e solchen wird die tragfahigkeit seines geistes nicht nur erprobt, sondern standig auch gefördert. die in jedem wesen vorhandene geistfunktion oder fahigkeit wird aus der notwendigkeit einer polaren materie einen geist anders entwickeln, als es bei einem gleichen geist, einer gleichen geistigen trag fahigkeit eines anderen geschieht, der diesen stoff nicht haben kann, oder ihn in selbstgenügsamkeit einer einzigen blofi geistreichen funktion etwa nicht anpackt.5) die gleiche rolle dieses einzelnen hat die menschheit im ganzen, die in bestimmten entwicklungsepochen die fülle ihrer wirtschaft, technik und was immer sich darin geschaffen hat, geistig bewaltigen mufi, oder von diesen dingen als materie bewaltigt wird. in diesem kampf stehen wir in der gegenwart und nicht nur an den entscheidenden fronten in wirt schaft und politik, sondern auch in andern bezirken. für den materialisten bedeutet dieser begriff seines grunddenkens nicht das letzte, sondern die über- windung der materie, im sinne der erkenntnis ihrer bedeutung, schöpferischen manifestation und damit erst ideellen beherrschung und bewufiten ver- anderung. auch das moderne kunstprinzip (das unsere zeit- schrift hier zeigt) ist nicht aus der idee eines ein zelnen geboren, die künste seit ausgang des mittel- alters konnten sich um so leichter als eine rein ideelle, fast mystische sache und berufung denken, und ihre theorien und asthetiken aus diesem be- wufitsein gründen, als sie zunachst unmerklich, aber unaufhaltsam in eine soziale luxussphare gedrangt wurden. dabei verarmten alle die schöpfungen, die unmittelbar zum menschlichen alltagsgebrauch dienten: die gerate, die möbel, vorallemdie bauten, die sonst in allen geschichten der völker (warum wohl?) als triumph menschlichen könnens galten. es trennten sich einzelne gattungen als reine künste, sammeltenumihrenneuen zweckkern eine relativ neue kraft, und suchten innerhalb ihrer so be- schrankten technik die virtuositat dieser in der ein zelnen gattung (16.18. jahrh.). energieverluste bedeuteten auch hier gleichsam: energieüberflüsse. beachtet wurde nicht, dafi in der folge die werk- stattengenies, ein michelangelo oder ein dürer nicht mehr erstanden, dafi selbst der anschein davon, im vorurteil der zeit (teilarbeit und virtuositat) als dilettantisch verdachtig war. ganze techniken gingen dabei unter, so die miniatur in jedem material, elfenbeinschnitzerei und anderes. antiquarischer bestand versorgte diejenigen, die solche dinge wollten und bezahlen konnten. die verschiedenen künste suchten jede möglichkeit neuer ausdrucks- und wirkungsmethoden (vom inhalt wollen wir hier nicht reden) innerhalb der kunstmittel, die ihnen neben der maschine übrig blieben. das war bis zum expressionismus. als die expressionen sich mani- festierten, sprach man endgültig vom zerfall der kunst, die künste, auch die sprache der dichter in- begriffen, schienen in ihre elemente zu zerfallen, 5) zu dieser möglichkeit gehort allerdings auch die soziale. das denk vermogen der heutigen zeit wendet sich z. b. mehr den exakten wissenschaften zu, als dem denken, im sinne von philosophieren. daneben: die entwickelte gehirnkraft scheint doch auch den nichtmaterialisten ein faktor, sonst hatte man das gehirn eines kant nicht gemessen. aus denen selbstandige und für die traditionelle kunstanschauung selfsame gebilde entstanden, die ursachen dieses endlichen zerfalls wollen wir nur kurz streifen in erinnerung an die gefahrdung und verarmung jener klassen, die sonst wirtschaftlich alle kunstproduktion noch konsumieren und stützen konnten, im innern der techniken durch die epochale entwicklung der photographie, deren bedeutung wohl kaum ein künstler leugnen wird, durch sprach- erschöpfung und andres. im inhaltlichen: die ratlosigkeit vor einem fragmentarisch gewordenen ideellen wert und notwendigkeit dafür, zerfall von ideologien und ihren asthetischen teilelementen in der kunst, was auch z. t. mit der photographien- entwicklung zusammenhangt; erschöpfung alles dessen auf allen gebieten, auch der der dichtung und manches mehr. endlicher zerfall alles ideen- kittes, der noch methoden rechtfertigen konnte und die gewordenen mittel der künste jeweilig steigern oder erproben. alles das ohne soziale reagenz der zeit, deren technische gebilde inzwischen keine toiletten mehr vom kunststil irgendeiner zeit borgen, sondern nackt und schön aus ihrem eigenen material zu gestalten beginnen, neue stilversuche im kunst- gewerbe, zum teil nicht mehr aus einer idee wie seinerzeit der „jugendstil", zum teil schon material und technikgesetze achtend, wenn auch noch unbe- friedigend. vïele kunsttreppen zerfielen, aber nicht die elemente der form, sie blieben als ton, wort, sprache, farbe, anatomie und zahlreiche neben- elemente, im wesentlichen aber materien. und aus diesem neuen chaos begannen die besten und weit- denkendsten künstler zu denken, für die neue grundlage aber konnte nicht die individuelle zufalls- statte des einzelnen erprobt werden, sie brauchte die werkstatt. das prinzip dieser neuen werkstatt aber ist im werklichen ausgedrückt: das prinzip des materialismus, auch des historischen wie mir scheint, denn man will nicht das historisch wertvolle einfach wiederholen, sondern aus dem gewandelten material (nach dem stand der heutigen mittel) und aus den gewandelten zwecken neue lehren für die gestaltung sich erweisen und gestalten, (s. die bauhaus- versuchel) dafi dabei, besonders für die auf handwerkzeit gegründete mühevolle eine oder andre produktion, probleme allgemein sozialen charakters entstehen, kann hier nicht behandelt werden, dieses neue jedenfalls ist bewufit auf die ehrfurcht vor dem material gegründet, wohin der zweck ebenso rechnet, als alle nicht blofi asthe- tischen werte, und es braucht die probe und verachtet sie nicht, macht vielleicht bewufit das experiment, weil es eingesehen, dafi die verschie denen materialien ihre eigenen gesetze haben, die sich nicht durch die gedachteste idee darüber entscheiden lassen, sondern im letzten sicherer und ihrer überzeugung sicherer, durch eben die mate- rialitat alles gedachten, denn das irrationale, was sonst das privileg der alten kunst schien, und was sich dem hartesten und diszipliniertesten denker noch einschleicht, ist auf dieser grundlage auch für den werkkünstler oft ein imponderabil, das sich erst durch die funktion am stoff als ein- geschlichen erkennen lafit und überwinden, wenn es als fehler erscheint. die angst, die in solchen

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