176 holzschnitten am Werke unter anderem: Sebald Beham, Erhard Schoen, Hans Schaufelein, Peter Flotner, Virgil Solis, Jost Ammán. Wir gehen in die letzte Zeit der guten Kartenspiele. Um 1810 verlegt Cotta seine Karten* almanache", 1819 erscheint die bayrische Geschichtskarte von Viktoria Arnold, etwa ein Jahrzehnt vorber das Kartenspiel Ph.O.Runges. Zu diesen Rungeschen Karten aber weiB Clemens Bren* taño in seinem Nachruf zu Runges Tode, der in Kleists Berliner Abendbláttern erscheint, nicbts Geringeres zu sagen, ais: „Ich habe nie etwas Fantastiscberes, Geist* reicheres geseben, ais den weisen, begeisterten, romantisch koniglichen Ausdruck dieser Konigskópfe, die bisarre galante, reizende Koketterie der Damenbilder, und die Abendtheuerliche, kecke, treue undglücksritterlicheHab tung der Buben, und doch schienen es nur Karten, doch waren es nur leichte lose Zeichen eines spielenden Glücks; denn das Kunstwerk ist wie die Natur, die obne auf* zufallen sich selbst bedeutet, d. h. Alies, und so waren Runges Arbeiten auch." Halten wir diese Worte Brentanos fest und fragen uns, warum heute in diesem ganzen Gebiet so besonders wenig Erfreuliches zu sehen ist. Es liegt dies einmal am Künstler, der eine falsche Auffassung von dem Wesen der Kunst hat, es liegt dies zum andern am Verbraucher, der eine falsche Auffassung vom Gebrauchsding, in diesem Fall vom Spiel, hat. Es gibt keine kleine Kunst neben einer groBen Kunst, derart, daB man den Gebrauchsdingen des táglichen Lebens eine Form geben konne, die entfernt an eine künstlerisch durchgebildete Arbeit erinnere, und dieses nur, weil es eben Gebrauchsgegenstande sind. Der bunte Patenbrief des bayrischen Schulmeisters aus dem Jahre 1800, das gestickte Schultertuch der Vierlander Báuerin, die geschnitzten Truhen und bemalten Schranke, die Kupferstiche der anonymen Meister zu alten naturwissem schaftlichen Werken, die Holzschnitte zu den alten Spie* len sind im Reiche der Kunst gewachsen. Das Tafelbild oder die Plastik des Malers X, des Kunstmalers, brauchen es trotz ihrer Losgelóstheit von Gebrauchszwecken nicht zu sein. Wohl gibt es aber die Kluft und Grenze zwischen Kunst und Unkunst. Für Runge war es, aus seiner wahren künstlerischen Gesinnung heraus, gleich, ob er Spielkarten schuf oder die Zeichnungen zum Zyklus der Tageszeiten. Sie bedeuten „Alles" und „doch schienen es nur Karten". Für heute gilt«es, wieder Ernst zu machen, mit dem was Rudolf Koch einmal so faBte„Wir sind Schriftschneider, Stempelschneider, Schriftsetzer, Holzschneider, Drucker und Buchbinder aus Überzeugung und Leidenschaft. Nicht etwa, weil unsere Begabung zu dürftig wáre für andere, hohere Dinge, sondern weil für uns die hochsten Dinge in enger Beziehung dazu stehen." Koch hátte wohl ein künstlerisch wertvolles Spiel schaffen konnen. Denken wir uns, ein Künstler begebe sich heute daran, ein Kartenspiel, ein Quartett, einen Spielplan zu zeichnen. Was bedeutet das I Der Lohn müBte ein unvergleichlicher sein. Spiele, geradevielederhiergenannten, gehorenzuden ersten Kulturgütern, an denen das Kind sein Denken üben kann. Sie gehoren weiterhin zu den bedeutenden Erleb* nissen, die das Heimatgefühl formen helfen, das spater die Erinnerung des Erwachsenen nie verláBt, mag er über Ozeane hinweg von dieser Státte des ersten Spiels leben. Ist solch ein Spiel abereine wohlgestaltete Arbeit, so ist ein neuer Schritt getan im „kulturellen Aufbau von unten her". Es ist keineswegs Nichtigkeit, die sich in diesen Karten* blattern und Papp*Plánen hervortun will. „Brot und Spiele braucht der Mensch. Brot, um zu existieren, Spiele, um dieseExistenz zu erleben." (Buytendijk. )Welch ein tragen* der Sinn dem Spielen im Gehalt des menschlichen Lebens zukommt, konnen wir in Schillers Briefen über die asthetb sche Erziehung des Menschen nachlesen. Der Spieltrieb wird „das Gemüt zugleich moralischundphysisch notigen; er wird also, weil er alie Zufálligkeit aufhebt, auch alie Notigung aufheben und den Menschen sowohl physisch ais moralisch in Freiheit setzen". Nachbemerkung. Es wáre Unrecht, wollte man die weni* gen Beispiele einer Wiedergeburt auf diesem Gebiete übersehen. Aber wir konnen nur auf ganz wenige, mehr oder minder gelungene, Anfange hinweisen. Wahrend wir klare Anfange eines neuen Bilderbogengewerbes haben, wahrend Spielzeuge, Bausteine usw. in ausgezeichneten Formen vorhanden sind, sind gute Karten und Spielpláne selten.DerFíamburgerZeichnerHusmann schuf privat(l) ein handkoloriertes Quartett, ein erster schoner Anfang, aber noch keine endgültige Losung. Mahlau zeichnete für den Hamburger Anzeiger vor Jahren ein lustiges, gutes Kartenspiel. Solch ein in einer Zeitung erschienenes Spiel nimmt natürlich einen raschen Untergang. In den Lübek* kerBilderbogen erschieneinWürfelspiel. Ais „ebenso lehr* reicher wie vergnüglicher Rundgang für Einheimische und Fremde durch die FFansestadt an derTrave" dient es zu* gleich der Fremdenwerbung. SchlieBlich noch zeichnete Fritz Kredel ein Quartett „Der deutsche Soldat in fünf Jahrhunderten"Es erschien bei Otto Maier, Ravensburg.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1938 | | page 24