Nov. 1923 DEUTSCHER BUCH- UND 5TEINDRUCKER 97 Die DrucKformtra^er beim TiefclrucK Von Oberingenieur Karl Albrecht line sehr wichtige Frage bei Neueinrichtung von I Tiefbruckbetrieben ist unzweifelhaft bie, welches Material zweckmaBig als Trager ber Tiefbruck- form verwenbet wirb. Zweck bieses Aufsatzes soli es sein, bie gegenwartig hauptsachlich zur Verwenbung gelangenben Materialien auf ZweckmaBigkeit unb Wirt- schaftlichkeit zu untersuchen. Am meisten wirb wohl Kupfer als eigentlicher Trager ber Druckform verwenbet, wie es im Kattunbruck, aus bem sich ja ber Papiertiefbruck entwickelt hat, schon von Anfang an gebrauchlich war. Nach Art ber Ge- winnung unterscheibet man gewalztes, gezogenes ober auf elektrolytischem Wege gewonnenes Material. Die Form, in ber bas Kupfer zur Verwenbung gelangt, ist Kupferblech, nahtloses Kupferrohr ober als Nieber- schlag auf Kupfer ober anberm Metall. t,Die Anwenbung von Kupferblech, also gewalztem Kupfer, beschrankt sich bis jetzt fast ausschlieBlich auf bie Flachformmaschine, bie Tiefbruckschnellpresse. Es kann in Platten von verschiebener GroBe unb von vs bis 1 v2 mm Starke, plangeschliffen unb hochglanz poliert, also zum Atzen fertig, im Hanbel bezogen werben. Die Verwenbung bieser Bleche bietet in ber Tiefbruckschnellpresse verhaltnismaBig wenig Schwierig- keiten. Das Aufspannen erfolgt ahnlich wie bas einer Zink- ober Aluminiumplatte auf bem Spannblock einer lithographischen Schnellpresse. Die Dehnung, bie in- folge bes Drucks entsteht unb sich hauptsachlich in Richtung bes Umfanges bemerkbar macht, kann burch Febern leicht ausgeglichen werben. Audi bas Entfernen ber uberschiissigen Farbe burch bie Rakel ist ziemlich einfach zu bewerkstelligen, wobei allerbings eine ge- wisse Menge Farbe verloren geht. Die Schwierigkeiten haufen sich aber, sobalb man Kupferbleche in ber Rotationsmaschine verwenbet. Schon Kempe-Blecher hatten im Anfange bie Ver wenbung von Kupferblechen in ihrer Bogenmaschine vorgesehen. Die Dehnung sollte burch eine elastische Spannvorrichtung aufgehoben werben, wahrenb man ben freien Raum zwischen ben Blechenben burch Zwischenlager, bie ebenfalls nachgiebig waren, iiber- briickte. Die Farbe wurbe bann burch eine Hilfsrakel iiber biese Zwischenlager hinweggefiihrt. Bei einer anbern Konstruktion wirb bie Einfarbung zwischen ben Enben unterbrochen unb bie Rakel abgehoben. Ein Wischwerk besorgt bas Reinigen ber Enben. Es hat sich aber in ber Praxis gezeigt, baB burch bas Einfallen ber Rakel am Druckanfang sowohl bie Atzung als auch bie Rakel sehr balb Schaben leiben unb baB erstere in verhaltnismaBig kurzer Zeit zerstort wirb. Man ging beshalb sehr balb zur Verwenbung von nahtlosen Rohren iiber. Spater wurben in bieser Richtung von ber Maschinen- fabrik Augsburg-Niirnberg eingehenbe Versuche ge- macht, bei welchen man bie Bleche ganz um ben Zylinber gehen unb bie Enben entweber stumpf zusammen- stoBen ober gabelformig ineinanber greifen liefi. Um bas Einfallen ber Rakel zu vermeiben, lief ber Zu- sammenstoB nicht auf ber Mantellinie, sonbern in einen Winkel zur Zylinberachse unb fiel bei geschnittenen Bogen zwischen bie Bogenenben, bei enblosem Papier auf bie Sdineibkante. Eine Dehnung bes Bleches sollte baburch vermieben werben, baB bas Aufspannen unter groBerem Druck als ber Betriebsbruck bei gleidi- zeitiger Erwarmung erfolgte. Eine praktische Ver- wertung bieser Versuche in groBerem MaBe hat bis heute nicht stattgefunben. In neuerer Zeit arbeitet man in Englanb baran, hartgewalzte Bleche zu ver- wenben, bie bann beim Aufspannen einem sehrstarken Zug ausgesetzt werben. Ob man hiermit einen praktischen Erfolg erzielte, ist bis jetzt nicht bekannt- geworben. Aus all biesen Versuchen ersieht man, baB bie starke Dehnbarkeit bes Materials in ber Praxis groBe Schwierigkeiten bereitet unb ben Gebrauch bei PaB- arbeiten ober Farbenbruck unmoglich macht. Auch ist es nicht leicht, uberall gleich starke unb vollig plan- geschliffene Bleche herzustellen. Letzteres ist iiber- haupt nur auf maschinellem Wege moglich. Es ist beshalb nicht selten, baB erst eine ganze Anzahl Fehl- brucke gemacht werben miissen, bevor einwanbfreie, saubere Arbeit geleistet werben kann. Ferner ist bas Atzen ebener Flachen sehr viel schwieriger unb erforbert mehr Geschicklichkeit als bas runber Korper. Die Vorteile, bie bie Verwenbung von Kupferblechen bietet, liegen vor allem in bem geringen Gewicht ber- selben. Dieses ermoglicht leidites Hanbhaben beim Atzen usw. unb sicheren, bequemen Transport audi auf groBere Entfernung mit ber Post. Audi bie Moglichkeit bes Aufbewahrens ohne grofie Raumbeanspruchung unb Kapitalfestlegung wirb als Hauptvorteil ins Treffen gefiihrt. Wenn man aber iiberlegt, bafi nicht allzu viele Formen in genau ber gleichen Zusammenstellung nach- gebruckt werben, unb baB es ferner weber sdiwierig noch besonbers kostspielig ist, eine neue Atzung anzufertigen, baB bie Aufbewahrung ber Diapositive noch weniger Raum unb Kapital beansprudit, so wiegt bieser Vorteil nicht allzu schwer. Es ist klar, baB sich mit ber Zeit auf biese Art auch ein ganz ansehnliches Kupferlager ansammelt. Es gibt bereits audi ein Ver- fahren, um Pigmentkopien auf lange Zeit haltbar zu machen, so baB es sich eriibrigt, ganze Montagen zu- sammengestellt aufbewahren ober im Wiebergebrauchs- falle neu anfertigen zu miissen. Die Frage ber Anschaffungs- unb Betriebskosten soli am Schlusse zusammen mit benjenigen ber anbern Formen behanbelt werben. Am meisten wirb bas Kupfer in Form von naht losen Rohren benutzt; biese Form wurbe aus bem Kattunbruck iibernommen. Die Rohre werben nahtlos gezogen unb in ben meisten Fallen mit einem elektro- lytischen Kupfernieberschlag versehen. Dem Kupferrohr als Druckformtrager fehlen so ziemlich alle Eigenschaften, bie bei ber Verwenbung von Kupferblechen storenb unb arbeiterschwerenb in Erscheinung treten. Durch ben vollig geschlossenen Umfang macht bie Einfarbung unb bas Abrakeln gar keine Schwierigkeiten. Die Dehnung ist wohl vor- hanben, macht sich aber bei normalem Betrieb nicht bemerkbar. Erst bei groBen Drucken ober groBeren Umbrehungszahlen wahrenb langerer Zeit tritt starkere Erwarmung unb baburch merkliche Dehnung auf. Die Rohre sitzen nicht mehr fest auf ben Kernen, es finbet ein Rutschen statt, also eine Verstellung bes Registers. Dem kann burch geeignete Konstruktion ber Kerne entgegengearbeitet werben, so baB trotzbem PaB- arbeiten unb Farbenbruck moglich sinb. Schleifen unb Atzen sinb am Rohr leichter unb genauer vorzunehmen. Als Hauptnachteil wirb ber angeblich hohe An- schaffungspreis ins Felb gefiihrt. Wie weit bies seine Riditigkeit hat, soil in einer besonbern Gegeniiber- stellung am Schlusse gezeigt werben. 13

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 33