DAS PLAKAT s Von Professor H. K. Fr en zei, Berlin. p Unter allen Werbemitteln ist das Plakat das alteste. Seint 1 Anfange reicben bis ini das Altertum zurück. In Rom und Pom- v peji kannte man bereits Maueranschlage. Im Mittelalter hatter k wir, gemessen an den damaligen wirtschaftlichen Verhaltnis sen, sogar eine Hochkonjunktur des Plakates, denn auf aller. a Messen und Markten der damaligen Zeit benutzten Buchhand n Ier, Doktoren und Schausteller das Plakat als Ankündigung 1 und man muB sagen, daB die damaligen Plakatkünstler aus gezeichnete Werbekünstler waren, und zwar wohl in der Haupt b sache deshalb, weil sie mit absoluter Naivitat an ihre Arbeil k herangingen, weil sie gar keine andere Absicht hatten, als k eben das, was ihnen ihr Auftraggeber aufgetragen hatte, ii möglichst sinnfalliger und einfacher Form zur Darstellung zi bringen, so daB es selbst von Analphabeten richtig gedeutel e werden konnte. 1 Zeitungen und Zeitungsinserate gab es damals überhaupl n noch nicht. Das Plakat war also neben der mündlichen Au k preisung das einzige Werbemittel, und es hat seine Vormacht- d stellung auch beinahe bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts k behalten. Künstlerisch sowohl wie werbetechnisch ist zu An (I fang, ja sogar bis in das Ende des vorigen Jahrhunderts hineir eine Verfallzeit des Plakates festzustellen. Die Plakatkünstler hatten nicht mehr die Naivitat, ihre Aufgabe so einfach, sinn- fallig und verstandlich für jedermann zu lösen, sondern es k fingen die kunstpolitischen Bestrebungen an, auch auf die k Gestaltung der Plakate überzugreifen. Das war ja eigentlict k auch selbstverstandlich, denn soweit Künstler die Entwürfe b liefertem, arbeiteten sie natürlich im Stile ihrer Zeit, und soweil s die Entwürfe von Lithographen hergestellt wurden, versuch- k ten diese den Stil der Künstler nachzuahmen. Eine Besserung trat erst wieder gegen Ende des vorigen n Jahrhunderts ein. Zwei groBe Bewegungen setzten ein. Die k eine kam von England, die andere von Frankreich. Sie rückter das Interesse für das Plakat wieder mehr in den Vordergrund, In der nordisehen Stadt London waren es die Brothers Beggar- 14 g, II

Catalogues | 1929 | | page 15