iPeter Be^rert# xmb í»íe 0$ríftlmnft uttferer Jeít 2llr$íb fiir Bu^getoerbe unii Bebraudjfiígraptyxlt igtn WDort Des £»anhes unD Der >£i)nmg ju feítvem 70.<3eburtstag 161 Journal for Typography, Printing, Machinery, Book and Advertising Graphic,PrintingHistory Von Dr. Wilhelm H. Lange Bei jeder kunst< und kulturgeschichtlichen Betrachtung sind die Hoch*Zeiten ertragreicher und befriedigender, weil sie das Vollendete in schoner Fülle zeigen. Wie aber sehr haufig für den Kunstkenner die Skizze, dasUnfertige, Noclunichtígewordene wesentlicher und reizvoller ist ais das geschaffene Werk, so sind auch die Übergangszeiten, die Jahre des Garens, des Suchens undTastens, des Sturms und Drangs besonders interessant und anregend. Denn gerade in solchen Entwicklungen zeigen sich die wirkí lichen Personlichkeiten neben den schwáchlichen Mit¿ láufern und den KompromiBlern. Zu beobachten, wie „Ziele" programmatisch gekündet werden, um so schnell zu schwinden wie sie gekommen, wie wilde Übersteige* rungen aus FíaB gegen das Bestehende und Herrschende sich rasch totlaufen, wie aber dann schüchtern, verkannt, verspottet, mahlich immer sicherer und gekonnter das Neue sich durchsetzt das ist ebenso bedeutsam wie lehrreich. Jede Beurteilung muB sich frei machen vomWissen dessen, der die Ernte einfáhrt, ohne die Saat gestreut zu haben. Und gerade wennWerke und Personlichkeiten im Schnitt* punkte künstlerischer Epochen wachsen und werden, ist die geschichtliche Objektivitát Pflicht und Ehre dessen, der die Wahrheit sucht und das GroBe herausarbeitet. Derartige Voraussetzungen sind besonders notwendig, wenn wir zu der richtigen Einordnung von Mánnern und Werken kommen wollen, die aufdem Gebiete der Schrift, derDruck* undBuchkunstWegbereiterdesNeuen, Künder des Werdenden waren— Leistungen, ohne die wahrscheim lich die Vollendung spáterer Zeit nie denkbar ware. Eine dieser groBen geschichtlichen Personlichkeiten, die in der Herausstellung künstlerischen Ausdruckswillens, in der Schaffung einer einheitlichen, geschlossenen künst* lerischen Kultur durch zweiMenschenalter vorangegangen sind, ohne sich je beirren zu lassen, ist der Mann, dessen 70. Geburtstag am 14. April gefeiert werden konnte: Peter Behrens. Über das eigentliche Lebenswerk des Meisters, seine Bam kunst, kann hier nicht gesprochen werden. Die groBen Werke von Hoeber und Cremers geben eine imponierende Schau des unglaubhaft vielseitigen und reichen Bau< schaffens. GewiB ist seine Entwicklung keineswegs cnn heitlich und streng folgerichtig. Er hat - wie jeder wahr< haft GroBe einmal geirrt und eine schópferische Idee, auch wenn sie sich nicht bewáhrte, starr verfolgt, um sie dann ebenso folgerichtig einer besseren zu opfern. So nimmt es nicht wunder, daB er viele Jahre hindurch heftigsten und niedrigsten Angriffen ausgesetzt war. Aber nur mit Lácheln kann man heute das Urteil eines ange< sehenen Mannes vom Anfang des Jahrhunderts lesen, der „in der Weise des Herrn Behrens nur eine Marotte, eine der vielen schnell platzenden Blasen, die der geistige GarungsprozeB der Gegenwart an die Oberflache treibt", sah. Nichts in der künstlerischen Entwicklung von Behrens ist unwesentlich oder zu entbehren. Alies hat irgendwie Standort und Sinn. Und so dürfte der EiníluB kaum eines anderen Baukünstlers in diesern Jahrhundert so entscheb dend gewesen sein wie der seine. Der Schriftkunst Peter Behrens' wird man nur gerecht werden, wenn man das Vorangegangene und das Gleich*

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1938 | | page 1