194 Federzeichnung von Karl Stratil zu: Hupbach, Das Land der ewigen Sonne (.Verlag E. A. Seemann, Leipzig) schehen. Baumwolle, die an sich am wenig» sten transparent sein würde, macht das Papier zu lappig und weich, besonders bei dem mitunter auBerordentlich hohen Fülb stoíFgehalt. Esbleiben nurHanf»undFlachs< fasern, die in groBeren Mengen erhaltlich sind, denn andere Fasera mit ahnlichen oder gleichen Eigenschaften stehen bei uns in Deutschland nicht oder nur zu hohen Preisen zur Verfügung. Am vorteilhafte» sten sind die Abfálle von Hanf und Flachs (Leinen) aus Spinnereien und Webereien oder aus den Waschefabriken, denn sie sind am wenigsten verunreinigt. Bei bereits mehrmals verwendeten Abfallen (Lumpen) muB Vorsicht walten, weil die Hanf» und Flachsfasern leicht mit anderen Fasern ge* mischt sein konnen und Unreinheit hóhere Sortier» und Vorbereitungskosten ver; ursacht. Oft ist auch die Faser der getra» genen Stücke durch vieles Waschen und dergleichen so miirbe, daB sie die erwarte» ten Eigenschaften nicht mehr hat. Im übrigen ist die Behandlung der Lum¡ pen wie sonst üblichsie werden nach sorg< fáltiger Sortierung mechanisch gereinigt, zerkleinert und gekocht. Die Art der Rei» nigung wird bestimmt von der Art der Lumpen und von derenVerunreinigungen; mitunter genügt leichtes Rochen im Was» ser mit Seife, zum Beispiel bei neuen Lum» pen aus Waschefabriken, bei denen nur die Appretur zu entfernen ist; mitunter müs» sen auch Kalk, Soda und andere Chemi» kalien verwendet werden. Eine darauf fob gende ganz gründliche Waschung entfernt die verwendeten Chemikalien und die durch die Kochung gelósten Schmutzteile usw. Das Waschen muB warm und kalt durchgeführt werden, bis die Lumpen wirk» lich rein sind. Wenn schon die I lademver» arbeitung zu sonstigen Feinpapieren viel Wasser verlangt, so ist das bei Dünndruck» papieren in noch viel groBerem MaBe zu» treffend. Man sollte auch die Waschung stets in einem besonderen Waschhollánder und nicht Halbzeughollander vornehmen. BeimWaschen im Halbzeughollander beim Entweben und Zerfasern werden dann durch den Auf lósevorgang weitere Schmutz» teilchen aus denHadern losgelost. ImHalb» zeughollander darf nicht zu kurz gemahlen werden, damit die Fasern nicht zu sehr zer» trümmert und verkürzt werden und nicht genug Bearbeitungsmóglichkeit für den Ganzzeughollánder bleibt. Der HalbstoíF wird dann unter groBter Schonung der Fasern gebleicht. Auch hier» bei wird es sich wieder zeigen, daB reine weiBe Abschnitte aus Waschefabriken am vorteilhaftesten sind. Nach der Bleiche ist wieder ein ganz gründliches Auswaschen erforderlich. Das Entwássern kann man so» wohl in Absitzkasten ais auch auf AbpreB» maschinen vornehmen. Beide Arten haben ihreVor» undNachteile. DieEntwasserung in Absitzkasten ist bequem, braucht aber viel Raum, denn es sind mitunter sehr viele solcher Absitzkasten erforderlich. Es ist auch nicht immer moglich, den StofF zu entnehmen, ohne einen Teil davon zu verstreuen, so daB neue Verunreinigungsmoglichkeiten ent» stehen. Der auf den AbpreBmaschinen ein» fachster Weise entwasserte Stoff hat einen immer verháltnismaBig gleichbleibenden Trockengehalt; er láBt sich in dieser Pappenform auch ziemlich gut und leicht aufbewahren, die Gefahr der Verunreini» gung ist nicht so groB und das Eintragen in den Ganzzeughollánder, namentlich das Abwiegen für die Stoífmischungen, ist leichter und einfacher durchzuführen. Besondere Erfahrung und Gewissenhaftig» keit setzt das Mahlen des Ganzzeuges vor» aus; schon hier ist darauf zu achten, daB man dann auf der Maschine das Papier so arbeiten kann, wie man es verlangt. Der Grundsatz, das Feinpapier wird im Hollán» der gemacht, trifft beim Dünndruckpapier in ganz besonderem MaBe zu. Die Mah# lung muB auBerordentlich vorsichtig er» folgen, damit die Fasern nicht zu sehr ver» kürzt und die verlangten Festigkeitseigen» schaften des Papiers erzielt werden. Auch die Papiermaschinenarbeit verlangt bei besonders geeigneten Papiermaschinen für solche dünnenPapiere groBeErfahrung. Der Stoff muB mit sehr groBer Verdün» nung gearbeitet werden, sehr feine Siebe sind notig und die Trocknung muB dem verlangten Charakter des Papieres ent» sprechend durchgeführt werden. Wie alie Feinpapiere muB das Dünndruck» papier einen ReifungsprozeB durchmachen, der in einem ausreichend langen Lagern unter Beobachtung entsprechender MaB» regeln erfolgt. Sehr zweckmáBig ist bei diesen empfindlichen Papieren nicht nur in denLagerráumen, sondern auch in denVer» arbeitungsraumen eine künstliche Klimati» sierung, also Regelung der Leuftfeuchtigkeit und Lufttemperatur. Solche gereiften Pa» piere werden natürlich von demV erarbeiter vorgezogen, da sie sich in jeder Beziehung besser und leichter bedrucken lassen. Die weitere Behandlung der Dünndruck» und Bibelpapiere kann noch recht mannig» faltig sein. Zunachst kann eine recht ver» schiedenartige Satinage vorgenommen wer» den. Sie muB bei diesen Papieren mit gro» Ber Vorsicht durchgeführt werden, denn bekanntlich erhoht die Satinage die Durch» sichtigkeit eines Papieres. Man würde also Gefahr laufen, bei zu starker Satinage die mühsam durch Stoffauswahl, Mahlung, Füllstoffzusatz und Arbeit auf der Papier» maschine erzielte Opazitat wieder ganz oder zum Teil zu verberen. Es werden da» her neben den maschinenglatten besonders die mattsatinierten Sorten vorgezogen, bei denen man wohl durch die Satinage infolge der erzielten Verdichtung eine guteDruck» fáhigkeit erreicht, aber die Transparenz nicht oder nur unwesentlich erhoht. Auch das satinierte Papier bedarf dann wieder einer Ruhe, ehe es zumSchneiden kommt. Nach dem Schneiden kommt dann das übliche Sortieren und nach diesem Sor» tieren zweckmáBig nochmals ein Be» schneiden, da man die dünnen Bogen nicht aufstoBen kann. Es muB also auf demQuer» schneider mit etwas groBeren, ais den end» gültigen Formaten gearbeitet werden. Das Schneiden auf die endgültigen Fórmate er» folgt dann auf Planschneidern.

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1938 | | page 48