Nov. 1923 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 95 wolkiges Aussehen resultiert, bem auch mit bem Stift nicht mehr ausreichenb beizukommen ist, weil bie polierten Stellen einfach uberhaupt nichts mehr an Qraphil annehmen. Wurbe aber mit bem Wischer nicht allzu stark gerieben, so lafit sich mit bem Stift noch manches ausgleichen, wenn auch bei grofieren Flachen mit biesem Retuscheverfahren absolute Gleich- maBigkeit fast nie zu erzielen ist. Wir werben baher zur Verstarkung groBer Flachen zu anbern Mitteln greifen. Zur Eintragung dunkler Details, wie bas besonbers bei ben Diapositiven erforberlich ist, bient uns in erster Linie wohl audi wieber ber Bleistift; bem zeichnerisch gewanbten Retuscheur wirb es meist keine Schwierig- keiten madien, bie photographisch fast immer ange- beuteten Formen sicher unb energisdi zu verstarken; besonbers mit ber weicheren Stiftsorte. Wo aber audi biese bie benotigte Kraft nicht bringt, muB Tusche und Gummildsung genommen werben. Die letztere bient zum Transparentmachen ber Tusche; mit bem Pinsel lassen sich bann schon abgestufte Tone eintragen unb nach bem Trocknen burch wieberholtes Ubermalen beliebig weiter verstarken. Freilich muB babei flott gearbeitet werben, sonst weicht bie schon friiher auf- gebrachte Farbe auf, unb bann ist's mit ber Sicherheit ber Arbeit unb mit ihrer -Schonheit vorbei. Da bie Tusche immer erst angewenbet wirb, wenn ber Blei stift zu kraftlos wirkt, so kommt biese Malerei fast aus- nahmslos auf Graphitunterlage, welche bie Tusche glatt annimmt. Anbernfalls macht bie fette Mattoleinschicht Schwierigkeiten, bie man burch gelinbes Abreiben mit Spiritus ober Atkohol minbern kann. Bei Trocken- unb Diapositivplatten ist noch besonbers zu betonen, baB schon aus bem Grunbe nie zuviel Farbe im Pinsel sein barf, weil sonst bie Gelatine zum Quellen gebradit unb leicht verletzt werben kann. Wenig zu empfehlen sinb bie Verstarkungen durch Anfarben ber Schiditen, weil bas zu unberechenbar ist, wenn es auch recht gleichmaBig geschehen kann unb sich beshalb fur groBe Flachen noch am ehesten eignet. Es muB vor bem Praparieren mit Mattolein erfolgen, unb zwar bei Gelatineplatten mit in Wasser gelostem gelbstidiigen Eosin beziehungsweise Neukoccin, bei Kollobiumnegativen mittels Atkohol, ber wieber mit Eosin, Neukoccin ober Aurantia angefarbt ist. Intensive Farbung kommt naturlich uberhaupt nicht in Betracht; geringste Farbstoffmengen wirken schon. Doch lasse man bies lieber ebenso wie bas HintergieBen mit gefarbten Mattlacken ober Kollobien. Es ist ein genau so gefahrliches Mittel wie in ber Positivretusche bie An- wenbung alter moglichen rotlichen unb blaulichen Farben unb fiihrt meist zu ebenso schweren Enttausdiungen bei ber Aufnahme ober Kopie bes Diapositivs. Nur ganz routinierte Retuscheure konnen bas wagen, unb auch bei solchen ist es meist ein Jonglieren mit tedi- nischen Kunsten von sehr fraglichem Wert. Das beste Mittel zur Verstarkung groBerer Flachen in verschiebensten Graben bietet der Mattlack, wie er in ben meisten Photohanblungen erhaltlich ist ober nach bem folgenben (Lainerschen) Rezept selbst ge- fertigt werben kann. Er besteht aus 20 g Sanbarak unb 6 g Dammar, bie in 200 ccm Ather gelost unb wozu nach Filtrierung 50 ccm Benzol gefiigt werben. Ein Zusatz von 10 bis 40 Tropfen Alkohol macht bie Lackschicht gleidimaBiger unb feiner. Zuviel Alkohol aber hebt bie Kornbilbung ebenso auf, wie bie Ver- wenbung absolut wasserfreien Athers sie hinbert; in letzterem Falle miissen ganz geringe Mengen Wasser hinzukommen, wobei man mit Zusatz von 1 ccm be- ginnt. Eine Anberung bes Benzolgehalts anbert auch bas Horn bes Lackes: mehr Benzol gibt groberes, weniger bavon ein feineres Korn. Reinheit ber Harze ist wichtig, was jetzt besonbers zu beachten ist. Das Ladcieren mit bem Mattlack geschieht weit iiberwiegenb auf ber Riickseite ber Platte, sonst aber in ganz gleicher Weise, wie bas vorhin beim Negativlack geschilbert wurbe. Schnelles Operieren ist audi hier erforberlich, um weniger transparente Lackwiilste zu vermeiben. Ist ber Mattlack an sich schon ein gleichmaBig wirkenbes Verstarkungsmittel von bestimmter Dichte, bas man burch Ausschaben auf bie benotigten Bilbteile besdirankt, so ist er nodi viel mehr eine Vorpraparation fur verschiebene Verstarkungsmethoben wirksamerer Art. Auf ihm lafit sich erstens mit bem Stift genau so arbeiten wie auf Papier, unb jebe gewiinschte Ton- starke ist ba ganz beliebig anzuschummern. Es kommt babei auf Subtilitat ber Retusche gar nicht sehr an, ba beren Elemente beim Passieren ber Glasplatte vom Lidit zerstreut werben unb also nur verflacht zur Geltung kommen. Ist z. B. bie Retusche auf ber lackierten Riickseite mit bem Stift in berber Kreibe- manier aufgebracht, so wirkt bas burch bie Platte hin- burch nur als verbunkelnber Ton, aber nicht mehr in Kornelementen. Selbstverstanblich ist, baB in solchem Falle bei zerstreutem Lidit kopiert werben muB. Ebenso versteht es sich, baB zarte Details auf biese Art nicht einzutragen sinb. In zweiter Linie ist auf bem Mattlack ebenso leicht Wasserfarbe anzubringen, unb zwar burch Bemalen unb burch Betupfen. Zu letzterem greift man gern, wobei man Fingerballen unb Inbischrot zu Hilfe nimmt. Es lassen sich so ganz gut verlaufenbe Flecken einretuschieren. Enblich kann ber Mattlack audi selber mit in Alkohol gelosten Farbstoffen angefarbt werben, was aber wieber am wenigsten zu empfehlen ist. In ganz vereinzelten Fallen nur bei Farbenplatten unb ba hauptsachlich bei ben Diapositiven fiir Gelb ist es audi angangig, bie Sdiichtseite ber Platte mit biinnem Mattlack zu iibergieBen, um eine kraftige unb scharf begrenzte Ver starkung zu erreichen. Die Sdiarfe bes resultierenben Bilbes wirb baburch immer etwas beeintrachtigt, was aber bei Gelbplatten meist nichts macht. Hingegen ist bie bei bieser Farbe im farbenperspektivisch nahen Bilbschatten unb in alien gelben, griinen, orangen unb braunen Bilbteilen notige groBe Kraft ber Tone auf biese Art am leichtesten zu bringen. Die Mattierung muB naturlich fiir biesen Zweck gering sein, mithin ber Alkoholzusatz zum Lack etwas vergrofiert werben. Die Abschwachungsmittel ber Negativretusche sinb viel weniger mannigfaltig. Fiir Lichtbruck ist bas eine sehr unangenehme Tatsache, ba man bei biesem alles an ben Negativen zu bessern sudien muB. Fiir unsern Tiefbruck liegt bas giinstiger, weil hier bie etwa notige Abschwachung an ben Negativen ersetzt wirb burch eine korresponbierenbe Verstarkung ber Diapositive. Der Tiefbruckretuscheur braucht also nur verstarken, unb zwar im Negativ ben von ber Aufnahme zu reich- lich, bas ist zu glasig gebrachten Farbanteil; ben zu wenig gekommenen, mithin zu stark gebeckten Anteil aber laBt er ruhig im Negativ stehen unb verstarkt ihn bann im Diapositiv, wo er zu burchscheinenb ist. Es hanbelt sich also immer nur um Verstarkung, bie freilich im Negativ audi eine negative Wirkung macht. Nur bort, wo bie Negativverstarkung versaumt wurbe ober zu gering ausfiel, wirb man spater genotigt sein, im Diapositiv abschwachen zu miissen, was sich auf ganz vereinzelte Falle besdiranken sollte unb nach einiger Erfahrung audi selten vorkommen wirb.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 29