DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 924 Geschick leitete. Eine stattliche Sangerschar der "Typographia," meisterhaft dirigiert vom Chorfuhrer Kollegen Wischnewski, hatte sich ihrem lieben alten Herrn bereitwilligst zur Verffigung ge- stellt. (Den dabei gesprochenen schonen Prolog finden die Leser in den Feierstunden" abgedruckt.) Am 10. Juli feierte Herr Buch- und Steindruckereibesitzer Eugen Pasenow in Firma Louis Pasenow in Stettin das sechzig- jahrige Bestehen seines Hauses. Das Leipziger Tageblatt gab zur Vollendung seines hundert- sten Jahrganges am 30. Juni eine 88 Seiten starke Jubilaums- Nummer heraus. Die Geschichte des Blattes schildert in fesseln- der Weise Herr Dr. Oustav Wustmann. Am 10. Juni feierte die besonders in Juristenkreisen bekannte Buchdruckerei Ferd. Fjeldsde in Kopenhagen ihr 50jdhriges Bestehen. Seit ihrer Grundung werden hier die von den Ad- vokaten des danischen Reichsgerichts ("Hojesteret") ausgearbei- teten "Extrakte" (Auszuge aus den Verhorsakten) gedruckt, die zum mundlichen Verfahren in dieser Instanz benutzt werden sollen. ihre Herstellung ist naturlich eine groBeVertrauenssache, und der heutige Leiter der Oifizin, Herr A. W. Larsen, wacht denn auch sorgsam daruber, dafi nichts in unbefugte Hande kommt. B. Auszeichnungen. Herrn Ansgar Schoppmeyer, dem in Berliner graphischen Kreisen bestens bekannten Schreibkiinstler und Schriftkenner, bisher Privatdozent an der Technischen Hoch- schule, ist das Pradikat "Professor" verliehen worden. Auf der im Monat Mai in Wien stattgefundenen Ausstellung fur Jagd und Sport wurde die Buch- und Kunstdruckerei J. H. N. Thamssen in Tondern fur hervorragende typographische Leistungen mit der groBen goldenen Diana-Medaille mit Eichenlaub ausgezeichuet. Ausgestellt hatte die Firma Werke fiber Jagd, betitelt: "Unser Kaiser als Jager," sowie einen Dreifarbendruck: "Winterland- schaft im Walde" (ein fur den Deutschen Buch- and Steindrucker gedrucktes und dort imSeptemberheft 1906 veroffentlichtes Blatt). Dem Vorsteher der Druckereiabteiiung der Kanzlei des schwedischen Reichstags, Herr O. E. Pauli in Stockholm, ist vom Konig von Schweden die goldene Medaille achter GroBe mit der Inschrift litis quorum meruere labores verliehen worden ferner dem Korrektor der Kanzlei, erstem Revisor beim Kammer- gericht in Stockholm, Herrn J. E. Bjorklund, die goldene Medaille funfter GroBe mit der Inschrift: "Fur mitburgerliches Verdienst." schied am selben Tage in Mainz der langjShrige Oberfaktor in der Offizin des Maimer Journals Herr Gust. Adolf Knode. 15. IV. 1855. ROBERT MOS1G f 4. VI. 1907. Totentafel. Am 22. Juni starb, 67 Jahre ait, Herr Georg Franz Krauss in Frankfurt a. M. Zweiundvierzig Jahre iang war der Verstorbene im Hause Benjamin Krebs Nachfolger tatig und seine Gewissen- haftigkeit und Geschaftstuchtigkeit erhob ihn zum Prokuristen der Firma, Ja zum Mitberater und Freund der Firmeninhaber. Am 26. Juni starb Herr Buchdruckereibesitzer R. Leupold in Konigsberg i. Pr. Im Jahre 1839 in Hirschberg i. Schl. ge- boren, kam erimJahrel868 alsGeschaftsfuhrer der Bohmer'schen Buchdruckerei nach Konigsberg und trat nach deren Auflosung 1874 als Sozius in die Druckerei von Gruber Longrien ein, die er dann unter seiner eigenen Firma fortfuhrte. Der Verstorbene bekleidete eine groBe Anzahl Ehrenamter im Gewerbe, in dem er beim Ausbau aller sozialpolitischen Einrichtungen eifrig tatig war. Am 7. Juni verstarb in Berlin nach kurzer schwerer Krankheit Herr Selmar Bayer, der Begrunder der Luxuspapierfabrik gleichen Namens. Der Verstorbene hat sein Geschaft aus kleinen Anfangen zu einem umfangreichen Betriebe heranwachsen sehen, der auch Buch- und Steindruckerei, Lithographie usw. in sich schlieBt, und war einer jener seltenen Manner, den mit kauf -und fachmannischerKenntnis eine vonsozialemGeiste durchdrungene Menschenfreundlichkeit verbindet. Am 10. Juni starb der fiber 20 Jahre in der Otto v. Holten- schen Druckerei in Berlin angestellte und in der Berliner Fach- welt wohlbekannte Obermaschinenmeister Adolf Usnainsky. Den stets kraftigen und gesunden Mann, der ein Alter von nur 57 Jahren erreichte, raffte im Zeitraum eines Jahres ein Herz- und Nierenieiden dahin. Am 12. Juni starb in Berlin der fruhere SchriftgieBereibesitzer Herr Julius Opitz im 77. Lebensjahr. Im gleichen Alter ver- Wie schon auf Seite 828 gemeldet, hat die Firma Ferd. Theinhardt Schriftgiefierei in Berlin-Schoneberg den Verlust ihres Teilhabers zu beklagen, Robert Mosigs, dessen Bildnis wir hier bringen. Der Verstorbene, wohl den meisten Prinzipalen und Fachgenossen in Ieitender Stellung bekannt, war seit 1884 Mit- inhaber der genannten GieBerei! Im Verein mit seinem Bruder Emil Mosig und Herrn Oscar Mammen erwarb er damals die Theinhardt'sche Offizin kauflich, nachdem er einige Zeit vorher das Fachgeschaft Gebr. Mosig in Breslau mit begrundet hatte. Schon aus jener Zeit ist er vlelen alteren Fachleuten bekannt; er war ein tiichtiger Fachmann und von liebenswurdigem an- genehmen Wesen; er verstand es, sich bald die Sympathien derer zu erwerben, mit denen er in Verbindung trat. Auch seinen An- gestellten gegeniiber zeigte er sich von liebenswurdigem humanen Charakter. Er war ein Freund der Geselligkeit und bei festlichen AnlJssen stets einer derjenigen, die zur Unterhaltung mit bei- trugen. In Fach-Vereinen half er mariche wichtige gewerbliche Frage entscheiden. Herr Mosig war Mitglied des Deutschen Buchdrucker-Vereins, des Deutschen Buchgewerbe-Vereins, Kassenrevisor der Deutschen Buchdrucker-Berufsgenossenschaft, Mitglied der Berliner und andererTypographischen Gesellschaften. Mit seiner Gattin und seinen Sohnen betrauern viele Freunde und Angehorige der graphischen Branche einen rechten und biedern Mann. Seine irdischen Oberreste sind im Krematorium zu Gotha eingeaschert worden. Friede seiner Asche! Am 5. Juni starb der Nestor der danischen Buchdrucker, Andreas Thiele, fast 82 Jahre alt (vergl. D. B.- u. St. Bd. XI, S. 1034). Er war der Enkel von Just Rudolf Thiele, der, 1736 in Westfalen geboren, 1748 als Typograph nach Danemark kam, 1770 L. L. Heidens Offizin in Kopenhagen fibernahm und diese, mit der er die durch Heirat erworbene Borups Druckerei vereinigte, unter eigener Firma fortsetzte (f 1815). Andreas Thiele leitete nach dem frfihen Tode seines Bruders Just allein das durch die beiden Briider in die Hohe gebrachte Geschaft, bis er, selbst unverheiratet, 1896 dessen Schwleger- sohn S.Wedege als Kompagnon aufnahm. Unter seinen Berufs- genossen genoB er ein auBerordentliches Ansehen. B.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1907 | | page 24