DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 93 (£ge-Sd)muck ift ber 3eitgema^e 3rot fur Druckfadjen Nov. 1923 Schichten nehmen in trockenem Zu9tanbe Graphit una Kreiae sehr willig an una gestatten aeshalb eine Retuschebearbeitung, wie sie selbst bei mattlackierten Plalten kaum moglich ist. Wie sich allerbings bas Mattierungsmittel bei bem Versuch einer „Umkehrung" verhalten wiirbe, ist fraglich; vermutlich wirb es in- bifferent bleiben unb ben Umkehrungsprozefi also weber begiinstigen noch ihm schaben. Es kommt ba einfach auf einen praktischen Versuch an. Wir wollen es mit biesen Vereinfachungs- unb Verbilligungsvorschlagen fur ben eigentlichen photo- graphischen Teil bewenben lassen unb nun noch unter- suchen, wo in bieser Beziehung ber Hebel bei ben iibrigen Operationen erfolgreich einzusetzen ware. Man wirb ba unwillkurlich zuerst an bas Sensibilisieren bes Atzpigmentpapiers benken, bas bem Techniker namentlich in ben Sommermonaten so vielen VerbruB bereitet. Aber wie wenige haben sich einmal in ber photographischen Literatur umgesehen unb bie Vor- schlage von Namias unb anbern Autoren nachgepriift. Professor Namias in Mailanb hat schon 1902 vor- geschlagen, ber Bichromatlosung neutrale Zitrate ober Oxalate zwecks Erhohung ber Haltbarkeit ber barin gebabeten Pigmentpapiere zuzusetzen. Die nament- lich von Pigmentbruckern im Auslanbe viel benutzte Vorschrift lautet: Kaliumbichromat20 g Wasser1000 ccm Zitronensaure7 g Ammoniak (spezifisches Gewicht 0,91) 30 ccm Durch Baben in bieser Losung, in ber bas Ammoniak vorwalten unb bie orangerote Farbe bes Chrombabes sich in eine zitronengelbe verwanbeln muB, wirb bie Haltbarkeit bes lichtempfinblichen Pigmentpapiers auf mehrere Wochen verlangert. Ebenfalls von Namias stammt eine neuere Vor schrift, beren Befolgung inbessen einige Schwierigkeiten bereitet. Man soil bas Pigmentpapier in einer aus- gesprochen alkalischen Chromsalzlosung baben, wo- burch man ein fast beliebig lange haltbares, aber voll- kommen lichtunempfinbliches Papier erhalt, bas bann kurz vor bem Gebraudi baburch lichtempfinblich ge- staltet wirb, baB man es unter Zuhilfenahme einer Kiste einige Zeit in Dampfen einer untergestellten Schale mit Essigsaure rauchert. Hierbei wirb bas unempfinbliche Monochromat oberflachlich in Bichromat zuriickverwanbelt unb bie normale Lichtempfinblichkeit hergestellt. Wenn sich bieses letztgenannte Verfahren nicht eingefiihrt hat, so ist bas immerhin verstanblich, aber bie Sensibilisierung mit Alkalizitrat sollte langst Gemeingut aller sein, bie biesen Teil bes Kupfer- tiefbrucks bearbeiten. Vielleicht wirb auch bas sogenannte Koppmann- Reliefverfahren, zu bessen Ausarbeitung unb Vertrieb sich vor ungefahr Jahresfrist eine eigene Gesellschaft (Koppmann-Relief G. m. b. H., Freiburg i. B.) gegriinbet hat, bie Herstellung ber Druckform erheblich zu ver- einfachen vermogen. Das genannte Verfahren arbeitet mit Schichten, bie neben verhaltnismaBig wenig Brom- silber noch einen Farbstoff enthalten. Bei normaler Belichtung unb Entwicklung in einem speziellen Her- vorrufer, ber bie Eigenschaft besitzt, iiberall bort bie Gelatine kraftig zu gerben, wo metallisches Silber ausgeschieben wirb, entsteht also neben bem Silber- bilb nodi ein Bilb aus geharteter (gegerbter) Gelatine, bas ersterem topographisch genau entspricht. Gestaltet man nun bas speziell anzufertigenbe Bromsilberpapier noch abziehbar, so wiirbe man nur ein Negativ anzu- fertigen haben, auf bas man noch ben Raster kopiert, worauf bie tlbertragung auf bie Kupferwalze ober -platte unb hierauf genau wie bei Pigmentpapier bie Entwicklung in heiBem Wasser erfolgen kann. Man konnte bei Benutzung bes Koppmann-Relief- verfahrens naturlich nach Belieben verkleinerte ober vergrofierte Reprobuktionen auf bas Bromsilberpapier machen. Hoffentlich ist es balb moglich, bie erforber- lichen Materialien in ben Hanbel zu bringen; bem Kupferbruck wiirben meines Erachtens ganz riesenhafte Ersparnisse an Zeit unb Material erwachsen, wenn man an Stelle von Negativ, Diapositiv unb Kopie auf Pigmentpapier nur ein Negativ auf Bromsilber papier anzufentigen brauchte unb nach tlbertragung auf bie Druckform mit heiBem Wasser bas Relief entwickeln wiirbe, worauf ohne weiteres zur Atzung geschritten werben kann. In ahnlicher Weise wie beim Koppmann-Relief- verfahren erfolgt bie birekte Umwanblung eines Silber- Gelatinebilbes in ein Gerbebilb, bas heiBt ein Relief aus gegerbter Gelatine bei ber sogenannten Ozobromie, bie schon alteren Datums ist. Da hier jeboch bie Resultate nicht so sicher sinb unb aufierbem ein etwas groBerer Zeitaufwanb erforberlich ist, so mochte ich hier nicht naher barauf eingehen. Interessenten finben Naheres iiber bas trotz seinem Alter wenig ange- wenbete Ozobromverfahren ir. alien etwas ausfiihr- lidier gehaltenen photographischen Hanbbiichern. Um zum SchluB nodi mit ein paar Worten auf ben AtzprozeB einzugehen, so sei einleitenb festgestellt, baB ich biesen nicht gerabe fur ibeal halte; anberseits sehe ich aber auch kaum aussichtsreiche Moglichkeiten fur eine Vereinfachung ober Sicherergestaltung. Die Bilbung ber Kupferlosungsprobukte unter ber burch- scheinenben Pigmenthaut zeigt zwar an, baB bas Eisen- chlorib seine atzenbe Wirkung begonnen hat, unb man kann nodi von einer ziemlich befriebigenben Erkennung ber einzelnen Atzstufen sprechen. In bezug auf bas tfiaB der Tiefenwirkung ist man aber boch reichlich stark auf bas „Gefuhl" angewiesen, unb in ber Tat haben weniger geiibte Atzer mitunter (besonbers bei anormal hohen ober niebrigen Temperaturen im Atzraum) Mifierfolge in bieser Hinsicht zu ver- zeichnen. Die sichere Bestimmung bes Reliefs" ber Punkte wie bei ber autotypischen Hochatzung lafit sich eben im Tiefbrudc nicht schaffen, unb es ist auch kaum benkbar, baB man ohne an ben Grunbvesten bes Tiefbrucks zu riitteln hier Anberung schaffen konnte. Der Druck selbst aber ist so einfach, baB man ber Schnellpressenheliograviire mit Recht nachriihmt, sie stelle bie zwanglaufigste von alien Druckmethoben bar. en3fd) $epfe Sdjriftgie^erei'JfkttengefeUfdjaft ioamburg unb TRund)en

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 27