DEUTSCHER BUCH- UND STEIN DRUCKER MONATLICHER BERICHT UBER DIE GRAPHISCHEN KUNSTE Aiis der Ges chichi e d.es photomec3i.anlsch.erL RaKelliefdrucKs XXX NOVEMBER 1923 MIT DER UNTERHALTUNGSBEILAGE ,,GRAPHISCHE FEIERSTUNDEN" SCHRIFTLEITUNG UND GESCHAFTSSTELLE BERLIN SW 61, TELTOWER STRASSE Nr. 32 or der St. Bavo-Kirche in Haarlem steht das I \l i Denkmal eines Mannes, ben bie Hollander I::::::::::::! als ben Erfinber ber Buchbruckerkunst be- zeichnen; auf bem Marktplatz in Mainz haben bie Deutschen fiir einen anbern ein Denkmal errichtet, ber nach ihrer Ansicht ebenfalls bie Buchbrucker kunst erfunben hat, unb in Miinchen ist ber Er finber bes Steindrucks burch eine Statue geehrt worden. Diese brei Manner: Coster, Gutenberg unb Senefelber stehen jeber fiir sich allein, unb auch in Zukunft wirb man immer noch von ihnen sprechen. Wenn aber einmal spatere Geschlechter ben Er finber bes Tiefdrucks burch ein Denkmal ehren wollen, so geraten sie in groBe Verlegenheit, benn ihre Untersuchungen wiirden ergeben, baB ber Tiefbruck viele Vater gehabt, unb sie waren ge- zwungen, eine Gruppe von mehreren Mannern in kriegerischer Haltung auf bas Postament zu stellen. Diese Behauptung erforbert natiirlich einen Beweis. Tiefbruck an sich ist schon etwas sehr Altes. Man hat schon 1770 auf Kattun Tiefbruck aus- gefiihrt unb bamals mittels Tiefbruck auch Tapeten hergestellt, unb von bieser Tatsache ausgehenb, kann ich mit ruhigem Gewissen ben Satz nieder- schreiben: „lm Anfang war ber Hattunbruck." Dieser Satz, ben man als eine lapibare Wahr- heit ansehen kann, hatte aber niemals bie Be- beutung bekommen, wenn nicht ber Tiefbruck auf Papier biese Revolution in unserm Gewerbe hervorgerufen hatte. Die mit Bliimchen unb Streifen versehenen Kattunkleiber bieten gewifl keine Sensation, wohl aber bebeutet bie Moglich- keit, groBe Bogen Papier voller Bilber viel schoner unb viel schneller als bisher herzustellen, gerabezu eine Umwalzung auf bem Druckgebiet. Der Mann aber, ber zuerst bie Idee hatte, burch bie Kattundruckmaschine eine Papierbahn laufen zu lassen, hat bie praktische Durchfiihrbarkeit, auf Papier zu drucken, nicht gelost, unb ein anberer, ber ben Tiefbruck auf Papier erreichen wollte, hat fiir bie Praxis nichts Brauchbares geliefert. Aber zwischen biesen beiben Mannern stanben eine Reihe anberer Denker, bie bas unvollkommene Werk fur bie Praxis brauchbar gestalteten. Unb was heute als Tiefbruck bezeichnet wirb, ist baher bas Resultat ber Arbeit von Wissenschaftlern, Ingenieuren, Apothekern, Laien unb Buchdruckern. Der Englander William Henry Fox Talbot hatte im Jahre 1852 eine Methobe ausfinbig gemacht, urn Bilber auf photographischer Unterlage in Stahl zu atzen, unb sechs Jahre spater war er in ber Lage, ein Patent fiir Kupferatzung anzumelden. Er nannte sein Verfahren„Photographic Engraving" unb qualte sich muhselig ab, Vertiefungen in ber Metallplatte hervorzurufen, bie es ermoglichten, bie Farbe festzuhalten. Er hatte versucht, Ton- iibergange burch Anwenbung von Staub ober Krepp- stoff zwischen bie transparente Vorlage unb bie lichtempfindliche Gelatine zu legen. Auch wenbete er eine weitere Methobe an, bie Bilbflache burch Staubkorner zu zerteilen, inbem er pulverisierten Asphalt aufwirbeln lieB unb dieses feine Pulver auf ber Platte auffing. Dann brachte er bie Asphaltstaubchen zum Schmelzen, bie ba- durch an vielen kleinen Stellen ben Schutz gegen bie Saurewirkung hervorriefen, unb nach ber Atzung erhielt er bann eine Platte mit vielen feinen Ver tiefungen. Dieses Verfahren, bas bann fiir bie Wiedergabe von Kunstblattern viel angewanbt wurbe, wurbe Heliogravure genannt. Einige Jahre spater fanb ber Englander Joseph Welson Swan ein Verfahren, bas er im Jahre 1865 patentieren lieB, wobei er bie Zerteilung ber Bild- oberflache burch einen Raster mit Parallellinien herbeifiihrte. Aber bie richtige Losung fanb erst Karl Klic in Wien, ber schon 1878 eine photo- mechanische Herstellung von Kattundruckwalzen vornahm. Klic arbeitete sehr im geheimen, unb selten brang etwas Neues aus seiner Arbeitsstatte heraus. Es muB aber wohl ein Englander von seinen Erfolgen gehort haben, benn im Jahre 1895 siebelte Klic nach einem kleinen englischen Dorf auBerhalb Lonbons tiber, wo er technischer Leiter ber fiir ihn gegrunbeten Rembrandt Intaglio Prin ting Co. wurbe. Mit einfachen Arbeitern aus ber bortigen Gegenb stellte er bann auf Papier viele Millionen von schonen Reprobuktionen ber be- riihmtesten Gemalde europaischer Galerien her, bie Von Anselm Hartog, Berlin 12

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