96 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER xxx Direkte Abschwachung ber Schicht ist nur bei Trockenplatten (also audi bei ben Diapositivplatten) moglich, wo man sie burch Abreiben mit Alkohol unb Schleifmitteln unb burch Sdiaben bewerkstelligen kann. Das Abreiben erfolgt mit einem in Spiritus getauchten Lappchen, bas urn bie Fingerspitze, in subtileren Fallen um einen Holzstift gewickelt wirb. Der aufgewenbete Druck mufi babei ziemlich stark sein. Ein um ben Stift gewickeltes feuchtes Bauschchen, bas wieberholt in Schlemmkreibe ober in Putzpaste getaucht wirb, bient zum Ausschleifen kleinerer Details. Zarteste unb scharf begrenzte Formen miissen mit Schabnabel ober Schaber allmahlich abgetragen werben, wobei sie aber matt werben, was zu bekampfen ist, inbem man nachtraglich wieber mit ben vorherigen Mitteln etwas iiberschleift unb zuletzt mit Alkohol glatt reibt. Es sinb bas lauter Experimente von fraglichem Wert, bie uns balb lehren, beim Negativ barauf zu achten, baB nichts zu verstarken vergessen wirb unb baB man eher etwas zuviel, als zuwenig verstarkt. Das Zu- viel ist namlidi beim Diapositiv leicht burdi Ver- starkung wieber zu beheben. Mehr Verwertung finbet unb sicherer zu hanbhaben ist bie indirekte Abschwachung, wozu bie Riickseite ber Platte vollstanbig mit Mattladc iiberzogen wirb, worauf bie zu sehr gebeckten Bilbteile in ber Mattlackschidit ausgesdiabt werben. Wir belassen also gewisser- maBen nur bas zu bichte unb machen alles anbere biditer, so baB bas erstere relativ transparenter wirb, wenn audi keine absolute Abschwachung stattgefunben hat. Die Aufzahlung ber technischen Hilfsmittel ber Retusche ist bamit erschopft. Fast unerschopflich aber sinb bie Kombinationsmoglichkeiten bieser Hilfsmittel, beren Beherrschung erst ben guten Retuscheur macht. Wer burch viele Erfahrung mit ben Ergebnissen ber Einzelarbeit vertraut wirb, bem werben biese zahl- reichen Kombinationen balb von selber gelaufig werben, unb er weiB, baB sich ein Schema bafiir absolut nicht geben laBt. Der beste Lehrmeister bleibt audi ba ein Mifierfolg, ber kliiger macht als alle guten Lehren. Nicht schematised! arbeiten bas wirb bem Denkenben balb Grunbsatz werben. Unb immer im Meinungs- austausch mit bem Photographen unb Kopierer bleiben, bamit nichts gemacht wirb, was eine Neuaufnahme rascher unb viel besser bringen konnte, ober was kein Kopierer kopieren kann. Ganz ebenso ist's mit ber Darlegung ber Ortlichkeit unb ber Starke ber Retusche. Bei monochromen Bilbern ergibt sich bas bei einem Vergleich mit bem Original von selbst, unb ein asthetisch empfinbenber Operateur wirb ba sofort merken, wo unb wie er eingreifen muB, um mit wenigsten Mitteln bie beste Wirkung zu erzielen. Auf bem sdiwierigeren Gebiet ber Teilplattenherstellung fur Farbenbrucke ist es audi ganz unmoglidi, Normen zu geben, bie ben Unbe- fahigten in bie Lage versetzen, bie Arbeit machen zu konnen. Wer sich nicht bie Anteile reiner Farbe vor- zustellen vermag, aus benen eine Misdiung besteht, wer biese bunten Anteile im Geiste nicht in graue Tone iibersetzen kann, wem es gesagt werben muB, wo ein Rot abzusdiwachen, wo es zu verstarken ist, bem wirb eine befriebigenbe Retusche nicht gelingen. Wir konnen uns also ohne weiteres ber SchluB- betrachtung wibmen, bie sich mit ber Zuverlassigkeit der Glasretusche befassen soli. Diese laBt leiber sehr zu wiinschen; benn erstens ist bie Grabationsmoglich- keit ber Retusche beschrankt, unb zweitens ist bie Beurteilung ber Ausgiebigkeit ber Arbeit sehr sdiwierig, zumal bie Arbeit hier nicht burch zwischengelegte An- brucke kontrolliert unb nach biesen weiter gefiihrt werben kann. Das ist ber Grunb, weshalb man im chemigraphischen Betrieb uberall wieber bavon ab- gekommen ist, Farbenausziige ohne Raster zu machen, biese zu retusdiieren, banach Diapositive zu machen, audi sie ber Retusche zu unterziehen unb erst banach bie Rasteraufnahmen herzustellen. Nach bieser um- stanblichen Arbeit hatte man an ben autotypischen Kopien meist wieber ebenso viel zu retuschieren, als wenn bie erste Retusche unterblieben ware. Unb bie Mittel bes Chemigraphen bleiben bie bisher nodi immer vollkommensten zur sicheren Beeinflussung aller Tone, woriiber wir an bieser Stelle sdion wieber holt referierten. An der Unzulanglichkeit der Glasretusche liegt es auch hauptsachlich, dab der rationellen Ausgestaltung des Farbentiefdrucks fur Qualitatszwecke und fiir grobe Auflagen von befriedigender Gleichmabigkeit so bedeutende Schwierigkeiten entgegenstehen, die durch die Farbenfrage und durch die Pabschwierig- keiten noch erhoht werden. Gerade hier liegt nicht die starkste Seite des Tiefdrucks, obwohl man mit ihr am liebsten und meisten prunkt. Unb hier miissen alle Krafte einsetzen, wenn bie Entwicklung vorangehen soli, unb wenn man es nach eingehenber Uberlegung nicht gerabezu naturwibrig finbet, ben uralten Kupferbrudc zu Farbenbruckzwedcen zu ge- brauchen. Bisher hat bas immer nur zu Kiinsteleien unb Liebhaberbrucken gefiihrt, bie ihren Wert nur burch bie manuelle Herstellung hatten. Im ubrigen aber ist bie Schonheit bes Tiefbrucks gerabe immer beshalb gesdiatzt worben, weil sie in ber Einfarbig- keit alien Reiz ber Farbe zu ersetzen unb sie an Kraft unb Stimmung meist noch zu iiberbieten vermochte. Diese alten, bewahrten Grunbsatze sollten nicht aufier acht gelassen werben, wenn man sich mit bem Tiefbruck befaBt, bessen Art aller siiBlichen Mache wiberstrebt. 20 lahre Farbenphotographie. Im Jahre 1902 gelang es Professor A.Miethe, in ben Farbstoffen aus ber Isozyaningruppe Substanzen zu finben, bie eine Platte fast fiir bas gesamte sichtbare Spektrum bis ins Orangerot hinein einigermaBen gleichmaBig sensi- bilisierte. Es beburfte bann nur noch einer Aus gestaltung ber Aufnahmekamera, um an jebem be- liebigen Orte im Freien in nur wenige Sekunben umspannenber Belichtungszeit Teilbilber fiir einen Dreifarbenbruck zu erzeugen. Seitbem sinb Vervoll- kommnungen gegliickt; auch bas Lumiereverfahren gehort hierher. Das farbige Papierbilb fehlt bis heute noch. Nicht so zu verstehen, baB es unmoglich ware, unter Verwenbung einer hochst subtilen Tedinik zu- friebenstellenbe Papierbilber herzustellen, aber bie Verfahren sinb viel zu schwierig, als baB sie sich bauernb in ber Technik behaupten konnten. Grunb- legenbe Fortschritte sinb hier kaum gemacht worben. Es ist unklug zu prophezeien; aber bas farbige Papier bilb muB auch eines Tages noch kommen. Unsere beschlagnahmten Farbstoffe. Um eine Farbeninbustrie aufzubauen, hieB es in Amerika unb Englanb: „Seib Patrioten! Kauft nicht von Deutsch- lanb!" Heute ergeht ber Ruf aus Paris, baB man beutsche Anilinfarben en gros von Frankreich kaufen kann, bas 6500 Tonnen beschlagnahmt hat. Ameri- kanische Firmen unterhanbeln bereits iiber bie Ab- nahme, unb bas Geschaft wirb auch wohl zustanbe kommen. Man bezahlt freilich mehr, aber man ist boch ein guter Patriot.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 30