92 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER xxx Chlor-Bromsilber-Kollobiumplatten sollen, wie bas bei ber Eigenart bes veranberten Silbersalzes kaum anbers zu erwarten ist, erheblich empfinblicher sein als bie nassen Jobsilberplatten, unb bie Grabation ber barauf aufgenommenen Reprobuktionen wirb ohne Zweifel auch weicher sein. Bevor jeboch keine einbeutigen Vergleiche zwischen ]ob- unb Chlor-Bromsilber- Kollobiumplatten burchgefiihrt sinb, mochte ich mich nicht kritisierenb zu bem Vorschlage auBern, fiber ben Inter- essenten im British Journal of Photography in einem langeren Artikel \ionWitkinson bas Wissenswerte finben. Das sogenannte Kollobiumemulsionsverfahren, bei bem ebenfalls Bromsilber als lichtempfinbliches Silber- salz verwenbet wirb, bieses aber in bem Kollobium in fein verteilter Form schwebt, wahrenb bei bem eben besprochenen nassen Bromsilber-Kollobium- verfahren bas Chlor-Bromsilber erst burch Baben einer mit Chlor- unb Bromsalz-Kollobium fiberzogenen Platte in waBriger Silbernitratiosung erhalten wirb, ahnelt ber Trockenplatte ziemlich erheblich. Die mit Bromsilber-Kollobiumemulsion fiberzogene Platte wirb auch im Gegensatz zur „nassen Platte" chemisch ent- wickelt, so baB eigentlich keinerlei Bebenken gegen bieses Aufnahmematerial bestehen. Tatsachlich fertigt man in einigen Betrieben sowohl bie Negative wie audi bie Diapositive mittels bes Bromsilber-Kollobium- verfahrens unb hat, sofern geschickte Arbeiter zur Verffigung stehen, auch gute Erfahrungen bamit ge- macht. Zuverlassiger wirb natfirlich stets bie Trocken platte arbeiten, bie von einigen unserer groBten Fabriken in stets gleichbleibenber Qualitat ffir bie speziellen Zwecke bes Kupfertiefbrucks angefertigt wirb. Es kann kein Zweifel barfiber herrschen, baB bie Spezialtrockenplatten ffir Kupfertiefbrudc ihrer Aufgabe in vollem MaBe gerecht werben, aber man barf boch bie Frage aufwerfen, ob erstens bie Glasplatte ber richtige Schichttrager ist unb ob zweitens bas umstanbliche unb sehr kostspielige Verfahren ber getrennten Herstellung von Negativ unb Positiv nicht vereinfacht werben konnte. SchlieBlich ware noch im Hinblick auf bie mit- unter verlangte erhebliche Retusdiebearbeitung ber Hinweis auf Schichten berechtigt, bie Graphit ohne weitere Vorarbeit in beliebigem MaBe annehmen. Was zunachst ben Schichttrager angeht, so wunbere ich mich barfiber, baB man an Stelle ber teuren, zer- brechlichen, in ber Starke stets schwankenben Glasplatte nicht schon lange unb fiberall eine Art Film verwenbet. Wenn ber Zelluloibfilm, ber ja bestimmt billiger ist als Glas, sich audi noch zu teuer stellen sollte, so kann man vielleicht ein Ersatzprobukt schaffen, bas ffir biesen Zweck genfigt. Es werben ja in physi- kalischer Beziehung gar keine besonbers grofien An- forberungen an ben Schichttrager gestellt. Er soli nur genfigenbe Festigkeit besitzen, um ein Hantieren in nassem unb trocknem Zustanbe zu ermoglichen, unb einigermaBen gleichmaBig in ber Lichtburchlassigkeit sein, wahrenb vollkommene Transparenz gar nicht er- forberlich ist. Eine Art Pauspapier wfirbe sdilieBlich schon genfigen; Bromsilberemulsionen sinb auf letzteres aber schon wieberholtgegossen, so baB kaum erhebliche neue Erfahrungen zu sammeln waren. Vielleicht beschaftigen sich unsere rfihrigen Trockenplattenfabriken einmal naher mit biesem Problem; bie Kupferbrucker wfirben ihnen bankbar sein, wenn eine bfinne, biegsame Unter- lage ffir bie Emulsion geschaffen werben konnte, bie audi bas Gruppieren ber Diapositive unb bie Herstellung ber Pigmentkopie von letzteren erleichtern wfirbe. Wir kommen bann zu ber zweiten Frage, ob bas umstanbliche unb kostspielige Verfahren ber getrennten Herstellung von Negativ unb Positiv nicht berart ver einfacht werben konnte, baB man beibe Prozesse zu- sammenzieht. Wer in ber photographischen Literatur bewanbert ist, weiB, baB biese ursprttnglich als Kontra- typie bezeichnete Methobe tatsachlich schon lange existiert, wenn sie audi erst in allerneuester Zeit, unb zwar in ber Kinematographie erhohte Bebeutung ge- wonnen hat. Im Laufe ber Jahre ist eine groBe Zahl von sogenannten Umkehrverfahren vorgesdilagen worben, bie aber alle ein gemeinsames Merkmal tragen: man entwickelt zunachst bas auf ber licht- empfinblichen Schicht aufgenommene Negativ, beseitigt bieses spater mit einem Losungsmittel ffir metallisches Silber (wie Chromsaure, saure Permanganatlosung us w.) unb entwickelt bann in berselben Schicht bas Positiv. Ob man nun eine Art quantitativer Umwertung vornimmt, inbem man, wie bei ber sogenannten Auto- chrom- ober Agfa-Farbenplatte, bas reichlich belichtete Negativ ganz burchentwickelt, bann bieses entwickelte Bilb wieber auflost unb alles bei ber ersten Ent- wicklung unveranbert gebliebene Bromsilber jetzt im Entwickler schwarzt, ober ob man bas sogenannte Kopierverfahren benutzt, ist im wesentlichen gleich- gfiltig. Beim Kopierverfahren belichtet man normal unb ruft auch normale Zeit hervor, bann geht man mit biesem Negativ, bessen Rfickseite man gegen Be- lichtung burch schwarzes Papier geschfitzt hat, an eine kraftige Lichtquelle (meist Tageslicht), „kopiert" bas oben in ber Schicht liegenbe Negativ auf bas barunter liegenbe, bei ber ersten Belichtung intakt gebliebene Silbersalz (ber gleichen Schicht), geht in bie Dunkel- kammer zurfick, entfernt bas primare Negativ mittels bes vorhin erwahnten Silberlosungsmittels unb ent wickelt bann bas in ber Schicht kopierte Positiv. Mit beiben Verfahren kann man zum Ziele gelangen; bas erstere verlangt aber besonbers geartete Schichten, bie moglichst gleichmaBig bfinn sein sollten, wahrenb bas zweite Verfahren gerabe bei bickeren Schichten gut arbeitet. Auf Einzelheiten kann an bieser Stelle nicht ein- gegangen werben, boch sei bemerkt, baB in Amerika bie bekannte Kobak-Gesellschaft, in Deutschlanb bie Ernemann A.-G. in Dresben in neuester Zeit einen besonbern Film ffir Amateur-Kinematographie in ben Hanbel bringen, ber fur ein spezielles Umkehrver fahren (bas leiber nur bei Kobak unb Ernemann selbst ausgefibt unb nicht abgegeben wirb) ausgearbeitet ist. Mit ben bekannten Umkehrverfahren wirb sich aber zweifellos bieser Film auch gut „umkehren", bas heiBt aus einem Negativ in ein Positiv verwanbeln lassen. Wenn unsere photographische Inbustrie schon bem Problem naher tritt, eine bfinne biegsame, genfigenb burchsichtige Unterlage fur bie Bromsilbergelatine herauszubringen, so sollte sie audi noch einen Schritt weiter gehen unb gleich auf eine gute „Umkehrbarkeit" ber letzteren hinarbeiten, wie audi ein ffir biese Emulsion zugepaBtesUmkehrverfahren bekanntgegeben werben mfiBte. Ob man ben frfiher ausgesprochenen Wunsch, bie Schicht gleichzeitig leicht retuschierbar zu gestalten, hierbei auch gleich mit verwirklichen kann, ist nicht ohne weiteres zu entscheiben. In neuerer Zeit sinb zuerst von Englanb matte Aufnahmesdiichten in ben Hanbel gekommen, bie, auf normales klares Glas gegossen, ben besonbern Vorzug ber leichten unb ausgiebigen Retuschierbarkeit besitzen. Es hanbelt sich offenbar um ben Zusatz eines Mattie- rungsmittels, wie Starke, Bariumsulfat zur normalen Bromsilbergelatine-Emulsion, wie bas von ben matten Entwiddungspapieren langst bekannt ist. Solche matten

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 26