ígntímiiilunggftttfen ber Ht^ípauaíe^ntit Jfltgattó» ttnb iPoflttüüerfa^ren jDínjotppfierfaljren 195 Yon Emil Kóditz Unter den photographischen Kopierver» fahren sind die ersten Versuche zur Bild< vermittlung ohne Silbersalz in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts unternommen worden. Aussolchen Versuchen entstanden Verfahren, zu denen das Papier vorherr» schend mit Eisen» oder Chromsalzen licht» empfindlich gemacht wurde. Damit konn» ten Zeichnungen, die in schwarzen Strichen auf durchsichtigem Papier (meist Paus< papier) ausgeführt waren, auf das licht» empfindliche Papier unmittelbar kopiert werden. Deinnach war dazu keine photo» graphische Aufnahme cNegativ) notig. Denken wir daran, dad manche Zeich» nungen, z. B. Bauplane oder Werkzeich» nungen für Maschinenbau, mehrfach ge< braucht werden, deren Wiederholung durch das Pausverfahren von Hand zeit» raubend und verháltnismáBig mübevoll ist, so überrascht die einfache Vervielfáltigung mit Hilfe des Lichtes. Diese photographi» sche Arbeitsweise erbrachte nicht nur schneller die Wiederholung der Zeich» nung, sondern auch deren vollige Überein» stimmung in alien Einzelheiten. Daraus erklart sich, daB einer Pause von Hand gegenüber eine Pause mittels Licht den Vorzug errang. Aus diesem Entwicklungs» verlaufist die BegriíFsbildung „Lichtpause" verstándlich. Die Lichtpausverfahren unterscheidet man nach der Bildwirkung in der Kopie. Je nach den verwendeten Salzen für die Licht» empfindlichkeit des Papiers und der Be» handlung der Kopie in der Entwicklung wird die Zeichnung hell auf dunklem Grund (negativ) oder dunkel auf hellem Grund (positiv) wiedergegeben. Deshalb spricht man von Negativ» oder Positiv» kopie. Eisensalze, z. B. Ferricyankalium (rotes Blutlaugensalz), zitronensaures Eisen» oxydammoniak und Oxalsáure ergeben blaue Kopien (wie Berliner Blau) in nega» tiver Bildwirkung. Manche Eisenoxydsalze dagegen verschaffen in der Kopie an den nnbelichteten Stellen durch Einwirkung von Gallussaure oder Tannin gallus» oder gerbsaures Eisenoxyd, das schwarz wie Tinte wirkt (Tintenverfahren; Positiv» kopie). Im photographischen „Anilin< druck" dient Kaliumbichromat, mit Phos» phorsaure oder mit phosphorsaurem Na» tron und Magnesiumchlorid gemischt, zur Bereitung lichtempfindlichen Papiers.Wird die Kopie zur Entwicklung in einem Ráucherkasten Dámpfen von Anilinol und Ammoniak ausgesetzt, so entsteht an den unbelichteten Stellen violette Anilinfarbe, dagegen an den unbelichteten Stellen nicht, so daB eine Positivkopie vorliegt. Setzt man dem Waschwasser Ammoniak zu, so wird das Bild blau. Lichtpausen in blauer Farbe werden Blaupausen oder Blaukopien ge» nannt. Um die Jahrhundertwende kam das „Sepia»Blitz»Lichtpauspapier" zur Geltung, mit dem in kurzer Belichtung und ein» facher Behandlung sepiafarbige, dunkel» braune Kopien (Sepiakopien) entstanden. In all den Lichtpausverfahren muBten die Kopien zur Entwicklung in Wasser» und Chemikalienbadern behandelt werden, wonach sie beim Trocknen in der Papier» gróBe schwanden und nicht mit den MaBen der Vorlage übereinstimmten. Dieser Nachteil veranlaBte, Wege zur Trocken» entwicklung zu suchen. Um das Jahr 1889 bahnte sich die Be» nutzung von Diazoverbindungen für pho» tographische Zwecke an. Nachdem Profes» sor Dr. Kógel in Karlsruhe neue Diazo» verbindungen gefunden hatte, gelang ihm die Ausarbeitung eines Lichtpausverfahrens mit Trockenentwicklung (DRP. vom 30. November 1920), das von Kalle £5 Co. in Wiesbaden»Biebrich übernommen und ais „Ozalid"»Verfahren verbreitet wurde. Damit erlangten die „Diazotyp»Papiere" in der Lichtpaustechnik das Ubergewicht, weil die hóhere Lichtempfindlichkeit und die leichte Arbeitsweise die Vervielfalti» gung betrachtlich beschleunigten. Der» artige Verfahren haben den Grundzug, daB zwei in ihrem Gefüge verschiedene Stoffe (Diazoverbindung und sogenannte „Kupplungskomponente") gegenseitig ein» wirken, so daB ein Farbstoff entsteht. Zum Beispiel besitzt das „Ozalid"»Papier einen Aufstrich, der im wesentlichen aus der gelbgefarbten lichtempfindlichen Diazo» komponente und einer Azoverbindung, der Kupplungskomponente, besteht. Wird auf solches Papier eine Pause gelegt und be» lichtet, dann zerstórt das Licht an den zeichnungsfreien Stellen die Diazoverbin» dung, der Grund wird weiB, dagegen be» halten unter der dunklen Zeichnung die Diazo» und Azobestandteile die Fáhigkeit, spáter unter Einwirkung von Ammoniak» dámpfen einen Farbstoff zu bilden. So ent» stehen auf „Ozalid"»Papieren, «Leinen und »Folien verschiedener Starke und Ober» fláchenbeschaffenheit nach positiven Vor» lagen positive Kopien in bestándig schwar» zer, blauvioletter óder gelbbrauner Farbe; auBerdem ist an Stelie der vom Licht zer» storten (ausgebleichten) Diazoverbindung farblos bestándiger Grund. Auf der glei» chen Grundlage beruht das „Safir»Sl»Ver< fahren"(DRP.) der Renker»Belipa G.m.b.H. in Düren, das ais SchnelhLichtpausver» fahren angewendet wird. Zur Bildung des Farbstoffs in der Kopie dient ein flüssiger Entwickler, der aber, sparsam nur auf die Bildseite gebracht, in kurzer Zeit schwarze, braune oder rote positive Bildwirkung ver» schafft. Diesem Verfahren wird ebenfalls MaBgenauigkeit nachgerühmt. In beiden Verfahren werden auch Mittel an die Hand gegeben, Bildstellen auszuloschen, so daB Zeichnungsánderungen ausführbar sind. fXeQet&erfíilireit Von einseitig undurchsichtigen, zweiseitig gezeichneten, geschriebenen oder bedruck» ten Vorlagen werden mittels Reflexver» Federzeichnung von Karl Stratil zu: Hupbach, Das Land der ewigen Sonne (Verlag E. A. Seemann, Leipzig)

Archiv für Buchgewerbe und Gebrauchsgraphik de | 1938 | | page 49