J3uch- und Steindrucker 30 Jalire Deutsctier Dudis und StelncLrucRer 2 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER XXX jit ber kommenben Oktobernummer tritt ber Deutsche Buch- und Steindrucker in sein breiBigstes ]ahr. Welch erstaunlichen Wechsel hat bie Druckkunst in bieser relativ kurzen Zeitspanne erlebt! Der Buch- und Steindrucker war ber Wegsucher unb Mitarbeiter in Hanbel unb Inbustrie, er trat stets ein fur alles, was ibeal an ber Kunst Gutenbergs unb Senefelbers ist. Der Griinber, ber selige Ernst Morgenstern, hat es sich wohl vor breiBig Jahren nicht traumen lassen, baB sein Blatt bazu bestimmt war, bie Palme ber Fiihrer- schaft in ber beutschen graphischen Welt zu er- ringen. Als er anfing, bas Evangelium bes guten Buch- unb Steinbrucks zu prebigen, scharte er bie wenigen ernsten Jiinger ber Kunst urn sich unb begann bamit ben ausiibenben Kollegen bie Ehr- wiirbigkeit ihres Berufes unb bie Bebeutung ihrer Deutscher (s~ Is Graphischen Kiinste and verwandten Zwetge. Arbeit fiir bie Gebanken unb Hanblungen ber Menschheit klarzumachen. Die Qualitat bes Ge- botenen erregte bie Aufmerksamkeit weiter Kreise, sie reizte zur Nachahmung, anbere Fachblatter kamen unb gingen, ber D.B.-u.S/.bliebberruhenbe Pol in ber Erscheinungen Flucht. Er glieberte sich bas beriihmte Journal fiir Buchdruckerkunst an, bas bereits 1834 begriinbet wurbe, konservierte bas gute Alte, forberte bas Neue unb schuf sich baburch einen Weltruf. Heute geht bas Blatt in jebes Lanb, wo bie Drudckunst iiberhaupt eine Rolle spielt, unb nimmt im beutschsprachigen Ge- biet unbestritten im graphischen Leben bie bomi- nante Stelle ein, stets eingebenk ber groBen Ver- antwortlidikeit, bie bamit verbunben ist. Unsere einzelnen ]ahresbanbe sinb stark wie bie Bibel, unb sie prebigen auch ein Evangelium. Gepriift wirb alles unb bas Beste empfohlen. Manches wirb gewogen unb zu leicht befunben. Gesunbe Ibeen werben anerkannt unb geforbert, trotz bes Gezeters stagnierenber Kon- kurrenz im Bunb mit interessierten Gegenspielern. UnserVerlagsbirektor ist ein Mann ber Praxis, ebenso ber Schriftleiter unb noch mehr bie Mit arbeiter, bie alle in verantwortlichen fuhrenben Stellen sich befinben. Es sei uns gestattet, hier eine kleine Episobe vorzubringen. Senbet ba neulich ein Fachschriftsteller ein Manu- skript ein, bem man ben siebenten Durchschlag ungefahr ansah. Wir gaben es zuriick mit ber Motivierung, fiir Zweitbrucke keine Verwenbung zu haben. Prompt kam ber Anwurf, ber Einsenber habe gehort, wir konnten ja bas Honorar fur biese nicht einmal zahlen. Wir sagen hiermit alien, bie es angeht, baB wir Originalartikel, bie von Mannern ber Praxis fiir bie Praxis geschrieben sinb, gem entsprechenb honorieren, baB wir aber an Mit- arbeitern, bie ba schreiben, nur um des Zeilenhonorars X Schliisselzahl und nicht der Sadie willen, kein Interesse haben. Welche Art von Arbeiten bie wertvolleren sinb, bas Urteil lassen wirruhig unsere Bezieher selbst fallen. Wir vom Bau sinb ernsthafte grunbliche Arbeiter, bie nicht banach streben, Schatze anzusammeln, bie spater bie Motten fressen. Unser Ibeal ist, in bie FuBtapfen berer zu treten, bie ber Welt bie Erfinbung ber graphi schen Kiinste gaben unb so ben Druk- kern unb ber Inbustrie von heute zu bienen, inbem wir bie Kunst bewahren unb weitergeben. Der Erfolg unb bas Wachstum bes D. B.- u. St. wahrenb e) Vv/ Monatlioher Berioht HerAUSGEBER ERNST MORGENSTERN. I. J AHRGANG. 1894/95. BERL1N 1895. Geschafts-Stelle: W57, Dennewitz-Strasse 19. Wappen-Vigneile von Wilhtlm Wotllmtr's Schriftgiesserci, Berlin.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 4