Nov. 1923 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 91 Ut>er eini^e Vereinfachungsmo^lIcliKeiteii. im KupfertiefdrucR Von Professor 0. Mente, Berlin -Wilmersdorf jiirvlie im masdiinellen Kupfertiefbruck erzielbaren j I J; Resultate sinb ohne Zweifel auBerorbentlich ii gute. Mit keinem anbern, auf photomechanischer Grunblage beruhenben Pressenbruckverfahren sinb Abbilbungen herstellbar, bie jene lange Tonabstufung, eine solche Geschlossenheit ber Tone unb eine ber- artig hohe kiinstlerische Gesamtwirkung aufweisen, wie sie bem Tiefbruck eigentiimlich ist. Aber es muB auch einmal gesagt werben: Kein anberes photomedianisches Verfahren schlieBt so viel Schwierigkeiten ein, kein anberes bebingt so viel Um- wege, um zum Ziele zu kommen. Im Hoch- unb Flachbruck (Offset) machen wir von ber Vorlage ein gerastertes Negativ, kopieren bieses auf bie licht- empfinblich gemachte Drud<form unb erhalten nach Entwicklung unb Atzung berselben eine bruckfertige Platte. Im Tiefbruck fertigt man von ber Vorlage zu- nachst ein volltoniges Negativ, von biesem ein Dia- positiv, kopiert letzteres auf ein lichtempfinblich ge- machtes Pigmentpapier (von ber Rasterkopie wollen wir ganz absehen), iibertragt bie Pigmentkopie auf bie Kupferwalze, entwickelt bas Relief in heiBem Wasser, laBt Eisenchloriblosungen verschiebener Starke burch bas Relief auf bas Knpfer atzenb einwirken unb hat bann erst bie fertige Druckform. Fiigen wir noch hinzu, baB audi bas Satzbilb auf ahnlich umstanbliche Weise gewonnen wirb, baB bie Gruppierung von Bilb unb Satz verhaltnismaBig viel teure Arbeitszeit er- forbert unb baB bei Verletzung auch nur eines kleinen Teiles ber Druckform bie ganze Arbeit wieberholt werben muB, so gelangen wir zu ber SchluBfolgerung, baB bie ohne Zweifel vorhanbene erhebliche Uberlegenheit ber Resultate im maschinellen Kupfer- tiefbruck auch ziemlich teuer erkauft ist. Es mag Falle geben, wo biese kostspieligen Vor- arbeiten wirtschaftlich keine groBe Rolle spielen, aber bie Tatsache, baB heute noch bekannte Verleger groBer illustrierter Zeitschriften sidi nicht recht mit bem Kupfer- tiefbruck zu befreunben vermogen, gibt boch zu benken. Erkunbigt man sich einmal nach bem „Warum" fiir biese ablehnenbe Haltung, so bekommt man meist zu horen, baB ber Tiefbruck zu langsam arbeite, baB bas Verfahren nicht „elastisch" genug sei unb baB auch bie Unmoglichkeit, im letzten Augenblidc eine un- wichtige Abbilbung burch ein aktuelles Bilb ersetzen zu konnen, als storenb empfunben wirb. Das„Langsam- arbeiten" bezieht sich natiirlich nicht auf ben Druck- vorgang selbst, sonbern auf bie Vorbereitungen zur Herstellung ber bruckfertigen Walze. Wenn wir nun einmal bie Frage aufwerfen, ob es ganz ausgeschlossen ist, Vereinfachungen an bieser ober jener Stelle einzufiihren, ohne baB eine Beein- flussung bes Enbresultats erfolgt, so glaube ich sagen zu sollen, baB verschiebene Moglichkeiten bestehen, bie nicht einmal einer iibermaBig langen praktischen Durcharbeitung bebiirfen, sonbern teilweise schon ba sinb, zum anbern Teil aber balb geschaffen werben konnten. Da ber Kupfertiefbruck ein „photomechanisches" Verfahren ist, ber mechanisch-brucktechnischeTeil jeboch bereits so einfach ist, baB eine weitere Vereinfachung schon theoretisch kaum benkbar ist, so ergibt sich ohne weiteres, baB eventuelle Eingriffe nur im photo- graphischen unb atztechnischen Teil zu erfolgen hatten. Ferner' sei gleich betont, baB ich unter bie Rubrik „Vereinfachungen" auch Verbilligungen rechnen mochte. Bis jetzt bebient man sich in ben Kupferbruckereien zur Herstellung bes Negativs nach ber Vorlage, wie auch zur Anfertigung bes Diapositivs nach bem Negativ fast ausschlieBlich ber Trockenplatte. Gelegentlich wirb zwar auch bas Kollobiumemulsionsverfahren unb bas sogenannte nasse Verfahren, bei bem man sich seine Jobsilber-Kollobiumplatten selbst herstellt, empfohlen, aber ich mochte namentlich letzteren Vorschlag aus verschiebenen Griinben nicht bebingungslos unter- stiitzen, obwohl ihm erst kiirzlich in einem anbern Fachblatt bas Wort gerebet wurbe. Bei ber nassen Platte haben wir es namlich im wesentlichen mit physikalischer Entwicklung bes latenten Bilbes zu tun; wir iibergieBen bie belichtete Platte mit einer sauren Eisensulfatlosung, bie sich mit bem ber Schicht noch anhaftenben Silbernitrat mischt, wobei allmahlich metallisches Silber ausgeschieben wirb, bas sich im Augenblidc bes Entstehens an ben beliditeten Stellen ber Jobsilber-Kollobiumschicht festsetzt. Befinben sich nun groBe weifie Stellen in ber Vorlage, so wirb ber Silbernieberschlag hier nur verhaltnismaBig locker unb biinn erfolgen, weil bas vorhanbene Quantum nas- zierenbes Silber auf eine groBe Flache verteilt wirb liegt aber umgekehrt auf ber Vorlage ein kleiner weiBer Fleck inmitten einer grofien bunkel gefarbten Umgebung, so tritt hier bie gegenteilige Ersdieinung auf, inbem bie verfiigbare Silbermenge ber ganzen Umgebung auf bem kleinen weiBen Fleck zur Geltung kommt, biesem eine iiberkraftige Deckung gebenb. Wir haben mithin in jeber nassen Aufnahme, einerlei ob Negativ ober Diapositiv, eine Verschiebung der Tonwerte zu verzeichnen, bie selbstverstanblich bei sogenannten Strichsachen, bie iiberhaupt nur zwei Tone: bas WeiB bes Papiers unb bas Schwarz ber Zeichnung, zeigen, nicht stort, bei volltonigenOriginalen, wie Photographien usw., aber oft sehr unangenehm zur Geltung kommt. Also eine Verbilligung burch Einfiihrung ber nassen Platte in ihrer urspriinglichen Form ist wohl benkbar, aber bie eben geschilberten Begleiterscheinungen lassen irotzbem biesen Ersatz nicht wiinschenswert erscheinen. Erheblidi besser verfahren wir schon bei Verwenbung bes sogenannten Tanninverfahrens, bas sich vom nassen ]obsilber-Kollobiumverfahren in wichtigen Punkten unterscheibet, obgleich bie Grunbform beiben gemein- sam ist. Beim Tanninverfahren wirb zunachst eine nasse" Platte in ber ublichen Weise prapariert, bann aber bas ber Platte anhaftenbe iiberschiissige Silber nitrat griinblich ausgewaschen, bie Sdiicht mit einer 5—lOprozentigen Tanninlosung mehrere Male iiber- gossen unb bann getrodcnet. Wir haben jetzt also eine Kollobiumtrockenplatte, bie zwar auch physikalisch entwickelt wirb, inbem man eine saure Pyrogallol- Silbernitratlosung auf sie wirken laBt, aber nicht bie Ersdieinung ber verschobenen Tonwerte im Negativ barbietet, weil man mit viel groBeren Quanten von Hervorruferlosung unter Zuhilfenahme einer Schale arbeitet, unb weil bie Entwicklung hier viel langsamer unb unter schaukelnber Bewegung ber Schale erfolgt. In neuester Zeit wirb von englischer Seite reinen Chlor-Bromsilber-Kollobiumplatten, bie man sich eben- falls selbst herstellt unb nach Wunsch in nassem ober trockenem Zustanbe (Tanninplatten) verwenben kann, eine Empfehlung mit auf ben Weg gegeben. Diese 12*

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