DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER sich durch eine samtige Tiefe auszeichneten, und die man in ganz Europa fur sehr billiges Geld (in Berlin fur 25 Pf. das Stiick) erhalten konnte. Dieses Rem- brandt-Verfahren selbst wurde auch nie patentiert, und immer wieder wurden die Sohne der Dorf- bewohner in diesem Betriebe ausgebildet, so daB viele jahre lang die Arbeitsmethode der Rembrandt- Gesellschaft ein absolutes Geheimnis und ein dauerndes Ratsel bleiben konnte. Die Erfolge dieses konkurrenzlosen Betriebes veranlaBten naturgemafi auch andere, dessen Ver- fahren nachzumachen, und es beschaftigten sich dann sehr viele mit dieser Erfinderarbeit. So z. B. der Sohn des obenerwahnten Swan, Donald Cameron-Swan, der schon 1886 das Verfahren seines Vaters verbesserte und im jahre 1902 ein neues Patent nahm, auch Saalburg von der Van Dyk Graviire Co. in Neuyork. Die ersten fach- mannischen Veroffentlichungen iiber dessen Tief- druck findet man in dem von Huson im jahre 1896 in London erschienenen Werk „On Photo-Aquatint and Photogravure". Ganz speziell in Deutschland finden wir mehrere Manner an der Arbeit. Georg Meisenbach nahm im jahre 1882 ein Patent auf Tiefdruckformen mit regelmaBigem Raster; Ernst Rolffs, der sich anfangs ganz speziell mit dem Ersatz der Handgravure fur Kattundruckwalzen beschaftigte, fand im jahre 1897 fiir seine Kattunfabrik Siegfeld bei Koln dieselbe Arbeitsmethode wie Klic und nahm im jahre 1899 zwei weitere wichtige Patente hierauf. Brandweiner stellte auch im jahre 1302 Kattundruckwalzen photomechanisch her, und bei der Firma Loewy in Wien kam auch Theodor Reich im jahre 1896 mit Tiefdruckarbeiten heraus. Im jahre 1904 waren Dr.Mertens und Dr. Schopf in Berlin tatig und haben in genanntem jahr dem Patentamt Proben von Atzungen nach dem Gelatineverfahren eingereicht. Es blieb nun naturgemaB nicht aus, daB die groflten Atzanstalten den Tiefdruck allmahlich einfuhrten, und so entstanden dann die Namen Heliotint, Mezzotint, Intaglio, Incavo, Alezzo bei den ver- schiedenen Firmen, alles Bezeichnungen fiir das gleiche Tiefdruckverfahren. Erst Dr. Mertens, der sich in Freiburg im Breisgau mit der vereinfachteren Herstellung von Kattundruckwalzen beschaftigte, kam dabei auf die Idee, an Stelle einer Kattunbahn eine Papier- bahn auf der Kattundruck-Rotationsmaschine zu bedrucken, und fand, daB die bestehenden Ein- richtungen nicht geniigten, um gute Resultate zu erzielen. Rolffs, der sich auch erfolgreich mit dem Papierdruck beschaftigte und fruher mit Dr. Mertens zusammengearbeitet hatte, griindete dann im jahre 1906 die Deutsche Photograuur Aktiengesellschaft in Siegburg, um seine Patente weiter zu verwerten, und Dr. Mertens behielt sich das Recht vor, auch nach den Rolffsschen Patenten Zeitungsdruck aus- fuhren zu durfen. Mit Ausnahme der dem Patent amt im jahre 1904 eingereichten Versuche von Dr. Mertens und Dr. Schopf war bisher der Tief druck nur fiir Bilder und nicht fiir Bild und Schrift angewendet. Dr. Mertens kiimmerte sich auch nicht weiter um die Moglichkeit, auch die Schrift im praktischen Betrieb im Tiefdruck herzustellen, und traumte von illustrierten Tageszeitungen, die ihre Bilder in Tiefdruck herstellen lassen sollten (wie es spater tatsachlich auch die Feiburger Zeitung, das Hamburger Fremdenblatt und die Frankfurter Zeitung getan haben). Im januar 1910 lud er mich ein, das Resultat seiner Arbeit zu besichtigen, und ich fand eine alte Kattundruck- maschine vor (mit einer Walze, also fiir einseitigen Druck), gekuppelt mit einer kleinen Zeitungs- Rotationsmaschine fur acht Seiten. Die Bilder er- weckten auf dem Zeitungspapier einen verbluffend guten Eindruck, aber die Arbeitsmethode der Atzung war so umstandlich, langwierig und ungenau, daB man von einer erfolgreichen Anwendung in der Praxis nicht sprechen konnte. Erst durch die Pigmentarbeiten der Siegburger Gesellschaft (speziell durch Dr. Nefgen) und der Rotogravur, Berlin, kam man der Losung, Bild und Schrift gemeinsam auf einer Walze herzustellen, naher. Der praktischen Durchfiihrung dieses Verfahrens trat dann zuerst die Buchdruckerei Rudolf Mosse zu Berlin naher und brachte am 12. Dezember 1912 den Weltspiegel, die bekannte Beilage des Berliner Tageblattes, erstmalig in Tiefdruck heraus. Der Tiefdruck ist noch jung, die Erfahrungen sind noch nicht alt, und ebenso wie die Menschen in der jugend viele Fehler machen, so geht es auch hier. Mit Begeisterung ist der Tiefdruck aufge- nommen worden wegen seiner gegeniiber der Auto- typie verbluffend guten Resultate, aber die Schon- heiten und der Erfolg fallen einem nicht ohne ernste Arbeit in den SchoB. Unser ganzes Gewerbe ist durch die fortschreitende Entwicklung immer weniger ein Handwerk geworden, und immer mehr stellt sich dieNotwendigkeit heraus, daB der Buchdrucker sich Ingenieurfahigkeiten aneignet. Wenn man sich zu dieser Erkenntnis und zu diesem modernen Standpunkt der fortschreitenden Technik durch- gerungen hat, so wird man freudigen Herzens sich all dem Neuen zuwenden, das immer wieder zu neuen Erfolgen fuhrt, und man wird dann eines Tages all jener Manner gedenken, die dem Tief druck zum Sieg verholfen haben. 0ie 0Qmft ft edit wakrkaftig in der ClXatur; veer fie heraus kann reiften (mafend, zeicknend), der kat fie. Cdtbrecht Gkiirer. CBie 0funft fei nock fo grofi, die dein c0erfiand befiijet, fie bfeibt dock [ack erfick, wennfie der ^T 0 eft nichts niityet. 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Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 24