daB eine Druckerei, die nur Buchdruck hat und die einen Auftrag erhalt, der sich ganz besonders gut fur Offset- oder Tiefdruck eignet, diesen nicht selbst ausfuhrt, sondern zu ihrem eigenen Vorteil an eine entsprechende Anstalt weitergibt. FCir den Buchdruck diirften meiner Meinung nach der Offset- und Tiefdruck erst dann wirklich gefahrlich werden, wenn eine in jeder Beziehung vollkommene Photosetz- maschine geschaffen ist, welche die Verwendung von Buchdrucksatz ganzlich uberf ussig und damit den Offset- und Tiefdruck vollig unabhangig vom Buchdruck macht. Aber bis dahin wird es noch seine gute Weile haben. Josef Kaufer, Munchen Der Unterricht im Satz und Druck an der Meisterschule fur Deutschlands Buchdrucker in Munchen Die diesem Heft beiliegenden Arbeitsproben der Meisterschule fur Deutschlands Buch drucker in Munchen wollen nicht nur Zeugnis von dem Konnen der Schuler ablegen. Sie sollen vor allem auch die Absichten der Lehrer demonstrieren, soweit dies im Rah- men einer in Format und Papierwahl verhaltnismaBig eng begrenzten Beilage moglich ist. Das Bestreben der Schule, ernsthafte typographische Aufgaben, deren Text nicht etwa vom Schuler oder vom Lehrer bestimmten formalen Ideen zuliebe verfaBt oder will- kurlich abgewandelt wird, kunstlerisch und technisch einwandfrei zu setzen und sie - immer unter der Voraussetzung, daB der Schuler dabei technische und wirtschaftl.che Moglichkeiten kennenlernt und sie beachtet - sorgfaltig zu drucken, ist hoffentlich auch aus diesen Blattern zu erkennen. Im Gegensatz zu andern Schulen hat sich die Miinchener Meisterschule eine fest um- rissene Aufgabe gestellt: Sie will den Schuler theoretisch und praktisch zum Leiter einer Druckerei ausbilden. Die Last der Verantwortung im Druckereibetrieb ruht heute zu gleichen Teilen auf der technischen und wirtschaftlichen Leitung. Die Schule vermeidet es deshalb bewuBt, zum Spezialistentum in irgendeiner Sparte zu erziehen. Der intensive und energisch betriebene, von Meistern auf diesem Gebiet betreute kunstlerisch-typo- graphische Unterricht sieht sein Ziel weniger darin, zum versierten ersten Akzidenz- setzer zu erziehen, als vielmehr den Leiter der modernen Setzerei heranzubilden und ihm wie dem kunftigen Betriebsleiter oder Buchdruckereibesitzer jene Unterlagen zu vermitteln, die ihm helfen, die geistige Haltung seines Betriebes zu bestimmen. In ahn- licher Weise sorgt auch der Unterricht im Druck durch Beschaftigung der Schuler an den verschiedensten Maschinen, durch immer wechselnde Aufgabenstellung bei dem ausge- sprochenen Willen zur Qualitatsarbeit dafur, daB der Schuler fur die Aufgaben vorbereitet wird, die ihm einst in gehobener Stellung im Maschinensaal oder im Gesamtbetrieb er- wachsen. Das ist der Grund, weshalb auch routinierte Setzer und geubte Drucker sich gerne dem gleichen Lehrplan unterwerfen wie andre Schuler, deren Hauptstarke infolge der genossenen Vorbildung in den wirtschaftlichen Fachern liegt. Denn- Man kann an der Miinchener Meisterschule den Lehrplan nicht nach eigenem Geschmack zusammenstellen. Die klare Zielsetzung gestattete eine besonders ein- gehend und uberlegte Zusammenstellung des Lehrstoffes urn so mehr, als auch durch die Aufnahmebedingungen eine annahernde GleichmaBigkeit der Neuelntretenden errelcht wird. Eine gewisse GleichmaBigkeit wenigstens im Hinblick auf das Endziel: Wessen All- gemeinbildung nicht ganz den ublichen Bedingungen entspricht, leistet durch langere praktische Tatigkeit und entsprechende Zeugnisse uber diese eine Gewahr dafur, daB er geringere Erfolge in den wirtschaftlichen Fachern durch bessere Verwertung des tech nischen Lehrstoffs auszugleichen imstande ist. Es war trotzdem nicht leicht, den nesigen Wissensstoff, den der kunftige Betriebsleiter nach den heutigen Erkenntnissen beherr- schen soil, in systematischem Aufbau auf die vier Semester zu verteilen. Gerade dieser systematische Aufbau aber, der dazu zwingt, beim Eintritt in die Schule mit dem ersten Semester zu beginnen, bietet nicht nur eine Gewahr dafur, daB der Schuler bei ernstem Streben das Schulziel erreichen kann, sondern kommt auch vor allem der Arbeit in den Werkstatten der Schule zugute.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1931 | | page 50