98 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER XXX Ein ernsterer Nachteil ist das groBere Gewicht. Dies erschwert vor allem die Handhabung beim Uber- tragen und Atzen, beim Transport audi innerhalb des Betriebes und verteuert den Transport auf groBere Entfernung wesentlich. Auch zum Aufbewahren ge- atzter Formen ist es nidit geeignet, da hierdurch sehr viel mehr Raum beansprucht und unter Umstanden erhebliche Kapitalien festgelegt wurden. Dies ist aber nicht notig, da eine neue Atzung leicht und sicher ge- madit werden kann. Die Wandstarke der Rohre variiert je nach den Druckarbeiten, fur die sie verwendet werden, und der Aufspannungsmethode zwischen iv2bis 2 mm und 15 bis 20 mm. Im allgemeinen betragt sie 8 bis 10 mm. In der ersten Zeit des Tiefdrucks stellte man die Rohre mit groBen Wandstarken und konischer Bohrung her. Dieselben wurden mittels einer Aufdriickvorrichtung mit grofier Raderubersetzung, dem Spindelstuhl, von Hand oft miihselig auf einen Gufi- Oder Stahlkern aufgepreBt. Nadi erfolgtem Druck wurden sie in der- selben Vorrichtung wieder abgedriickt. Durch das oftere Auf- und Abdriicken weitete sich der Mantel, ging wahrend des Druckes los und rutschte. PaBarbeiten konnten nur sehr schwierig und mit groBer AusschuB- ziffer hergestellt werden. Man half sich dann mit Unterfiitterung, doch war das immer nur ein Notbehelf. Die Bereithaltung von Gufikernen mit etwas groBerem Durchmesser verteuerte den Betrieb erheblich. Die grofien Wandstarken wahlte man, um moglichst viel abschleifen, das Rohr also lange in Gebrauch halten zu konnen. Dies ist aber nur moglich, wenn man nicht an bestimmte Formate gebunden ist, Oder wenn dieselben Verminderungen im Umfang zulassen. Bei Zeitungen und Zeitschriften, die bei alien Auf- lagen moglichst immer im gleichen Format erscheinen sollen, muB der Umfang des Kupferrohres immer gleich bleiben beziehungsweise darf nur geringe Ab- weichungen durch Absdileifen erfahren. Man benutzt in diesem Falle Rohre von 2 bis 3 mm Wandstarke, die mittels einer hydraulischen Presse auf einen Eisen- kern aufgepreBt werden. Diese Vorrichtung ist ziemlich umfangreich und teuer. Waren die Rohre bis auf das geringste zulassige MaB abgeschliffen, so wurden sie abgedriickt und auf einen groBeren Kern aufgezogen, wodurch infolge Aufweitung der alte Durchmesser wieder erreicht wurde. Die Ver- groBerung des Durchmessers erfolgte natiirlich auf Kosten der Wandstarke, die entsprechend kleiner wurde. Diese beiden Arten des Aufspannens sind nur noch in einigen alteren Betrieben in Gebrauch, die von friiher her die notigen Einrichtungen besitzen. Zu modernen Betrieben werden Rohre mit zylin- drischer Bohrung und Wandstarken von ungefahr 8 bis 10 mm verwendet. Zum Zwecke des Aufspannens sind die Kerne entweder mit verschiebbaren Konussen versehen oder zwei- oder vierteilig ausgefiihrt, wobei die Zylindersegmente durch Verschieben auf der konischen Stahlwelle gegen den Kupfermantel gepreBt werden und diesen so fest halten. Die heute wohl am meisten in Gebrauch befind- liche Form ist die des elektrolytischen Niederschlages. Es ist dies eine Folge der aufierordentlich verbesserten Arbeitsmelhode und der besonders guten Eignung des Elektrolytkupfers fur Tiefdruckzwecke wegen seiner Dichte, Reinheit und Harte. Der Niederschlag erfolgt meist auf gezogene Kupfer- oder Messingrohre. Es werden aber audi ganze Rohre nach dieser Arbeits- weise fabriziert. So arbeitet die Elmore A.-G. in Schladern nach einem ihr durch Patent geschiitztes Verfahren. Der Kupferniederschlag betragt im allge meinen etwa 2 mm. An Stelle von Kupfer oder Messing wird haufig auch Stahl oder GuBeisen genommen. Bei Verwendung von nahtlos gezogenen Stahlrohren kann die Wand starke noch schwacher gehalten werden. Auch weiten sich dieselben bei langerem Gebrauch nicht auf und dehnen sich bei den vorkommenden Warmegraden nur ganz unwesentlich aus. In Zeitungsdruckereien findet man zuweilen noch GuBzylinder, die verkupfert sind. Das groBe Gewicht derselben erschwert den Transport und das Arbeiten damit in der Atzerei aufier ordentlich. Bei Verwendung von anderm Metall statt Kupfer als Trager des Niederschlags muB man einen Nachteil mit in Kauf nehmen, der allerdings meist erst nach ein- bis zweijahrigem Gebrauch in Erscheinung tritt. Mit der Zeit treten an der Trennschicht zwischen Kupfer und Eisen Unterfressungen auf, und es losen sich hierdurch kleine Splitterchen ab. Diese Absplitterungen storen beim Atzen und Drucken auBerordentlich, und haufig tritt eine Starke Abnutzung der Druckform ein. Auch mit einer vorzeitigen Zerstorung der Kupferungs- bader ist zu rechnen, da bei Verwendung von ver- schiedenen Metallen sekundare Strome entstehen, die die Bader zersetzen. Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der ver- schiedenen Gebrauchsformen mussen folgendeGesichts- punkte in Betracht gezogen werden: Die Beschaffungs- kosten, die Betriebskosten und die Wiederverwendungs- moglichkeit. Bei den folgenden Preisaufstellungen wird eine Atzform von 70X100 cm zugrunde gelegt. Wenn man die Beschaffungskosten allein betrachtet, so schneidet das Kupferblech am besten ab. Es kostet das Kilo Kupferblech, geschliffen, auf Hochglanz poliert, also fertig zum Atzen, etwa 10 Gold- mark (GM), das Gewicht der Platte fur obige Atzung betragt etwa 7,5 kg, mithin der Beschaffungspreis 75 Goldmark. Ein Zylinder aus Elektrolytkupfer wiegt bei etwa 9 mm Wandstarke etwa 62 kg, und das Kilo kostet 5,5 Goldmark, Gesamtanschaffungspreis 360 Goldmark. Ein gleich grofier Stahlzylinder mit einer 2 mm starken Kupferschicht kostet bei einem Gewicht von 58 kg und einem Kilopreis von 7 Goldmark 410 Gold- mark. Unter Betriebskosten sind vor allem diejenigen Kosten zu verstehen, die durch den Kupferverlust beim Atzen und Absdileifen entstehen, ferner auch die Transportkosten. Die ersteren sind bei alien Formen ziemlich dieselben. Durch Wiegen vor dem Atzen und nach dem Absdileifen wurde bei obiger GroBe ein Gewichtsverlust von etwa 400 g festgestellt. Hiervon entfallen ungefahr ein Drittel auf das Atzen, wahrend zwei Drittel im Schleifschlamm enthalten sind. Das in den Atzbadern enthaltene Kupfer verbleibt darin und dient zum Abstumpfen der Bader beim Nach- fiillen, die im Schleifschlamm enthaltenen zwei Drittel dagegen konnen zum Teil wiedergewonnen werden. Der Schleifschlamm wird gesammelt und getrocknet, und daraus wird in einem Kupferwerk dann das Kupfer ausgeschmolzen. Man kann im Durchschnitt damit rechnen, daB die Halfte der Gewichtsabnahme des Kupferzylinders auf diese Weise wiedergewonnen wird. Das Kupferwerk kauft das gewonnene Kupfer nach Abzug eines geringen Prozentbetrages fiir Un- kosten zum Tagespreis zuriick. Die Transportkosten lassen sich ziffernmafiig nicht angeben, sind aber selbstverstandlich bei Kupferblechen erheblich geringer.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 34