94 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER XXX Die Retusche der Ne^atiire und der Dlaposltlxre Von R. RuBBerlin N:eben ber vorbereitenben Retusche ber zur I Wiebergabe bestimmten Photographien (ber -I sogenannten Positivretusche) gibt es beim fiefbruck nur eine einzige Retuschemoglichkeit, unb zwar bie ber manuellen Verbesserung ber Negative unb ber Diapositive, bie man unter bem Namen ber Glasretusche zusammenfaBt. Alle iibrigen Prozesse sinb beim Tiefbruck zwangslaufig, was von vielen Laien als groBer Vorzug angesprochen, von ben meisten Fachleuten aber als ein wesentlicher Nachteil empfunben wirb. Besonbers bei alien Arbeiten fur Farbenbruck- zwecke gilt bas letztere, weil bie Beseitigung ber Mangel ber photographischen Farbenaussdialtung mit bieser Glasretusche viel weniger zuverlassig geschehen kann, als z. B. in ber Chemigraphie mit bem Atzen unb Polieren, worauf wir am SchluB noch etwas ein- gehenber zuriickkommen miissen. Vorausgeschickt sei nur noch, baB ber Photograph sich nie viel auf bie Retusche verlassen soil unb eventuelle wiederholte Aufnahmen nicht scheuen barf. Denn bie photo graphischen Moglichkeiten sinb hier ben Mitteln ber Retusche meist uberlegen. Nun zur Retusche selbst. Soweit es sich urn Emulsionsnegative hanbelt in reinen Tiefbruckereien kommt bas selten unb hochstens nur bei Farben- brucken vor miissen biese zuerst lackiert werben, weil bie Kollobiumschicht sich weber burch partielles Reiben mechanisch abschwachen noch birekt mit bem Stift usw. ausgiebig verstarken laBt; sie ist zu beiben Prozeburen zu wenig fest. Diese Festigkeit erreichen wir burch Lackieren. Dazu genugt von ben iiblichen Negativlacken ber Kaltlack, jebenfalls aber ein solcher, ber Azeton, Amylazetat ober Ather nicht enthalt, bie bas Kollobiumhautchen auflosen wiirben. Empfehlens- wert ist (nach L. Englich), eine filtrierte unb abgeklarte Losung von 90 g Sanbarak in 500 g Alkohol, wozu man 5 ccm Lavenbelol (ober Zitronenol) gibt. Der Lack wirb auf bie Mitte ber Platte aufgegossen, burch rasches Schwenken verteilt unb an einer Ecke zum Ablaufen gebracht, wobei man bie Platte breht, bamit keine Streifen entstehen. Dieser Lack gibt eine hin- reichenb feste, wenn audi keine glasharte Oberflache. Bei Trockenplatten eriibrigt sich jebes Lackieren, ba ihre Gelatineschicht geniigenb hart ist; es ware sogar zweckwibrig, weil kein Lack bas feine, ber Graphit- retusche so zutragliche Korn gibt, wie es bie Gelatine besitzt. Wohl aber erforbern sowohl Trockenplatten bazu gehoren naturlich auch alle Diapositivplatten als auch bie lackierten glatten Emulsionsnegative noch eine anbere Vorpraparation, um ben Graphit zum Haften zu bringen, unb zwar bas Uberziehen mit einem schwach klebrigen Mittel, bem Mattolein, bas sich als Terpentinlack prasentiert. Ein Teil Dammarharz in fiinf Teilen rektifiziertem Terpentinol gelost gibt bieses Binbemittel fur ben Graphit. Ein Tropfen bavon auf ein reines Lappchen genommen unb bie Platte bamit allseitig iiberrieben, so baB nur ein kaum merkbarer Ruckstanb bleibt, liefert einen vollkommen geniigenben Uberzug. Die Flache barf sich gar nicht klebrig anfiihlen, weil bas eine ganz schmierige Re tusche ergeben miiBte. Auf lackierten Platten ist ber Uberzug nicht merkbar; Trockenplatten bunkelt er ein wenig nach unb barf ihnen nur einen geringen, halb- matten Glanz geben. Wo Trockenplatten burch Reiben mit in Alkohol getrankter Watte manuell abgeschwacht werben sollen, ober wo man bie Absicht hat, burch geloste Farben eine partielle Verstarkung burch An- farbung vorzunehmen, muB bas vor bem Praparieren mit bem Mattolein geschehen, weil bie Fettschicht sonst hinberlich wirkt. Uber bie Beschaffenheit ber Retuschierpulte ist nicht viel zu sagen. Ein vorgelegter Spiegel reflektiert bas Licht unb wirft es burch bie streuenbe, schrag im Rahmen stehenbe Mattscheibe, auf ber bie zu retuschierenbe Platte liegt. Gutes Abblenben alles Ober- unb Seitenlichtes burch geeignete Schirme ist eine Vorbebingung angenehmen Arbeitens; richtige Postierung bes Originals eine weitere, bamit alle storenben Reflexe vermieben werben unb alle Farben unb Tone beutlich zu unterscheiben sinb. Steht bas Original bei ber Retusche nicht im giinstigen Licht, so kann man beim spateren Vergleichen mit bem Anbruck in einem anbern, besser beleuchteten Raum schlimme Enttauschungen erleben, beren Ursachen man sich gar nidit erklaren kann. Das Retuschematerial besteht aus mehreren ver- schieben hartenBleistiften, Graphitpulver, einem kurzen Pinsel zu bessen Aufbringung, Wischer, chinesischer Tusche bie sogenannte wasserfeste empfiehlt sich hier nicht Gummilosung, roter Wasserfarbe am besten Karmin ober Inbischrot unb Mattlack. Die Verstarkung zu glasiger Tone kleineren (Jm- fangs geschieht vor allem mit Graphit unb am besten mit bem Stift. Mit bessen scharfer Spitze wirb Punkt an Punkt nebeneinanber gesetzt, was zwar zeitraubenb ist, aber boch bie gleichmaBigsten Resultate gibt unb immer wieber ausgeglichen werben kann; wogegen „gestrichelte" Retusche meist unruhig wirb. Soli bie Verstarkung nur gering sein, so nimml man bie harte Bleistiftsorte, zu starkerem Nachbunkeln bie weichere, wonach meist noch ein Ausgleichen mit ber harten notig wirb. Ist zu viel Mattolein auf ber Platte, so zeigt sich bas jetzt sehr storenb, bie Graphitteilchen besonbers ber weichen Stifte haften zwar fest an ber klebrigen Schicht, verschieben sich aber mit bieser zu einem rufiigen Gemengsel, bas sich auf keine Art gleichmaBig gestalten lafit. Wirb bas gleich bei Beginn gemerkt, so iiberreibt man bie Flache mit in Terpentin gefeuchtetem Lappchen, wobei in ber Regel genug an Harzsubstanz zuriickbleiben wirb. Notigenfalls mufi nochmals mit Mattolein iiberrieben werben, boch jetzt so, baB nur ein geringer Ruckstanb bavon auf ber Platte verbleibt. In gleicher Weise ist bie Flache teil- weise zu behanbeln, wenn bie Retusche aus anbern Griinben nicht befriebigt, zu stark ausfiel ober falsch in ber Form geriet. Doch muB man bei bem teilweisen Abreiben vorsichtig zu Werke gehen, bamit sich am Ranbe ber ausgeloschten Stellen keine Harzwiilste bilben, bie spater ben Graphit intensiver annehmen unb bann als bunkle Streifen erscheinen. Bei grotieren, aber boch nicht allzu umfangreichen Bildpartien verstarkt man mit Graphitpulver. Zum Teil kann bieses mit ber Wischerspitze aufgebracht, zum Teil mit einem stumpfen Pinsel unb nachtraglich erst mit bem Wischer angerieben werben. Dieses Anreiben barf zuerst nur ganz maBig geschehen, unb erst nach bem Antupfen bes ganzen Fleckchens kann man ausgleichenb kraftiger verreiben; boch nie zu stark, bie Schicht wirb sonst nur glatt poliert, wobei sich bie groberen, mehr beckenben Graphitteilchen fortreiben ober an einzelnen Stellen festreiben, so baB ein

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 28