiner Kunst widmete und den die Druckerei Wilhelm Adam ebrt, indem sie in seinem Geiste weiterarbeitet. Diesem Konner, der seine Kunst so ernst nabm, gelang selbst ein kleiner Seitensprung ins Zukunftsland der »Neuen Typograpbie« mit der Gestaltung von Munkepunkes »Neuer Sachlichkeit«, wobei er zeigte, daB er auch mit elementarem Satzmaterial geschickt und liebenswiir dig zugleich umzugehen verstand. So sind denn aucb die neuen Bande der Ge- sellschaft der Biicherfreunde zu Chemnitz bei der Offizin Wilbelm Adam in besten Handen gewesen. Es ist bekannt, daB die Chemnitzer Biblio- pbilen sich die fur eine bibliophile Gesell- scbaft besonders bemerkenswerte, aber oft gewiB nicht obne sebr erhebliche Opf er durch- fiihrbare Aufgabe gestellt baben, nur lebende Dicbter durcb Publikationen ihrerWerke zu fordern. Dieses schone Ziel, das mancher bibliophilen Einricbtung ans Herz zu legen ware, ist seit der Begriindung der Gesellschaft das gleicbe geblieben, und man darf sagen, daB damit die heutige deutscbe Dichtung in Vers und Prosa einen Heifer gefunden bat, wie sie ibn weit und breit sucben kann. Es ist das Verdienst von Albert Soergel, obne dessen babnbrechende Literaturgescbicbte der Gegenwart man sich kaum mebr zurecbt findet in der Erscheinungen Fiille, der Gesell schaft diesen Rat gegeben zu haben und unter seiner Fiihrung blieb sie dem einmal gefaBten Plan treu. Zum Dank fur solcbe bewabrte Fuhrerschaft vereinten sicb zur Feier des 50. Geburtstages A. Soergels alle diejenigen, die im Laufe der Jahre zu der Gesellschaft in nahere Beziehungen getreten waren und scbufen eine Festschrift, die ein Literatur- denkmal von besonderem Wert darstellt. In Blau und Scbwarz wurde der stattlicbe Band im Mai/Juni 1930 von W. Adam in der Peter-Jessen-Scbrift von Rudolf Koch tadel- los gesetzt und gedruckt auf einem gelblich getonten Zanders-Biitten und bei Heumer in Chemnitz gebunden. Aus dem Jabre 1929 ist ein gleicb stattlicher Band: Henry v. Heiseler, Aus dem NachlaB, mit Yorwort von Johannes v. Giinther, zu er- wahnen, gesetzt in Didot-Antiqua. Dieselbe Scbrift kam zur Verwendung fur Karl Rott- gers Holderlin (die 35. Veroffentlichung der Gesellschaft). Als Papier benutzte man ein Zerkall-Biitten von blendender WeiBe. Ernst Lissauers Le- genden von der Sintflut prasentieren sich in einem groBen Grad der StraBburg-Gotisch der Bertbol d A.- G., einer strengen,uberfliissige Schnorkelei vermeidenden Type. Die matt- griin eingedruckten Initialbucbstaben wirken dezent und bringen ein sanftes Licbt in die Seite. B. SIEBEN JAHRE »FLEURON« 1923-1930 »The Fleuron, VII and final« steht auf dem Vorsatzblatt der vor kurzem erscbienenen letzten Nummer der englischen Zeitscbrift zu lesen, die 1923 als »A journal of typography« ins Leben trat und die nun, Ende 1930, mit ibrer 7. Nummer, die allerdings einen Band von liber 250 Seiten darstellt, ihr Dasein be- schlieBt.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 178