DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 31 Das Wesen der Offsetfarbe Okt. 1923 Aus bem Laboratorium ber Firma Gebriider Schmidt G. m. b. H., Frankfurt a. M. Wjenn, besonbers in ber ersten Zeit bes Offset- I brucks, viele Drucker geglaubt haben, audi in der Offsetpraxis ihre Steinbruckfarben ver- wenben zu konnen, so haben sie babei manche Ent- tauschung erlebt, unb viele Fehlschlage sinb sicher auf bie Verwenbung eines ungeeigneten Farbmaterials zuriickzufiihren. Heute ist bas anbers geworben. Die Farbenfabriken haben sich ber neuen Druckart ange- paBt unb in eifrigen Stubien unb Versuchen spezielle Offsetfarben herausgebracht, bie zwar auf ben ersten Blick wie Steinbruckfarben aussehen, in ihrer Natur aber auBerst weitgehenbe Unterschiebe von biesen aufweisen. Es ist ja audi ganz selbstverstanblich, baB eine Druckart, bie auf ganz anbern Prinzipien aufgebaut ist wie ber Steinbruck, audi in Farbe unb Papier Eigenes beansprucht. Wenn es im Rahmen bieses Heftes iiber- fliissig erscheinen mag, noch einmal Einzelheiten fiber ben Offsetbruck auszufuhren, so ist bodi efn kurzes Eingehen auf sein Wesen notig, um ben Unterschieb zwischen Offset- unb Steinbruckfarben barzutun. Die beiben Druckverfahren stellen sich schematisiert wie folgt bar: Im Steinbruck wirb eine glatte, harte Fladie mit Farbe eingewalzt unb unter Druck mit Papier in Be- riihrung gebracht. Dabei teiit sich bie Farbe so, baB an ber glatten, harten Steinoberflache nur sehr wenig Farbe hangen bleibt, ber groBte Teil sich auf bas weiche, saugenbe Papier hiniiberzieht. Beim Offsetbruck vollzieht sich zunachst ein ahn- licher Vorgang, ein Drucken von glatter, harter Ober- flache auf ein weidies Mebium, bas Gummituch, bann aber weiter ein zweiter Druck vom weichen Gummi tuch auf ebenso weiches Papier. Vom Stein geht an bas Gummituch ber groBte Teil ber Farbe iiber, vom Gummituch an bas Papier nur etwa bie Halfte, ba an ben beiben gleich weichen Mebien bie Farbe in gleidiem MaBe haftet. Darin liegt bie „Spaltung" ber Farbe, aus ber heraus sich alle Anforberungen erklaren, bie an eine gute Offsetfarbe gestellt werben mussen. Es sinb nur ausgesucht kraftige Farben zu ver- wenben, bie auch bei biinnster Verteilung noch ein leuchtenbes Bilb geben. Verschnittene unb ganz be- sonbers besdiwerte Farben sinb im allgemeinen zu verwerfen. Die Farbenfabriken stellen sie nur auf besonbern Wunsch her, wenn sehr helle Nuancen verlangt werben. Besonberer Wert wirb bei ber Herstellung auf bie Auswahl ber verwanbten Trockenfarben gelegt; von ben sonst im graphischen Gewerbe gebrauchten ist bei Offsetfarben nur ein Teil zu verwenben. Einzelheiten hieriiber zu bringen biirfte zu weit fiihren, nur ganz allgemein sei folgenbes gesagt: Farberben sinb wegen ihrer geringen Farbkraft, ihrer Kornigkeit unb ihrer schlechten Verbruckbarkeit auszuschalten. Ultramarin finbet aus bem letzten Grunbe ebenfalls keine Verwenbung. Auch Farbstoffe, bie aus Farbholzextrakten hergestellt sinb, geben in ber Offsetpraxis wenig erfreuliche Resultate. Dasselbe gilt vom echten Zinnober; boch ist bessen Verbrauch burch seinen Preis in ben letzten Jahren ja so minimal geworben, baB es kaum notig ist, vor seiner Ver wenbung im Offsetbruck zu warnen. Im allgemeinen halte man sich an bie Farblacke, bie zwar teuer sinb, aber audi in ben Druckresultaten immer befriebigen werben. Ein ganz besonberes Gewicht wirb von ben Farben fabriken auf ben Firnis gelegt, burch ben sich bie Offsetfarben am meisten von ben Steinbruckfarben unterscheiben. Es ist hier nidit ber Platz, genaue Rezepte zu veroffentlidien, zumal jebe Firma ihre Spezialanreibungen hat; nur ganz allgemein sei gesagt, baB ber Firnis weniger fettreich sein soli als beim Steinbruck; er soil bie Farbe kiirzer unb boch ge- schmeibiger machen, bamit sie bei bem im Offsetbruck verwanbten rauhen Papier leichter in bie Tiefe bringen kann. Daburch wirb auch bas „Spaltungsverhaltnis" gunstiger, bas heiBt es wirb mehr als 50 Prozent ber Farbe von bem Gummituch an bas Papier abgegeben, was bei einer zugigen Steinbruckfarbe nicht ber Fall ist. Zu biesen Spezialeigenschaften ber Offsetfarben treten nodi anbere, bie sie mit ben Steinbruckfarben gemeinsam haben unb bie bem Fachmann gegeniiber kaum erwahnt zu werben brauchen. Wie bei ben Steinbruckfarben ist barauf zu achten, baB bie Farben gut verrieben sinb, baB sie wenig, moglichst gar nicht ins Wasser gehen usw. Als Verbiinnungsmittel beim Druck sinb moglichst fertige Offsetfirnisse zu verwenben. Man vermeibe mittelstarke unb starke Leinolfirnisse, ba sie bie Farbe zugig machen unb ihr baburch beim Offsetbruck bie Tiefe nehmen. Auch bie Offsetpasten sinb in manchen Fallen von groBem Wert, boch sei man in ihrer Wahl vorsiditig unb wenbe nur bie Probukte renommierter Farbenfabriken an. Der Rat gilt iiberhaupt allgemein fur Offsetfarben wie fur alle Farben im graphischen Gewerbe Nur gutes Material gibt gute Druckerfolge! Dr. M. CDie Ufunft bleibt (ffunfi! ^Wer fie i i nicht durchdacht, der darf fich kein en A Ufiinfiler nennen hier hilfi das fjappen V nichts; eh' man was ffutes macht, muf j 1 man es erji recht ficher kennen. C/oethc. \J Die Normung ber Druckfarben. Bei ber An- wenbung ber Ostwalbschen Farbennormen haben sich in ber Praxis Schwierigkeiten herausgestellt, bie bieses System fiir bie Durchfiihrung gewisser Normungen als ungeeignet erscheinen lieflen. Auch beibenabgehaltenen Besprechungen im NormenausschuB fur bas graphische Gewerbe iiber bie Normung ber Deckfahigkeit ber Druckfarben stellte sich heraus, baB bei ber nach ben Ostwalbschen Vorschlagen vorgelegten Ausarbeitung bie Eigentumlichkeiten ber graphischen Verfahren nicht geniigenb beriicksichtigt worben sinb. Hinberlidi fiir bas Ostwalbsche Verfahren sinb bie fur genaue Messungen erforberliche Apparatur sowie bie Berechnungsweisen, von benen beibe verschiebene Ergebnisse liefern. Unter Beriicksichtigung bieser Umstanbe sah man bavon ab, bie Arbeit auf Grunb bieses Verfahrens fortzusetzen, unb beschloB,nach ber bisherigen Methobe weiter- zuarbeiten. Die Methobe beruht auf ber Feststellung ber Lichtburchlassigkeit mittels Auftrages einer Farb- schicht von meBbarer Starke auf Glas, angerieben, wie sie von ben Druckfarbenfabriken geliefert wirb. Industrie- und Handelszeitung.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 41