Bíe kiinftlerífdje <3tfta\t ¡>er Spteiíiaríen uní» 0pteiplane 175 Von B. Arbeiter Würfel, Karten, Brettspiele: In diesen drei Formen ist das menschliche Bedürfnis am Spielen Gestalt geworden. Das Aussehen der Würfel liegt fest, das Gesicht der Karten und Brettspiele wandelt sich durch die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag. Lassen wir die holzernen und beinernen Spiele auBer acht, die Schachbretter etwa und deren Figuren, die Dominosteine, so ist die Gestalt der Spiele ein künstleriscbes Problem, das sowohl den bib denden Künstler, wie den Bucbdrucker undVerleger ais Hersteller angeht. Beim Betrachten und Vergleichen der alten Spiele ergeben sich kulturgeschichtliche Einblicke von hohem Reiz, ahn» lich wie beim Beschauen der geschwisterlichen Bilder» bogen. Wir wollen indes nur das an den Spielen be* trachten, was sie uns ais Bilder sind, ohne dabei zu ver* gessen, daB diese Bildform mehr ist ais nur Schmuck, daB sie gestalteter Ausdruck eines Verhaltnisses zum Spielen selbst, zum Sinn des Spiels, ist. Spielgerate gehoren zum verganglichsten Gebrauchsgut der Menschen, sowohl dem StoiF nach, wie dem Wesen nach. Sie sind Papierstücke, bedruckt und in Riesen» mengen hergestellt und bedeuten erst etwas mit dem Regelwerk, das ihnen Leben gibt; schnell werden münd» lich überlieferte Regeln vergessen, so sind auch die Karten und Plañe wertlos und werden vernichtet. Darum stellen Spielabteilungen in oíFentlichen und privaten Samm» lungen (z. B. Altonaer Museum, Germanisches National» museum, Altenburger Spielkartenmuseum) auch stets kleine Kostbarkeiten vor. Sie erfüllen das Herz mit doppelter Freude, sieht man doch die heitere Seite des Menschenlebens dargestellt und begibt sich in ein Bereich, das vom jugendlichen Leben des Menschen kündet, des Kindes und des Erwachsenen. In dieser Gefühlshaltung betrachten wir auch die bildlichen Darstellungen, die „Derbheit" und „Naivitat" der Elolzsclmitte, die „Zier» lichkeit" der Kupferstichgestalten, die „Frische" in der Kolorierung. Ohne daB sie sich ais künstlerische Doku» mente gebarden, haftet alten Spielen, wie sie dort hinter den Glaswánden der Vitrinen liegen, samt und sonders etwas Künstlerisches an. Dann lesen wir wohl die Ñamen dieser Spiele. Manch einem der Alteren mogen dabei Erinnerungen an glück» liche Spielstunden der Kindheitstage kommen, wenn an den früh hereinbrechendenWinterabenden die Petroleum» lampe auf den Tisch gestellt wurde und man sich mit den Geschwistern und Freunden voller Spieleifer um den bunten Plan lagerte. Das neue AíFenspiel gemein, wer nur gewinnt ist alies sein, das groBeBelagerungs» oderFestungs» spiel, das Gansespiel, Schlangen» und Leiterspiele sind die Ñamen. Daneben gibt es die Kartenspiele:Nümmerchen, Schwarzer Peter, Glocke und Hammer, Schnadderadatt. Ja, es gab auch eigenartige Zwischendinge zwischen Bilderbogen und Spielplan, Bilderschriften ais fliegende Blatter, z. B. den Neuen Irrgarten oder Historia vom Hl. Augustino, in Reimen verfaBt durch Barthold Rothmann Bernburgensem. Schon bei solch einem Irrgarten es kam darauf an, unter fortwahrendem Drehen des Blattes die Inschrift vom Abenteuer im Irrgarten zu ertifteln - mochte der Drucker es sich nicht versagen, geschmackvoll um denText herum verschiedene Bildstocke aus seiner Sammlung mitzu» drucken. Ein Stadtebildnis, flankiert von zwei Engeln, ziert den Kopf des Schriftquadrats, links und rechts be» gleiten Blumen die Zeilen, wáhrend unten zwei Land» schaftsstücke den AbschluB bilden. Whe viel lustiger wirken aber erst die für das Spielen notwendigen Holz» schnitte des Affenspiels, in dem wir die Abenteuer des Affen begleiten, „bisz so lange er die Krohn erreichet". Macht ihm das Uberspringen der Brücke keine Schwierig» keit, so wird er doch das Wirtshaus nicht meiden konnen oder in den Brunnen plumpsen oder sich im Irrhof ver» laufen, ja, der Gefángnisturm droht und ein vorzeitig aufgestellterTod grinst ihn an. Es kann nicht verleugnet werden, so schlicht und volkstümlichíderb jeder Plan auch ist, er hat denWert, künstlerisch gestaltet zu sein und ist durch eine Kluft von dem Kitsch geschieden, der, von geringen Ausnahmen abgesehen, heute dem Káufer vor» gelegt wird. Es sind namenlose Meister, Brief» oder Kartenmaler, die diese Stücke zumeist schufen, Holz» schneider und Kupferstecher, jene Künstler»Handwerker also, die die Arbeit leisteten, die heute vergleichsweise Gebrauchsgraphiker, Reklamemaler, Illustratoren und Photographen herstellen. Doch auch mit Ñamen von „Künstlern" konnen wir auf» warten, wenn damit unserer Anregung mehr Gewicht gegeben werden sollte. Wir gehen zu den ersten Kupfer» stechern um 14/0 und den Holzschnittmeistern ein Jahr» hundert spater. Da ist einer der ersten Kupferstecher der „Meister der Spielkarten", Meister E S sticht zwei Karten» spiele, Meister P W ein anderes. Spater sind mit Karten»

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1938 | | page 23