117 Dieses »Journal« war von vornherein mehr als »Annual« gedacht, denn als Zeitschrift. Und es war wohl recht, wenn man sich vor- genommen hatte, in Fristen von neun zu neun Monaten zu erscheinen. Stellte sich doch diese Zeitschrift so weit- greifende Aufgaben, daB sie iiberhaupt nicbt mit der Hetzjagd der Wochen-, Halbwochen- und Monats-Zeitscbriften batte Schritt balten konnen, wenn sie nicht ihre vornebmen Ziele von Anbeginn an gefahrden wollte. Ihr Streben ging darauf binaus, die Freunde der Typographic in der engliscb sprecbenden Welt um sich zu scbaren, ihr Forderer und Ratgeber zu werden, die Jiinger der schwarzen Kunst an sich zu ziehen und dabei auch fur das bistoriscbe Werden der Type und ibre Wandlungen durch die Jahrhunderte hin- durch Verstandnis und Eifer des Wissen- wollens zu erwecken. Vergebens. The worldwide empire versagte. Amerika bedankte sich fur die gegebene An- regung mit einem inzwischen erledigten Kon- kurrenzversuch und »The Fleuronc erscbeint nach sieben Jahren zum letzten Male: Num ber VII and final. Man darf versichert sein, daB es in Deutsch- land mit einem ahnlichen Yersuch ahnlich gegangen ware. Vielleicht batten wir es nicht einmal auf sieben Nummern gebracht. Nicht,weil eine solcheZeitschrift fur Deutsch- land iiberfliissig ware, sie ware im Gegenteil sehr notig, sondern allermeist deshalb, weil wir in unsrer Griinderfreudigkeit fur Zeit- schriften uns nicht genug tun konnen. Und weil am liebsten jeder Deutsche sein Blatt- chen fur sich hat, bis ibm der nervus rerum ausgeht. Jede Gruppe und jedes Griippchen, jeder Bund und jedes Biindchen miissen bei uns ein eigenes Organ haben, vermeiden angstlich AnschluB und Forderung durch einen alteren und grofieren Bruder. An umfangreicberen Aufsatzen finden wir in der SchluBnummer des »Fleuron« einen auf- schluBreichen Beitrag von J. van Krimpen iiber moderne Druckkunst in den Nieder- landern; Paul Beaujon wiirdigt das typo- grapbische Werk von Eric Gill, D. B. Updike das graphiscbe Schaffen des Amerikaners Tb. M. Cleland. Unter Beigaben von Proben schildert Fried- rich Ewald das Wirken der Officina Bodoni, Rudolf Koch auBert sich iiber die graphiscben Arbeiten von Heinricb Holz und fiigt tadel- lose, teilweise farbige Proben, aus der Kling- sporschen Hausdruckerei bei. A. J. A. Symons macht bekannt mit den Be- strebungen einer Gruppe von Kiinstlern, den »Nineties«, die sich in bewuBten Gegensatz zu Morris und seine Scbule stellten; Stanley Morison auBert sich in klugen Worten iiber die Grundprinzipien der Typographic. Im AnscbluB an die grofieren Aufsatze fol- gen Glossen, Footnotes on book production, und eine Obersicht iiber das typographiscbe Scbriftscbaffen in neuer und alter Zeit, be- gleitet von vielen, ausgezeicbneten Proben. A. BILDKALENDER FUR 1931 Die zahlreichen Bilder-AbreiBkalender, die gegenwartig erscheinen, geben sich alle Miihe die Freude des Publikums am Bilde nach Moglichkeit zu befriedigen und muten ihm so wenig wie moglich Lesestoff zu. W. Spemanns Verlag in Stuttgart erscheint mit nicht weniger als acht derartigen Alma- nacben, die sich Kunst-, Natur-, Musik-, Lite- ratur-, Frauen-, Foto-, Wander- und Alpen- kalender betiteln und die eine Fiille von stets tadellos in Autotypie wiedergegebenen Bil- dern bringen. Der Text ist allerdings oft reicblicb knapp geraten, auch die Art der Zusammenstellung der Blatter lafit bisweilen zu wiinschen iibrig, wie etwa beim Literaturkalender, der allzu viele Portrats bringt und das Literarische als solches zu stark zuriicktreten laBt. In alien genannten Kalendern aber ist das Bildmate-

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1930 | | page 179