mm 434 Deutscher Bucli- und Steindrucker Zirkularschrift Brillantineund das Gronau'sche Zirkular aus der Germania-"Handschrift, sowie au£ eine geschlossene An- ordnung von Gedichtsatz auf Seite 457 und hoffen mit all diesen und andern Satzarrangements den Herren Accidenzsetzern eben- sowohl brauchbare Motive zu bringen, wie wir hoffen mit den ver- schiednen bunten Blattern den Farbendruckern und wohl auch den Lithographen wieder mancherlei Anregung gegeben zu haben. Jubilaums-Chronik. Am 17. Mdrz dieses Jahres fexert Theodor Goebel seinen sieb- zigsten Gebiirtsiag. Wenn wir iins da unter die Graiulanten mischen und an dieser Stelle mit schlichten Worien versuchen unsern Wunschen Ausdruck zu geben, so thun wirs nicht nur deswegen, weil einem sehr geschatzten und treuen Mitarbeiter bei der seltnen Feier der Uberschreitung der Grenze des biblischen Alters ein herzlicher Gliickwunsch gebuhrt, sondern weil bei der Stellung, die sich Theodor Goebel als Fachschriftsteller in den Graphischen Kunsten erworben hat mit dem Anteil der Fach- genossen an seinen Werken auch der Anteil an seiner Person eng verkniipft und ihm daher allseitig Ehre und Dank sicher ist. Mit uns eins wissen wir alle Kreise, denen die Liebe zurn Berufe gemein- nutzige Bestrebungen fordern lasst, mit uns eins alle deutschen Graphiker, die im Dienste fur ihr Fach durchdrungen sind von Lust und Freude zu ihrem als schon erkannten Berufe. Sie alle werden dankbar dessen gedenken, was Goebel's Wirken Gutes ge- bracht; immer wird ihnen sein Fleiss und sein Wissen als Anspom dienen, und stets werden seine Arbeiten, insbesondere sein Haupt- werk die Graphischen Kunste der Gegenwart" eine Quelle bilden, aus der heutige wie ki'inftige Generationen Bereicherung der Kennt- nisse s chop fen konnen. Darum diirfen wir wohl im Namen vieler Fachgenossen unsern Wunsch ubermittelnmoge dem noch riistig Schaffenden bei dauernder Gesundheit ein glucklicher Lebensabend beschieden sein und ihm als schonster Lohn seiner guten Saat Fruchte reichlich entgegenreifen.*) Am 1. April d. J. werden sich die Blicke eines wohl nicht kleinen Kreises Eingeweihter auf einen Mann lenken, der seit einer Reihe von Jahren allerdings im Privatleben den Rest seines thatenreichen und erfolggekronten Erdendaseins geniesst. Der Tag gehort dem Schriftgiesser Ferdinand Tlieinliardt, der Numismatisch. Cyprisch. <t>P0IMEQA Altgriechiscli. Babylonisch-Assyrische Keilschrift. Hieroglyphen. Antike und orientalische Schriften von Ferdinand Theinhardt. vor fiinfzig Jahren in Berlin die Firma dieses Namens griindete, und deren heutigen Weltruf er mit erwerben und festigen half, obwohl er seinem Geschaft bis zu dem 1885 abgeschlossnen Ver- kaufe an die jetzigen Inhaber keine allzugrosse Ausdehnung an- gedeihen liess. Ferdinand Theinhardt lernte als Giesser bei vviSl [cJvvia ollv^ly] Klassische Ornamente von Ferdinand Theinhardt. Gebauer-Schwetschke in Halle a. S. unter Anleitung seines Vaters, der dort Faktor war. Trotz der unter solchen Verh&ltnissen er- langten vorziiglichen Ausbildung, suchte er nach Beendigung der Lehrzeit bald sein Konnen zu erweitern und trat als Gehilfe in die damalige/Zaenersche Giesserei in Berlin (j etzt Wilhelm Gronau) ein. Dort suchte er das Stempelschneiden zu erlornen, was ihm auch bei zahem Fleiss gelang ohne besondre Anleitung. Mit kaum geniigenden Mitteln und ohne Yorrat an Stempeln Eine kurzgefasste Biographie Theodor Goebel's finden unsre Leser im ersten Hefte des zweiten Bandes. und Matern etablierte sich Theinhardt am 1. April 1849 und schuf sich nun in seiner jungen SelbstSndigkeit zunachst einige Garni- turen Antiqua- und Fraktur-Brotschriften, wobei er einen so gliick- lichen Griff that, dass es ihm schnell gelang, sich einen Namen zu machen und er bald alle Berliner Zeitungsoffizinen zur Kund- schaft hatte. Verschiedne alte Berliner Blatter, wie die Vossische Zeitung zum Beispiel, beziehen noch heute ihre Schriften von der Theinhardt'schen Giesserei. Uberhaupt bestand die Kund- schaft dieser Giesserei aus einem kleineren, aber erlesnen Kreise erster Firmen, zu denen auch die Staatsdruckerei gehorte, fur die Theinhardt die Stahlplatten und die bekannten Diamant- schriftzeilen lieferte, welche zum Druck von Staatsbanknoten benutzt wurden. Die Giite seiner Arbeit im Stempelschneiden brachte ihm ferner den ehrenvollen Auftrag der koniglichen Akademie der Kunste, fur die Druckerei der Akademie orientalische Schriften zu schneiden; dieser Bereicherung seines Schriften- schatzes fiigte er ferner Hieroglyphen zu, die er in so vollkommner Zeichnung herausbrachte, dass sie im Verein mit den Sanskrit- und andern orientalischen Schriften ihren Weg iiberall hin, be- sonders nach den Universitatstadten (Oxford, Upsala und andren) fanden und heute noch ahnlichen Erzeugnissen vorgezogen werden. Die Fortsetzung der kostbaren Typen- Sammlung der Hieroglyphen, sowie der Sanskrit-, Zend- und chinesischen Typen, auch Cyprisch, Tibetisch, Demotisch, Assyrisch ubernahm er mit Genehmigung des Kultusministers Dr. Falk vom Jahre 187(3 ab auf eigne Kosten. Wir sind in der angenehmenLage, einige dieser seltsamen Buchstabenbilder neben einem Zierat hier vorfuhren zu konnen, der vor etwa vier Jahrzehnten von einem damaligen Professor an der Akademie der Kunste, mit dem Theinhardt be- freundet war, gezeichnet, unter dem Namen "klassische Ornamente" herausgegeben wurde und seinerzeit viel Aufsehen erregte. Mit der am 10. Januar 1885 erfolgten definitiven Ubergabe des Geschafts an seine Mitarbeiter, die Herren Oscar Manxmen. Robert und Emit Mosig konnte Ferdinand Theinhardt seinem miihevollen, aber auch segensreichen Schaffen ein Ziel setzen. Und das um so unbekiimmerter, als er in seinen Nachfolgern Geschaftsmanner kennen und schatzen gelernt hatte, von denen er gewiss sein konnte, dass sie seiner Firma Ruf zu wahren, alles daran setzen wurden. So hat er es denn zu seiner Genug- thuung erleben konnen, wie das Geschaft unter den vereinten Kraften der jiingern Generation ein modernes Geprage bekam und mit modernen Erzeugnissen in schonen Brot- und Titel- schriften und in stilgerechten Einfassungen usw. grossem Auf- schwung entgegenging und sich zu einem Weltgeschafte mit be- deutendem Export nach angrenzenden und iiberseeischen Landern entwickelte. Eine eigne Stempelschneiderei, eine grosse Zahl von Komplet- und Handgiessmaschinen, sowie sonstiger moderner Hilfsmittel, insbesondre aber ein umfangreiches Lager garantieren die Leistungsfahigkeit des Hauses Theinhardt, das in mancher Hinsicht (wir erinnern nur an die Herausgabe der Inserat-Kursiv) Neues und Bahnbrechendes hervorgebracht hat. Mit unserm aufrichtigen Gliickwunsch zum Ehrentage der Firma verbinden wir einen solchen fur den Griinder derselben, der wie bisher in seltner geistiger Frische und korperlicher Riistigkeit das Lebensgliick geniessen moge und schliessen mit dem Aus druck der Hoffnung, an die beiden jetzigen Inhaber der Schrift- giesserei Ferdinand Theinhardt, die Herren Oscar Mammen und Robert Mosig, dass es ihnen auch in Zukunft vergonnt sein wolle, an der Spitze eines bliihenden und in der Graphik hoch- geachteten Geschafts zu stehen. tz. Zu einer Feier, an der nicht nur alle in der Buchdruckerei A. Wohlfeld in Magdeburg beschaftigten Personen den herz- lichsten Anteil nahmen, sondern zu der auch aus alien Teilen des Reiches sich schriftlich, drahtend oder druckend die Freunde des Jubilars einfanden, gestaltete sich fiir den langjahrigen Druckerfaktor Herrn Carl Diezel der 7. Februar dieses Jahres, an welchem derselbe ein halbes Jahrhundert lang ein und derselben Firma seine Dienste gewidmet hatte. Reiche Geschenke seitens der Familie Wohlfeld und wertvolle Gaben vom Personal, eine Kranzspende vom Magdeburger Prinzipal-Verein ehrten den noch heute Rustigen, der schon dem Grossvater und Vater des jetzigen Geschaftsinhabers gedient. Letzterer, Herr Paul Wohlfeld, stiftete aniasslich dieses Tages 15 000 Mark fiir das Personal, derart, dass alle Jahre die Zinsen hiervon an die drei und mehr Jahre im Hause Beschaftigten verteilt werden sollen. Weitere Ereignisse werden in der Folge eine stete Vergrosserung dieses Grund- kapitals zur Folge haben.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1899 | | page 2